Maria Schuster über ihre Musik- und TV-Karriere

„Wir sind richtige Rampensäue“

In „Hinter Gittern“ versuchte sie „die Walter“ umzubringen, aber eigentlich schlägt ihr Herz mehr für die Musik als für die Schauspielerei: Maria Schuster.

Harpstedt - Ob sie für ein Interview zur Verfügung stehe? „Unbedingt!“, erwiderte Maria Schuster, die am Donnerstagabend mit dem Trio „Pink Parte“ im „Liberty‘s“ in Harpstedt spielte, schmunzelnd auf diese Frage. Locker und zwanglos plauderte sie in der Konzertpause über sich, ihre Musik und ihr jüngstes Fernsehfilmprojekt.

Das Gypsy-Punk-Trio „Pink Parte“ gibt es erst seit kurzer Zeit. Oder?

Schuster: Seit einem Monat. Nee, stimmt gar nicht. Seit anderthalb.

Wie habt ihr zueinander gefunden?

Schuster: Judith Retzlik hatte eine Anfrage bekommen, ob sie einen rumänischen Abend begleiten wolle. Sie fragte dann Romain Vicente, ob er mitmache, und der wiederum mich.

Klingt, als ob Romain dich schon länger kennt.

Schuster: Er hatte mich mit meiner Rockband „eine tochter“ gesehen – vor rund einem Jahr bei einem Konzert im Berliner Rock- und Metal-Club „Blackland“. Da haben wir uns kennengelernt – und sind seither immer im Kontakt geblieben. Er mag die Sachen, die ich mache. Und ich seine. Romain spielt immer bei der „Open Stage“ mit Gitarrist Basti von „Knorkator“. Der ist wiederum ein guter Freund von mir. So schließt sich der Kreis.

Bei „Pink Parte“ kommen ganz unterschiedliche Musik-Einflüsse und Temperamente zusammen...

Schuster: Schon, aber eines haben wir drei gemein: Wir sind richtige Rampensäue.

Viele Leute kennen dich aus Film und Fernsehen.

Schuster: Ja. Ich bin auch Schauspielerin von Beruf. Ich war unter anderem in der Frauenknastserie „Hinter Gittern“ auf RTL zu sehen. Als lesbische Mörderin Vera Eichholz habe ich mehrfach versucht, die von Katy Karrenbauer gespielte Christine Walter umzubringen. Ist mir aber leider nicht gelungen. Die Serie bescherte mir ein Super-Einkommen. Für fünf Drehtage im Monat gab‘s wahnsinnig viel Kohle.

Du bist in Siebenbürgen aufgewachsen?

Schuster: Genau. Mit zwölf kam ich nach Bayern, später nach Baden-Württemberg. Und irgendwann, als ich selbst entscheiden durfte, nach Berlin.

Deine Stimmfarbe kommt der von Ulla Meinecke recht nahe.

Schuster: Das sagen viele.

Will „Pink Parte“ in absehbarer Zeit ein Album rausbringen?

Schuster; Schon morgen. Sofort (lacht)! Wir haben bereits was eingespielt. Rumänische Stücke.

Wollt ihr auch deutsch- oder französischsprachige Titel mit auf das Album nehmen?

Schuster: Das wird wohl multikulti, schätze ich. Bietet sich ja an bei unseren rumänischen, französischen und portugiesischen Wurzeln.

Kann man dich in absehbarer Zeit mal wieder in einer Fernsehrolle erleben?

Schuster: Im Oktober kommt ein sehr schöner Film raus, in dem ich mitspiele: „Der letzte Genosse“ wird in der ARD zu sehen sein. Es geht darin um die Geschichte eines Mannes, der bei einer Boulevardzeitung Karriere macht, weil er die letzte große Reportage über den zu der Zeit bereits im Exil in Chile lebenden Erich Honecker machen durfte. Ich habe an der Seite großartiger Kollegen gespielt. Philipp Leinemann führte Regie. Die Hauptrolle ist mit Maximilian Meyer-Bretschneider besetzt. Toller Schauspieler, toller Typ auch.

Du warst sogar in einer deutsch-englischen Produktion zu sehen?

Schuster: In „Beyond the Sea“. Das Casting in einem Berliner Hotel war toll. Ich bin da hin, habe die Tür aufgemacht, und dann saß da Regisseur und Hauptdarsteller Kevin Spacey. Der hat persönlich gecastet! Ich war baff. „Du willst den Babysitter spielen?“, fragte er mich auf Englisch. Ich nickte. Daraufhin er: „Du wirst meinen Flirt spielen.“ Gemeint war der Flirt des Sängers Bobby Darin, um den sich der Film dreht. In München durfte ich dann tatsächlich mit Kevin Spacey drehen – und das sogar an meinem Geburtstag.

Dass du zweigleisig fährst als Musikerin und Schauspielerin, soll so bleiben?

Schuster: Mein Herz schlägt momentan eher für die Musik. Eigentlich schon immer. Das Schauspiel hat mir aber geholfen, weil ich zum Beispiel unsere Videos selbst mache. Ich konzipiere sie, schreibe sie, drehe sie mit Kameraleuten, die ich mag und kenne. Ich habe das Glück, viele Leute zu kennen, die mir helfen.

Wie kam die Zusammenarbeit mit Chansonnier Karl Neukauf aus Berlin zustande, der ja hier in Harpstedt auch immer wieder innerhalb der Reihe „Kultur am Donnerstag“ auftritt?

Schuster: Oooh, Karl (gespielt schwärmerisch). Wie war das doch gleich? Ach ja, der Kontakt zu ihm kam über die Gitarristin Melanie Plauth von meiner Band „eine Tochter“ zustande. Die spielt auch bei den „Chevettes“ – an der Seite von Ilka Posin. Über Ilka und Mellie kam ich zu Karl. Wir haben uns gesucht und gefunden. Die Chemie stimmte vom ersten Tag an. Er hat mich gleich eingeladen, bei seiner Salonband mit Hans Rohe mitzuspielen. Dann wiederum durfte ich Gast bei „Poly de luxe“ an der Seite von Karl und Ilka sein. Im Februar traten Karl und ich erstmals zusammen als Duo in Berlin auf. Wir haben inzwischen relativ viele Songs zusammenbekommen und wollen, wenn wir so weit sind, gemeinsam auf Tour gehen. - boh

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