Wohnprojekt für 24 Menschen mit Behinderungen steht und fällt mit Förderzusage

Ob die Diakonie im Frühjahr bauen kann, ist noch unklar

+
Die Mullstraße in Harpstedt ist ausgebaut, aber noch tut sich nichts auf dem Baugrundstück, das die Diakonie Himmelsthür dort schon vor längerer Zeit erworben hat. Wann der erste Spatenstich für den Wohnkomplex für 24 geistig behinderte Menschen mit Assistenzbedarf vollzogen werden kann, hängt von der Förderzusage der Aktion Mensch ab. Kommt der Bescheid zeitnah, kann‘s im Frühjahr losgehen. Andernfalls muss der Baustart nach Angaben des Projektleiters auf 2017 verschoben werden.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Die Mullstraße in Harpstedt ist ausgebaut – und damit nun eine weitere Voraussetzung für das dort geplante Bauprojekt der Diakonie Himmelsthür erfüllt: Eine Wohnanlage für 24 geistig behinderte Menschen mit zum Teil auch hohem körperlichen Assistenzbedarf soll entstehen. Schon 28 Monate liegt die Vorstellung des Vorhabens im Planungsausschuss des Fleckenrates zurück. Seinerzeit war der Standort allerdings noch unklar gewesen. Die Diakonie würde gern nach Ende des Winters anfangen zu bauen. Ob‘s klappt oder die Maßnahme um ein Jahr geschoben werden muss, hängt davon ab, wie schnell die erhoffte Fördermittelzusage kommt.

„Die Finanzierung solcher Projekte wird immer schwieriger. Für Harpstedt haben wir leider noch keinen positiven Bescheid“, bedauerte Projektleiter Philipp von Au gestern auf Nachfrage unserer Zeitung. Der Bauantrag sei gleichwohl mittlerweile gestellt. Der Erwerb des Baugrundstückes und der Abriss von Wirtschaftsgebäuden liegen schon länger zurück. Mit den erwarteten Fördermitteln der Aktion Mensch steht und fällt das Projekt. Um wie viel Geld es dabei geht, verriet von Au nicht.

In Delmenhorst kann die Diakonie hingegen schon im April zur Tat schreiten und den ersten Spatenstich vollziehen. Dort wird an der Friedensstraße – wie in Harpstedt – Wohnraum für 24 behinderte Menschen mit Unterstützungs- und Assistenzbedarf entstehen, allerdings verteilt auf zwei Gebäudeteile für acht und 16 Personen. „Dieses Projekt wird ebenfalls von der Aktion Mensch gefördert. Dafür liegt uns die Förderzusage vor“, erläuterte von Au.

Die Diakonie will generell weg von großen Wohnanlagen und hin zu dezentralen Lösungen mit familiäreren Strukturen kommen. Sie hat diesen Weg schon vor Jahren eingeschlagen, zuerst in Wildeshausen, und sehe, so von Au, für die Betroffenen mit Handicap einen „Zugewinn an Lebensqualität“. An der Mullstraße in Harpstedt soll ein zweieinhalbgeschossiges Haus entstehen – komplett barrierefrei und mit integriertem Aufzug. Vorgesehen sei, so von Au, ein recht heterogenes Wohnangebot. Es werde einzelne Apartments, aber auch Räumlichkeiten für vier- bis fünfköpfige Wohngemeinschaften mit jeweils zwei oder drei Bädern geben. Hinzu kämen Funktionsräume für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf. Dazu zählen ein Snoezelen-Raum zwecks „Förderung basaler Körperwahrnehmung“ oder auch ein Pflegebad mit Pflegebadewanne und -liege. Die Menschen, für die ein neues Zuhause geschaffen werden soll, seien, so der Projektleiter, teils in ihrer Mobilität eingeschränkt oder hätten einen hohen Bewegungsdrang. Eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung mit Nachtbereitschaft sei nötig. „Es handelt sich um Menschen, die noch stationärer Pflege und Betreuung bedürfen, aber an einer Schwelle stehen und womöglich in einem nächsten Schritt, vielleicht in ein paar Jahren, eine eigene Wohnung beziehen können.“

Die „Himmelsthür“ verspricht sich von kleinteiligen Wohnlösungen ein Mehr an Teilhabe am öffentlichen Leben. Bei der Grundstückskaufentscheidung für das Projekt in Harpstedt spielte daher die noch recht zentrale Lage an der Mullstraße eine Rolle. Im Flecken fand die Diakonie Gehör und wohlwollende Unterstützung für ihr Ansinnen. Ebenso gibt es vernetzte Strukturen in der Behindertenarbeit, die sich am Beispiel der „Kernigen“ nachvollziehen lassen. Diese integrative Harpstedter Jugendgruppe der Lebenshilfe, die in Kooperation mit der Kirche zustande kam und von der Samtgemeinde sowie vom Landkreis finanziell getragen wird, ist längst ein fester Bestandteil des öffentlichen Lebens. Daraus erwuchs vor einiger Zeit eine zusätzliche entsprechende Gruppe für junge Erwachsene.

In der Kreisstadt ist die Diakonie in Sachen Dezentralisierung schon ein gutes Stück weiter: Anfang 2011 bezogen 18 Himmelsthür-Bewohner ein ehemaliges Hotel in der Wildeshauser City. 24 Menschen haben seither zusätzlich in einer neu gebauten Reihenhaus-Zeile an der Harpstedter Straße ein Zuhause gefunden. Weitere Bauprojekte realisierte die Diakonie in Hatten-Sandkrug.

Mehr zum Thema:

Wie Jörg Michelson aus Barrien die Welt sieht

Wie Jörg Michelson aus Barrien die Welt sieht

Auf einer Reise Stockholm entdecken

Auf einer Reise Stockholm entdecken

Fußball-Tennis und viel Kopfballspiel: Werder-Training am Donnerstag

Fußball-Tennis und viel Kopfballspiel: Werder-Training am Donnerstag

Warschau will neuen Glanz für Praga

Warschau will neuen Glanz für Praga

Meistgelesene Artikel

Mit dem Reisebus knapp an Unglück vorbeigeschrammt

Mit dem Reisebus knapp an Unglück vorbeigeschrammt

Aldi rechnet mit Neubau an der Harpstedter Straße in 2018

Aldi rechnet mit Neubau an der Harpstedter Straße in 2018

Herrlichkeit: Denkmalschutz sorgt für Veränderungssperre

Herrlichkeit: Denkmalschutz sorgt für Veränderungssperre

Walter Dellwisch: „Haare schneiden und rasieren auf eigene Gefahr“

Walter Dellwisch: „Haare schneiden und rasieren auf eigene Gefahr“

Kommentare