Wochenmarkt erfüllt weiter seinen Zweck

Vorbildlich: Vor dem Stand von Mario Kampe (r.) halten die Kundinnen den wegen der Infektionsgefahr vorgegebenen Abstand zueinander entspannt ein. Fotos: Backhaus

Der wöchentliche Gang zum Markt gehört für viele Menschen in Harpstedt zum Alltag – auch jetzt noch? Ein Besuch im Flecken zeigt: Die Zahl der Stände hat sich halbiert. Doch der Markt erfüllt weiterhin seinen Auftrag.

Harpstedt – Blumen, Käse und Kleidung gibt es auf dem Harpstedter Wochenmarkt am Donnerstag nicht mehr. Übrig geblieben sind nur der Marktstand Kampe, der Biogemüse und -obst verkauft, Fischhändler Gette aus Bremen und „Oliven Georges“. Die seit Anfang der Woche bundesweit geltenden Einschränkungen sozialer Kontakte geben vor, dass auf Märkten nur noch der Verkauf von Lebensmitteln erlaubt ist. Außerdem müssen die Betreiber der Stände darauf achten, einen Mindestabstand von anderthalb Metern zwischen den Kunden zu gewährleisten.

Das funktioniert in Harpstedt ziemlich gut. Vor dem Stand von Kampe weist ein Aufsteller darauf hin, dass maximal drei Personen gleichzeitig das Zelt betreten dürfen. Hinter der breiten Auslage voller Obst und Gemüse steht Mario Kampe. Er hat nicht nur das Schild eingeführt, sondern zusätzlich ein mobiles Handwaschbecken für ihn und seine Kollegin. Auch beim Thema Bezahlen hat sich etwas verändert: Die Waagschale, in die die Kunden früher bereits ihre Münzen legten oder das Wechselgeld zurückbekamen, wird nun regelmäßig desinfiziert. Und seit Neuestem gibt es die Möglichkeit, per EC-Karte zu bezahlen – bis zu 25 Euro ohne PIN-Eingabe. Die Einführung der mobilen Geräte für den Marktstand sei schon länger geplant gewesen, berichtet Kampe. Dass sie gerade jetzt verfügbar seien, sei eine glückliche Fügung.

Für den Frischwarenhändler sieht die Lage im Großen und Ganzen gut aus: „Es wird mehr gekauft, die Nachfrage ist erhöht.“ Da die Menschen nicht mehr auswärts essen gingen, würden sie mehr kochen – und verlangten dementsprechend häufiger nach Gemüse. Das Brotregal am Stand leere sich nun ebenfalls schneller. „Vielleicht bleibt ja von dieser Situation mehr Kochkultur“, hofft Kampe.

Auch Fischhändler Holger Gette sagt: „Ich verkaufe jetzt mehr.“ Wenn Kantine und Restaurant wegfallen, bleibe eben nur der Gang in die eigene Küche. Die erhöhte Nachfrage spüre er auch beim Großhändler: Welchen Fisch er seinen Kunden in der kommenden Woche anbieten kann, weiß Gette nicht sicher. Dass die Leute nun noch häufiger kämen, liegt seiner Meinung nach auch an der Verkaufssituation: „Wir haben auf dem Markt ja die optimalen Voraussetzungen“ – frische Luft und viel Platz. Nur die Mitstreiter fehlten.

Gegenüber hat gerade der Feinkosthändler von „Oliven Georges“ eingepackt. In der vergangenen Woche sei das Geschäft noch besser gewesen, hat der Mann hinter dem Tresen zuvor berichtet. Es sei traurig, er müsse derzeit viel Ware wegschmeißen. Gette vermutet allerdings, dass sein Marktkollege nicht deshalb den Platz verlassen hat: Der Grund könne vielmehr die Toilettensituation sein. Prinzipiell sei es so, dass die Händler jedes öffentliche WC nutzen dürften, also zum Beispiel das der Eisdiele gegenüber. Doch nun haben alle Lokale zwangsweise geschlossen. „Das sind alles so kleine Nebenerscheinungen“, erklärt der Fischhändler.

Nichtsdestotrotz hoffen er, Mario Kampe und auch die Kunden, dass der Harpstedter Wochenmarkt weiterhin geöffnet bleibt. „Es ist nochmal ein soziales Ereignis“, findet der Biohändler – ein Plausch sei derzeit viel wert. Auf Bekannte zu treffen, hat auch Brigitte Meyer gehofft – allerdings vergeblich. „Ich bin lieber draußen als drinnen“, sagt die Harpstedterin.

Für Hannelore Hartmann, die den bei Gette gekauften Fisch in ihrem Rollator verstaut, ist der Markt momentan die einzige Möglichkeit, selbst Lebensmittel zu kaufen: „Ich gehe in kein Geschäft mehr“, sagt die Seniorin. Sozialer Ort mit Versorgungsauftrag: Der Harpstedter Wochenmarkt erfüllt seinen Zweck – auch unter erschwerten Bedingungen.

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