Workshop sorgt für Begegnungen auf Augenhöhe zwischen Menschen verschiedener Religionen

Großes soll wachsen – Menschlichkeit wichtiger als Glaube

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Dimitrius Berger, Hartwig Hornbostel, Annette Grummt und Audrey Wessels (von links) engagieren sich für Begegnungen zwischen Menschen verschiedenen Glaubens.

Harpstedt - Zu einem offenen Workshop für Begegnungen zwischen Menschen verschiedener Glaubensrichtungen sowie zur Vorbereitung des Israel-Gottesdienstes am gestrigen Sonntag in der Christuskirche in Harpstedt, trafen sich am Sonnabend im Alten Pfarrhaus Interessierte mit evangelischem, katholischem und jüdischem Hintergrund. Neben dem Fokus auf die Gemeinsamkeiten der verschiedenen Glaubensströmungen, waren auch jüdische Lieder, die hebräische Sprache, koscheres Essen sowie jüdische Feste und Besonderheiten des jüdischen Glaubens die Hauptthemen.

Annette Grummt von der Christusgemeinde hatte den Workshop initiiert. „Wir feiern in diesem Jahr in Harpstedt schon zum zweiten Mal den Israel-Gottesdienst. Damit nehmen wir eine alte Tradition wieder auf“, erklärte sie. Dimitrius Berger und Hartwig Hornbostel von der jüdischen Gemeinde in Bremen-Schwachhausen waren sofort Feuer und Flamme für das Projekt, das ein besseres Verständnis zwischen den Glaubensrichtungen fördern soll.

Ziel sei es, aus dem Projekt noch etwas Größeres wachsen zu lassen – zum Beispiel einen Verein oder ein Netzwerk für ganz Norddeutschland, in dem Menschen verschiedener Glaubensrichtungen sich austauschen und sich bei Bedarf gegenseitig helfend zur Seite stehen. „Solche Hilfeleistungen könnten zum Beispiel aus Empfehlungen bestehen – etwa wo ein guter Anwalt oder Arzt zu finden sind“, erklärte Berger. „Oder einfach daraus, ein Ansprechpartner zu sein – für Sorgen, Wünsche, Nöte.“

Grummt, Berger und Hornbostel kennen sich schon länger – unter anderem auch von verschiedenen Projekten, Seminaren und Exkursionen des Vereins „Begegnung Christen und Juden Niedersachsen“. Spontan gesellte sich am Sonnabend zu der Runde, die buchstäblich bei offener Tür zusammensaß, auch Audrey Wessels, Mitglied der katholischen Christ-König-Gemeinde in Harpstedt, dazu.

„Ich bin wirklich nur zufällig vorbeigelaufen und habe mich dann sofort für das Thema interessiert“, berichtete er lachend. Sie wurde herzlich willkommen geheißen – nicht zuletzt mit Obst, Erdnüssen, Snacks und Ingwertee. Schließlich ging es auch um das Verständnis für koscheres Essen. „Heutzutage ist es mehr denn je aktuell, sich mal Gedanken zu machen, wo das, was man so isst, überhaupt herkommt“, fand Grummt, als die Juden über den Gedanken des „reinen Essens“ aufklärten. „Es geht aber auch um die Reinheit der Gedanken, der Gefühle und des Handelns“, erklärte Berger.

„Wir alle möchten gerne etwas dazu beizutragen, eine glaubensübergreifende Werte- und Normen-Gesellschaft aufzubauen – vor allem angesichts dessen, was wir aus den Medien tagtäglich erfahren“, fasste Grummt zusammen. „Wir wollen den Fokus auf die Gemeinsamkeiten legen, anstatt Unterschiede hervorzuheben.“

„Es dreht sich um die Menschlichkeit“, ergänzte Berger. „Wir alle sind Menschen, wir sind lebendig. Und um dieses alltägliche Leben und Zusammenleben geht es uns. Das ist greifbar. Das Spirituelle, das die verschiedenen Glaubensströmungen augenscheinlich unterscheidet, ist viel weiter weg.“

Nebenbei bereiteten die Workshop-Teilnehmer den Sonntagsgottesdienst vor, wählten jüdische Lieder aus, die auch in den christlichen Gemeinden bekannt sind, und machten sich Gedanken zum Anzünden der acht Kerzen des Chanukkia-Leuchters, der eigens auf dem Altar aufgestellt wurde. Zu jeder Kerze wurde ein Text vorbereitet.

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