Wolfgang Kunsch: Lehrkräfte in Dünsen fühlen sich nicht mehr wohl in ihrer Haut

„Die Stimmung kippt“

Dünsen - Von Jürgen Bohlken. Dass die Lehrkräfte an der kleinen Grundschule Dünsen im Unterricht notgedrungen zunehmend zu Allroundern avancieren, war bekannt, dass sie aber selbst inzwischen anscheinend sehr unter der damit verbundenen Belastung leiden, hingegen nicht. Jedenfalls zeigten sich einige Mitglieder des Samtgemeinde-Schulausschusses gestern regelrecht überfahren, als Wolfgang Kunsch, kommissarischer Rektor in Dünsen, von einem „Stimmungswechsel“ im Kollegium berichtete.

Die Beratung über den baulichen Investitionsbedarf an der Dorfschule, eigentlich Gegenstand der Tagesordnung, geriet urplötzlich zur Nebensache.

„Die Kollegen an der Grundschule Dünsen wünschen, dass ich eine Erklärung abgebe“, sagte Kunsch. „Sie haben festgestellt, dass sich Eltern sehr für den Schul-Erhalt eingesetzt haben. Sie nehmen wahr, dass sich heute der Ausschuss mit den baulichen Maßnahmen beschäftigen will. Aber sie haben mich auch gefragt, an welcher Stelle sie denn selbst schon mal angehört worden sind.“ Die Stimmung sei „gekippt“. Die Lehrkräfte hätten erkannt, dass es nicht mehr einfach sei, an der Grundschule Dünsen zu unterrichten. „Das sagen sie unisono, weil sie allesamt Fächer unterrichten müssen, die sie nicht studiert haben. Ich werde sie auch im kommenden Schuljahr verpflichten müssen, das zu tun“, fuhr Kunsch fort. Die Betroffenen müssten an allen Konferenzen teilnehmen, seien „Mitglieder aller Konferenzen, die es gibt“. Sie fühlten sich nicht mehr wohl in ihrer Haut, gerieten an ihre Grenzen. Kunsch brachte erklärte Absichten von Lehrkräften zur Sprache, sich versetzen zu lassen. Die Entscheidung darüber träfe allerdings die Landesschulbehörde. Die könne Versetzungsgesuche auch ablehnen.

Götz Rohde (Bündnis 90/Die Grünen) wollte wissen, wann besagter Stimmungswandel eingesetzt habe. „Das hat sich etwa seit Ostern aufgebaut“, erwiderte Kunsch. Von den aktuell fünf Lehrkräften seien vier neu. Die hätten zwar die Rahmenbedingungen in Dünsen gekannt, aber nicht gewusst, was im Unterrichtsalltag genau auf sie zukomme. „Sie haben uns überrascht Ihrer Erklärung“, äußerte sich Heinz-Jürgen Greszik (SPD) in Richtung Kunsch. Die Angelegenheit müsse vertiefend beraten werden; das gehe nicht anders: „Wir können nicht eine Schule fortführen, wenn das Kollegium nicht mehr will. Das funktioniert nicht“, so Greszik.

Stefan Wachholder (CDU) und Horst Hackfeld (HBL) fanden die Ausführungen Kunschs indes so neu nicht. Vieles davon sei auch im Schulentwicklungs-Arbeitskreis schon zu hören gewesen. Die Probleme in Dünsen ließen sich nach Kunschs Einschätzung eher lösen, wenn der Standort eine Außenstelle der Grundschule Harpstedt wäre. „Dann könnte man mit den Lehrern besser jonglieren.“

Die Unzufriedenheit des Kollegiums als neuer Aspekt ließ den Ausschuss augenscheinlich zweifeln, ob die bereits getroffene Entscheidung zum Erhalt der kleinen Grundschule richtig gewesen ist. Daten, die Verwaltungschef Herwig Wöbse eingangs nannte, dürften die Zweifel noch zusätzlich genährt haben. Die Schülerzahl in Dünsen schrumpft nach Lage der Dinge nach den Sommerferien auf 44 (nur zwei Kinder sollen eingeschult werden) und im Jahr darauf auf 35; von zehn für 2016/17 angemeldeten ABC-Schützen kommen vier aus der Gemeinde Kirchseelte. Die Öffnung des Schulbezirks hat also wenig gebracht. Ein anderes Problem: Die Rektorenstelle ist nach wie vor vakant.

Vor dem Hintergrund der vielen „Baustellen“ rang sich der Ausschuss nicht dazu durch, schon zu etwaigen Bau- und Sanierungsmaßnahmen an der Grundschule Dünsen eine Beschlussempfehlung abzugeben. Stefan Wachholder beantragte zwar, das Gremium möge ein klares Signal geben, ob gebaut werden soll oder nicht, aber das kam gar nicht mehr zur Abstimmung. Die Grünen kamen zuvor – nach einer Sitzungsunterbrechung – mit ihrem Antrag auf Vertagung durch. Der Schulausschuss soll nun zeitnah abermals tagen, und zwar nichtöffentlich in der Grundschule Dünsen, um dort von den Lehrkräften selbst deren Sorgen und Nöte geschildert zu bekommen. Eine öffentliche Sitzung soll an einem anderen Tag folgen.

Rubriklistenbild: © dpa

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