Windpark in der Henstedter Heide: Konservative Auslegungspraxis erntet Kritik

Unterlagen werden wohl nicht ins Internet gestellt

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Erwartungsgemäß groß war das Bürgerinteresse an der Ratssitzung.

Horstedt/Klein Henstedt/Ganderkesee - Von Jürgen Bohlken. Die Bedenken klingen irgendwie immer gleich: In Schattenwurf, Lärm und Infraschall sehen Windkraftgegner eine Bedrohung ihrer Lebensqualität. Die Lobbyisten werden andererseits nicht müde, unter Berufung auf Studien zu bekräftigen, dass die Belastungen durch Windräder sich in einem zumutbaren Rahmen bewegen. Vor diesem Hintergrund klang vieles, was am Donnerstagabend während der Sitzung des Prinzhöfter Rates in der rappelvollen Horstedter Schützenhalle zur Sprache kam, wie „schon oft gehört“.

Nicht zum ersten Mal zweifelte Rudi Geisler für die Schutzgemeinschaft Klein Henstedter Heide die Rechtmäßigkeit der Einleitung des Bauleitverfahrens für den avisierten Windpark nördlich der A1 zwischen Simmerhausen und Klein Henstedt parallel zur noch laufenden (übergeordneten) Flächennutzungsplanänderung der Samtgemeinde an. Und nicht zum ersten Mal bekräftigten Verwaltung und Planer die Rechtmäßigkeit dieser Praxis. Von Parallelität könne im Übrigen nicht die Rede sein.

Tatsächlich steht das F-Plan-Änderungsverfahren kurz vor dem Abschluss. Die konkrete Bauleitplanung für die im F-Plan dargestellte Potenzialfläche 16.2 hat der Prinzhöfter Rat indes gerade erst mit den jetzt einstimmig gefassten Beschlüssen zur B-Plan-Aufstellung und zur Einleitung der frühzeitigen Beteiligung von Behörden und Bürgern auf den Weg gebracht. Die gewaltigen Ausmaße des dort angedachten Windparks sind spätestens seit Mitte Oktober, seit einer Info-Veranstaltung, klar: Bis zu 21 Windenergieanlagen (WEA), jeweils 200 Meter hoch und mit 126 Metern Rotordurchmesser, schweben den Projektierern in der Klein Henstedter Heide vor. „Wir haben keine Zeit zu verschenken“, rechtfertigte der stellvertretende Bürgermeister Thomas Hacke den Aufstellungsbeschluss im Rat vor dem Hintergrund, dass 2017 die für Windstrom bislang garantierte feste Einspeisevergütung wegfällt und stattdessen der Strompreis über ein Ausschreibungsmodell ermittelt wird. „Sie machen einige Leute reich, während viele andere unter der Windkraft zu leiden haben“, hielt der Klein Henstedter Markus Ehlers dagegen. Ihn tangiert das Vorhaben als Grenzweg-Anwohner hart, aber auch Anwohnern der „Schweinsheide“ in Ganderkesee schmeckt das Projekt nicht. Der Protest hat sich in der Bürgerinitiative „Mensch vor Windkraft“ manifestiert.

Kritik klang im Rat an der angestrebten konservativen Auslegungspraxis an: Die Bürger werden wie bei jedem stinknormalen Bauleitverfahren die Unterlagen im Bauamt einsehen, sie sich aber wohl nicht via Internet aufrufen können – und das, so hieß es, bei einem Volumen von geschätzten „100 Millionen Euro, die hier investiert werden sollen“. Genauso war auch die Samtgemeinde bei ihrer F-Plan-Änderung verfahren. Verwaltungschef Herwig Wöbse begründete diese Praxis im Prinzhöfter Rat. Um bei der Internet-Option rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, hätten, wie er darlegte, auch Jahrzehnte alte Unterlagen mit ins Ratsinformationssystem gestellt werden müssen, die aber nur in Papierform vorlägen. Zudem sei es „nicht zielführend“, wenn Brutstandorte online einsehbar wären; die betreffenden geschützten Vogelarten könnten als Folge davon womöglich gestört werden „und ihre Standorte wechseln“.

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