Humorvolle Bonmots und Momente voller Wehmut wechseln sich in der Entlassfeier der Oberschule Harpstedt ab

„Wir sind am Ziel – und die Lehrer am Ende“

Rektorin Etta Mörking (rechts) ehrte die Klassenbesten der Abgangsklassen. Die bemerkenswertesten Zeugnisnotendurchschnitte erzielten Nele Brandes aus der H9, Anna Wloch aus der H10, Carolin Glüsing aus der R10a und – mit 1,0 – Kim Winkelmann aus der R10b (von links). - Foto: Bohlken

HARPSTEDT - Von Jürgen Bohlken. „Wir sind am Ziel – und die Lehrer am Ende“, scherzte Abgängerin Alina Wolle in der Pausenhalle der Oberschule Harpstedt. „Wahrscheinlich wissen wir gar nicht, wie anstrengend wir waren“, lautete ein Bonmot aus dem Mund der bisherigen Schulsprecherin Lara Pantiaco, das am Freitagmorgen ebenfalls der sehr emotionalen Entlassfeier für die 85 Abgänger eine heitere Note verlieh.

Klassenlehrerin Anne Meyer saß bei der Vergabe der Abgangszeugnisse ein Kloß im Hals. „Ohne ihn wäre ich gar nicht hier“, deutete sie mit Tränen in den Augen auf den früheren Rektor Wolfgang Bleyer, der zu den Ehrengästen zählte und spontan auf die Bühne eilte, um seine frühere Kollegin zu umarmen. Der Abschied von der R10a, der ersten eigenen Klasse, die Anne Meyer bis zum Abschluss führte, fiel der Lehrerin sichtlich schwer. Wie auch ihren Schülern. „Ich hoffe, wir werden immer etwas Besonderes für Sie bleiben“, wünschte sich Marie Gröper. Der R10a hätte nichts Besseres passieren können, „als Sie als Klassenlehrerin zu bekommen“.

„Ich werde euch tierisch vermissen“, gestand Nadine Hellmich gegenüber der H10 ein. Als sie die Klasse vor sechs Jahren übernahm, sei sie mit allen typischen Klischees und einer Unmenge von Problemen konfrontiert worden. Dankbar sei sie den Eltern, „die mir ihr volles Vertrauen schenkten, mir freie Hand ließen und den Rücken stärkten. So haben wir viele Probleme in den Griff bekommen.“ Stolz schwang mit, als sie über ihre Klasse sprach: So unterschiedlich die Schüler auch seien – wenn es drauf ankam, hätten sie alle zusammengehalten. „Hier stehen ganz tolle Persönlichkeiten mit super Abschlüssen“, sagte Hellmich. Das Abschneiden der Abgänger konnte sich insgesamt sehen lassen. Rektorin Etta Mörking belegte das anhand von Zahlen: In der neunten Jahrgangsstufe der Hauptschule seien 13 Hauptschulabschlüsse erzielt worden, in der zehnten ein weiterer sowie elf Realschulabschlüsse. Die R10a und die R10b mussten sich dahinter nicht verstecken. Das belegen 23 erreichte Real- und sogar 33 erweiterte Realschulabschlüsse. Eine Schülerin, so Etta Mörking, habe etwas Besonderes geschafft. Sie sei im Verlauf ihrer Schulzeit von der Haupt- in die Realschule gewechselt und habe dort sogar den erweiterten Realschulabschluss erlangt.

Als Mörking sich das Zeugnis von Kim Winkelmann angeschaut hatte, musste sie sich die Augen reiben. Die Jugendliche hatte ihre Schulzeit mit einem Notenschnitt von 1,0 beendet. Das konnte niemand toppen – auch nicht aus ihrer Klasse, der R10b von Lehrerin Maria Siemer. Kim bekam als Anerkennung für diese Leistung einen Buchgutschein – wie auch die Besten der anderen Abgangsklassen. Das waren Nele Brandes aus der H 9 von Klassenlehrerin Heike Glüse (Notenschnitt 2,1), Anna Wloch aus der H 10 (2,0) und Carolin Glüsing aus der R 10a (1,2).

Rektorin Mörking ehrte ferner Abgängerin Lara Pantiaco. Die hatte sich als Schulsprecherin und Mitglied der Steuerungsgruppe Schulentwicklung in herausragender Weise engagiert. Zu Ehren kamen ebenso Vivian Schötschel und Johanna Matz, die Streitschlichter anleiteten, begleiteten und Prüfungen abnahmen. Mit je einem Buchgutschein und Blumen verabschiedete die Rektorin die bisherigen Vorsitzenden Michael Lührs und Reiner Böttcher aus dem Schulelternrat. Beide hätten „uns ganz stark begleitet“, bescheinigte ihnen Etta Mörking. Nun, da ihre Kinder den Abschluss in der Tasche haben, ziehen sie selbst sich aus der Elternvertretung zurück. Michael Lührs bezog in seiner Rede die Lehrer, Eltern, vor allem aber natürlich die Entlassschüler ein: „Geht euren Weg – aber nicht ohne Rücksicht auf Verluste! Habt den Mut zu träumen, und arbeitet für eure Träume!“, riet er und ergänzte: „Bleibt neugierig auf die Herausforderungen, die das Leben bietet! Steht auf, wenn ihr fallt!“

Jetzt geht’s in die höhere „Fußballschule“

Vor dem Hintergrund der Europameisterschaft baute Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse einige „Bilder“ aus dem Fußball in seine Ansprache ein: „Jetzt steht für euch der nächste Schritt an, die höhere ,Fußballschule’. Einige werden in die ,Vereine’ und auf den ,Platz’ gehen – also als Auszubildende in die Betriebe. Ich selbst habe trotz bester Fußballschule auf dem Sportplatz keine gute Figur gemacht. Dort lagen meine Qualitäten nicht. Ich habe mir einen anderen Weg gesucht“, sagte Wöbse. Er wünschte den Abgängern viel Glück und Erfolg auf ihrem weiteren Weg – und dass sie die Schulzeit in guter Erinnerung behalten.

Kindheit und Jugend schienen jetzt vorbei zu sein, wandte sich die Rektorin an die Abgänger, die nun in eine Phase des Übergangs einträten. Damit gehe vieles einher, etwa der Stolz auf den Abschluss, erreichte Ziele und Leistungen, ebenso Euphorie in Erwartung von Neuem, aber auch Selbständigkeit und Verantwortung spielten eine Rolle. Mörking appellierte an die Entlassschüler, Chancen zu nutzen. „Ihr habt den ,Chaostag’ zu Grabe getragen, aber aus eben dieser Erde kann man auch Schätze heben. Möge es euch gelingen, eure individuellen Schätze zu heben, Erfahrungen sinnvoll einzusetzen und einen ebenso erfolgreichen Weg wie bisher zu gehen.“

In Videofilmen und Diashows, die gezeigt wurden, blickten die Abgänger auf die Höhepunkte ihres Schullebens zurück; sie persiflierten dabei auch Lehrer-Macken oder ließen Klassenfahrt-Momente Revue passieren.

Wehmütige und humorvolle Augenblicke wechselten sich in der Feierstunde ab. Die Klassenlehrerinnen der Abgangsklassen bekamen von ihren Schülern jeweils persönliche Präsente überreicht. Die Rockband der Schule widmete ihnen sogar den Titel „Supergirl“ von Reamonn. Für einen Gänsehautmoment sorgte Emily Harnisch, als sie, instrumental begleitet von Lehrer Eike Harnisch, Michael Jacksons „Speechless“ höchst einfühlsam sang.

Michael Lührs überreichte im Verlauf der Feierstunde Blumen an Schulsekretärin Marlis Burdorf. „Du hast uns vom Vorstand des Schulelternrates oft ohne Murren und Knurren viel Arbeit abgenommen, sei es beim Kopieren, Erstellen von Listen, Versenden von Einladungen oder als Anlaufstelle der Schüler, wenn es um organisatorische Dinge ging. Danke für deine Hilfe“, sagte er.

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