Ochtumverband setzt Renaturierung um

Der „Wüste“ im Dünsener Bach wird der Garaus gemacht

Strömungslenker, Totholz, Kiesbänke – wozu soll das gut sein? Antworten auf diese Frage gab Ochtumverbandsgeschäftsführer Matthias Stöver (l.), der dem Bürgerstammtisch die strukturverbessernden Maßnahmen im Dünsener Bach im Detail erläuterte.

Dünsen - Kulturbaumaßnahmen mit Begradigungen von Fließgewässern, sogenannte Meliorationsmaßnahmen, dienten in den 1950er- und 1960er-Jahren der damals zwingend notwendigen Ertragssteigerung in der Landwirtschaft, ließen naturschutzfachliche Belange aber aus heutiger Sicht zu sehr außer Acht. Die Folgen lassen sich auch am Dünsener Bach feststellen: Die monotone Sandsohle im Gewässerbett können nur noch wenige wasserabhängige Tiere besiedeln; das Leben ist dort mehr und mehr verschwunden.

Daher lässt der Ochtumverband den Bach seit Juni auf rund 800 Metern nördlich der Hauptstraße in Dünsen renaturieren. Die veranschlagten Kosten bewegen sich zwischen 70.000 und 80.000 Euro. Zu 90 Prozent wird die Maßnahme aus „Töpfen“ des Landes Niedersachsen und der Europäischen Union bezuschusst. Die übrigen zehn Prozent verbleiben beim Landkreis Oldenburg und beim Ochtumverband.

Der Dünsener Bürgerstammtisch, der sich bislang unter anderem mit Möglichkeiten zur Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs, dem Wohnraumbedarf und dem schlechten Handyempfang in seiner Heimatgemeinde befasst hat, ließ am Montag durchblicken, dass ihm auch die Ökologie keineswegs schnuppe ist. Während eines Ortstermins am Dünsener Bach erläuterte der Ochtumverbandsgeschäftsführer Matthias Stöver den „Stammtischlern“ um Heinz-Jürgen Greszik die Renaturierung und die Gründe dafür.

Sandsohle soll verschwinden

Im Interesse einer Wiederbelebung des Fließgewässers soll vor allem das Verschwinden der Sandsohle erreicht werden, also gewissermaßen das Wegspülen der „Wüste“. Dazu gilt es, die Fließgeschwindigkeit stellenweise zu erhöhen. Und dies geschieht wiederum mit dem Einbau von Strömungslenkern aus Kies und Totholz. Letzteres verrottet mit der Zeit, was durchaus gewünscht ist, zumal es dann unter anderem als Biotop für Larven interessant wird – und somit indirekt Fischen eine Nahrungsquelle verschafft. Die Kiesbänke dienen wiederum der Fortpflanzung; dort können die Fische laichen.

Im Zuge der Lenkung des Gewässers in Richtung Westen lässt der Wasserdruck, so zumindest die Hoffnung des Ochtumverbands, mit der Zeit Bachschlingen entstehen. Der westliche Uferbereich gehört dem Landkreis Oldenburg. Noch in dieser Woche sei, so Stöver, mit dem Abschluss der Renaturierungsmaßnahme zu rechnen. An anderer Stelle hat der Ochtumverband bereits eine Sohlgleite zwecks Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit entstehen lassen, damit Fische und andere Lebewesen es leichter haben, den Höhenunterschied von nahezu 70 Zentimetern zu überwinden.

Appell an Komposthaufen-Besitzer

Die Entscheidung über die Art der Uferbepflanzung im renaturierten Bereich des Bachs steht noch aus. Der Ochtumverband erwägt, hierfür Erlen von eigenen Saatflächen zu pflanzen. Das hätte gleich zwei Vorteile: Die Breitwurzler böten den Fischen Unterschlupf und trügen obendrein zur Uferbefestigung bei.

Am Rande wies Matthias Stöver auf notwendige Mindestabstände hin, beispielsweise fünf Meter zwischen Komposthaufen und Gewässer, und appellierte insbesondere an die Anlieger, diese einzuhalten.

boh

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