Barbara Naujoks, seit der Geburt gehörlos, arbeitet seit 25 Jahren als Raumpflegerin in der Schule

„Wunderbares Beispiel für Integration“

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Neben einer gerahmten Urkunde bekam die Dienstjubilarin Barbara Naujoks von Bürgermeister Herwig Wöbse (l.) und dem Personalratsvorsitzenden Michael Lührs (r.) je einen Blumenstrauß überreicht. Auch Hausmeister Werner Cohrs (2.v.l.) zählte zu den Gratulanten.

Harpstedt - Sie kam schon gehörlos zur Welt. Ihre 100-prozentige Schwerbehinderung hielt die Samtgemeinde gleichwohl nicht davon ab, Barbara Naujoks vor 25 Jahren, am 26. April 1991, als Raumpflegerin für die Grundschule Harpstedt einzustellen. Uwe Cordes, damals noch stellvertretender Verwaltungschef, habe sich stark dafür eingesetzt, erinnerte sich Christiane Troike, die in Bremen wohnhafte Schwester der 63-Jährigen, jetzt während einer Feierstunde zu Ehren der Dienstjubilarin.

Tiefe Dankbarkeit sprach aus ihren Worten, auch gegenüber den Kolleginnen der Raumpflegerin, dem Lehrkörper, der Grundschulleitung und der Samtgemeindeverwaltung. Hausmeister Werner Cohrs bekam eine besonders „einfühlsame Art“ im Umgang mit der Gehörlosen bescheinigt.

Die Jubilarin, eine Tochter des früheren Harpstedter Schulkonrektors Hans-Joachim Naujoks, hatte ihrerseits ihre Dankbarkeit gegenüber dem Arbeitgeber mit geradezu bewundernswerter Pflichterfüllung zurückgegeben. In 25 Jahren sei sie gerade mal 25 Tage krank gewesen, und der letzte Krankheitstag liege schon 14 Jahre zurück, zollte ihr Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse während der Feierstunde im Grundschullehrerzimmer Lob und Anerkennung. „Wir sind sehr stolz auf Sie, aber Sie haben auch allen Grund, stolz auf sich selbst zu sein“, sagte er.

„Bleiben Sie, wie Sie sind!“ Mit diesen Worten beendete der Personalratsvorsitzende Michael Lührs seine Laudatio, in der er ebenfalls seine Hochachtung ob der wenigen krankheitsbedingten Fehltage zum Ausdruck brachte.

Christiane Troike verschwieg nicht, dass ihre Schwester es in ihrer Kindheit, aber auch in ihrem späteren Leben immer wieder sehr schwer gehabt habe. Mit sieben Jahren sei sie in ein Internat gekommen. Dort seien die Kinder mit Resthörvermögen bevorzugt worden. „Gebärdensprache war verboten und wurde nicht toleriert.“ Kinder hätten Schläge auf die Finger bekommen, wenn sie sich trotzdem mit Gebärden verständigten, erzählte die Bremerin.

Barbara Naujoks besuchte dann Gehörlosenschulen in Osnabrück und Wildeshausen. Später arbeitete sie als Näherin in Harpstedt und nach zweijähriger Erwerbslosigkeit in einer Twistringer Firma, bevor sie erneut auf Jobsuche gehen musste. Diesmal dauerte die ungewollte Auszeit sogar drei Jahre, bis sie bei der Samtgemeinde eine Anstellung bekam. Die Phasen der Arbeitslosigkeit seien besonders schwere Zeiten für sie gewesen, erinnerte sich ihre Schwester. Die Samtgemeinde Harpstedt habe indes ein ganz wunderbares Beispiel für die Integration schwerbehinderter Menschen gegeben, urteilte sie. Durch Verständnis und Unterstützung sei das Leben von Barbara Naujoks „sehr viel leichter verlaufen.“ Am 1. September geht die in Harpstedt wohnende Jubilarin in den Ruhestand. „Ich bin eine glückliche und selbstbestimmte Putzfrau“, schrieb sie vor einigen Jahren nieder. Und daran hat sich, wie in der Feierstunde anklang, bis heute nichts geändert. 

boh

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