Windpark-Planung „Wunderburg 2“ ruft gut 30 Bürger auf den Plan

Befürchtungen treffen auf Begehrlichkeiten

Prinzhöfte - Von Jürgen Bohlken. Die Gemeinde Prinzhöfte will auf zwei Arealen südlich der A1, die im Zuge der 16. Flächennutzungsplanänderung der SamtgemeindeHarpstedt als Windpark-Potenzialflächen 16.3 und 16.4 dargestellt sind, das Höhenlimit für zulässige Windenergieanlagen (WEA) bei 210 Metern setzen. Das zumindest steht im Vorentwurf zum Bebauungsplan „Wunderburg 2“, den der Rat am Dienstagabend mit einem Aufstellungsbeschluss – in Kombination mit der Einleitung der frühzeitigen Bürger- und Behördenbeteiligung – auf den Weg gebracht hat.

Bei den 210 Metern muss es nicht bleiben, aber die Angst mancher Bürger vor „Monsterwindrädern“ scheint berechtigt, denn die Rentabilität von WEA erhöht sich mit deren Größe und Leistungsfähigkeit. 100 oder mehr Meter Rotordurchmesser seien heutzutage „marktgängig“, erläuterte Planer Hans Meyer im Beisein von gut 30 Bürgern. Mehr Größe bedeute aber auch, dass zwischen den Anlagen mehr Platz freizuhalten sei. „Mindestens der dreifache Rotordurchmesser“, so Meyer.

Vor diesem Hintergrund lässt sich nur schwer einschätzen, wie viele WEA im Geltungsbereich des angeschobenen B-Plans möglich wären. Es könnten bis zu sechs größere werden oder optional zehn oder elf kleinere – und das wäre für die Gemeinde Prinzhöfte keineswegs das Ende der Fahnenstange, denn die größeren Windpark-Potenzialflächen liegen nördlich der A1 und werden zeitnah ebenfalls mit einer Bauleitplanung belegt. Die Grundstückseigentümer mühen sich indes, die für manche Einwohner bittere Pille Windkraft zu versüßen – mit einem Beteiligungsmodell: Ein Bürgerwindrad ist im Bereich „Wunderburg 2“ geplant, eine öffentliche Informationsveranstaltung dazu in etwa vier Wochen vorgesehen. Schon gibt es Begehrlichkeiten: Mitgliedskommunen der Samtgemeinde, die bei der Suche

„Das möchte ich hier nicht hören“

nach geeigneten Windpark-Sonderbauflächen leer ausgegangen sind, fürchten, ihnen könnte die Chance auf Bürgerwindrad-Beteiligungen versagt bleiben. „Das fände ich nicht gut“, äußerte sich Beckelns Altbürgermeister Heinz Nienaber am Rande der Sitzung in Horstedt.

Einwohnern, die sich um die Natur und ihre Lebensqualität sorgen, brannten andere Fragen unter den Nägeln. Rudi Geisler wollte wissen, was die Gemeinde Prinzhöfte eigentlich dazu treibe, parallel zum noch nicht einmal abgeschlossenen 16. F-Plan-Änderungsverfahren, das ja den Rahmen für neue Windparkstandorte abstecke, eine Bauleitplanung für ein (zweigeteiltes) Windkraft-Sondergebiet südlich der A1 in Gang zu setzen. „Rasch und überstürzt“ nannte er dieses Vorgehen. „Die Gemeinde muss ja überhaupt nicht planen. Verzichtete sie darauf, ist irgendwann die F-Plan-Änderung durch, und dann könnten Anlagen im Rahmen der Privilegierung beantragt werden und entstehen. Aber dann ist es eben in gewisser Weise auch zu spät, denn die Gemeinde Prinzhöfte möchte über eine Feinsteuerung ihre städtebaulichen Belange vertreten. Wenn sie in diesen Prozess rechtzeitig einsteigt, ist das legitim. Das kann sie in einem Parallelverfahren durchaus machen“, erwiderte Samtgemeindebauamtsleiter Jens Hüfner. „Wir wollen keine Verspargelung. Wir wollen auch ein vernünftiges Konzept für Kompensationsmaßnahmen. Das können wir nur auf dem Wege einer Bauleitplanung erreichen“, sagte der stellvertretende Bürgermeister Thomas Hacke. Grundstückseigentümern könne ihre Recht, WEA auf ihren Flächen errichten zu lassen, nicht verwehrt werden. „Auch für diese Bürger müssen wir mitentscheiden.“

Zwölf Familien könnten, wie zu vernehmen war, durch Grundbesitz von neuen Windparks profitierten. „Ihnen stehen aber mehr Betroffene entgegen, die beeinträchtigt werden“, gab Markus Ehlers aus Klein Henstedt zu bedenken. Ob es möglich wäre, 1000 (statt gut 500) Meter Mindestabstand zu Wohnhäusern festzusetzen, um besonders Betroffene wie die Familie Ehlers zu schützen, hinterfragte ein Bürger. Bei zu vielen Beschränkungen wären die Anlagen womöglich nicht mehr rentabel und die Planung würde rechtlich angreifbar, verlautete aus dem Rat. „Man muss erst einmal abwarten, bis der Vorentwurf präsentiert wird. Wir sprechen ja heute im Rat über Flächen südlich der Autobahn. Der Bebauungsplan für die größeren Bereiche nördlich der A1, von denen die Familie Ehlers tangiert ist, kommt erst noch“, wiegelte Jens Hüfner ab. Die Frage der genauen Mindestabstände sei dann im Detail zu klären. Dass dabei der Gemeinde recht enge Grenzen gesetzt sind, verschwieg Hüfner nicht.

Es sei nicht so, dass der Rat nicht um die Belastung einzelner Betroffener wüsste; es sei auch nicht so, dass nicht versucht werde, Einfluss zum Positiven zu nehmen, so Hacke. „Das möchte ich hier nicht hören.“

Rubriklistenbild: © dpa

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