Windpark-Ballung stößt Bode sauer auf

„Kreis müsste planerisch eingreifen“

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Eine vom FDP-Ortsverband Harpstedt organisierte Diskussionsveranstaltung mit Niedersachsens ehemaligem Umweltminister Stefan Birkner (FDP) über die Frage, wie viel Windkraft die Klein Henstedter Heide verträgt, hat der dort angesiedelten Schutzgemeinschaft am Dienstag im Hotel „Zur Wasserburg“ Gelegenheit gegeben, ihre Forderungen zu formulieren. Diesen Part übernahm Rudi Geisler.

Rund um die Kernfläche in der Henstedter Heide gebe es zehn Schlatts – und damit die größte Anzahl an Naturdenkmälern kreisweit, sagte das Vorstandsmitglied. Die Schutzgemeinschaft fordere eine Reduzierung und Verlagerung der Windkraft auf weniger schützenswerte Bereiche (etwa an der A1 entlang) sowie die Wahrung der Schlatts. Der Verein strebe zudem Ausgleichsflächen direkt in der Henstedter Heide an – mit dem Ziel, einen Biotopverbund in Form eines Kranzes von Mooren im Umfeld der Zentralfläche zu erwirken. „Wir for-

„Auf einige wenige

Anlagen verzichten“

dern außerdem einen verbesserten Schutz für die Wohnbereiche, die in Richtung Klein Henstedt liegen. Das wäre relativ leicht zu machen. Durch den Verzicht auf wenige Windräder ließe sich ein Abstand von etwa 1000 Metern zu den Wohnhäusern erreichen“, fuhr Geisler fort.

Stefan Birkner begrüßte es, dass die Schutzgemeinschaft die Windenergie nicht pauschal ablehne, sondern sage: „Es gibt durchaus Flächen, über die man reden kann.“ Er nannte die absehbare extreme Ballung von Windparks an der Schnittstelle der Gemeinden Dötlingen, Ganderkesee und Prinzhöfte einen „Anachronismus“. Es mangele offenbar an Koordinierung. „Das ist nicht mehr zeitgerecht. Es wäre Aufgabe des Landkreises als übergeordneter Planungsinstanz, hier einen Interessenausgleich über Gemeindegrenzen hinweg sicherzustellen.“

Ernst-August Bode, FDP-Kreistagsfraktionssprecher, pflichtete bei. In anderen Landkreisen seien Abstände von mindestens vier Kilometern zwischen Windparks festgeschrieben; früher seien es sogar fünf Kilometer gewesen. „Bald haben wir die Situation, dass es in Hengsterholz, Haidhäuser und Uhlhorn, der Henstedter Heide und in Wunderburg Windparks gibt. Und alle liegen innerhalb eines Quadrates mit nur sieben Kilometern Seitenlänge. Die Windpark-Standorte sind zum Teil nur einen Kilometer voneinander entfernt. Da ist genau das gefordert, was Stefan Birkner gesagt hat: Der Landkreis müsste planerisch eingreifen. Tut er aber leider nicht. Wir haben vor zwei Jahren im Rahmen der Aufstellung des regionalen Raumordnungsprogramms einen Antrag gestellt, wonach ein Mindestabstand von 1000 Metern zu Wohnbebauung festgelegt werden soll. Das ist bisher nicht besprochen worden“, bedauerte Bode.

Im Übrigen seien auch im Binnenland nicht unbedingt 200 Meter hohe Anlagen vonnöten. Das beweise das Beispiel Iserloy. Im Zuge des Repowerings „ist man sogar von 94 auf 92 Meter Höhe heruntergegangen“ – bei Vergrößerung der Flügellänge. Für Bode bleiben hinreichende Abstände das A und O. Davon seien schließlich die Belästigung durch Infraschall, Schattenwurf und der Wertverlust von Immobilien abhängig. „Also: Warum nur 500 Meter zu Wohnbebauung? Warum nicht 1000?“, hinterfragte der Liberale.

Markus Ehlers aus Klein Henstedt machte seine persönliche Lage deutlich: „Ich möchte mich dagegen wehren, dass betroffene Anwohner immer als Energiewenden-Verhinderer dargestellt werden. Für mich geht es um nicht weniger als die nackte Existenz. Ich habe

„Was soll ich machen?

Wo soll ich hin?“

vor zehn Jahren am Grenzweg in Klein Henstedt gebaut. Wir kriegen schon die 380-kV-Leitung vors Haus gestellt. Auf der anderen Seite kommt der Windpark. Was soll ich machen? Wo soll ich hin?“, fragte sich der Anlieger – unter Beifall.

Die FDP hatte sich mit dem Minister a.D. vor Beginn des Diskussionsabends selbst ein Bild von Ehlers‘ Situation vor Ort gemacht.

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Mindestens zwei Tote bei Protesten in Venezuela

Mindestens zwei Tote bei Protesten in Venezuela

Heidelbeer-Ernte im Heidekreis

Heidelbeer-Ernte im Heidekreis

Tote und Verletzte nach Gebeten in Jerusalem

Tote und Verletzte nach Gebeten in Jerusalem

Seebeben vor Kos versetzt Urlauber in Angst - so sieht die Insel nun aus

Seebeben vor Kos versetzt Urlauber in Angst - so sieht die Insel nun aus

Meistgelesene Artikel

Ferien sind nur ein Vorwand – Fahrradshop muss schließen

Ferien sind nur ein Vorwand – Fahrradshop muss schließen

Motorradfahrer verliert bei riskantem Überholmanöver auf der A1 Kontrolle 

Motorradfahrer verliert bei riskantem Überholmanöver auf der A1 Kontrolle 

18-Jähriger im Alfsee bei Bramsche ertrunken

18-Jähriger im Alfsee bei Bramsche ertrunken

Ein Kneipenviertel am Stellmacherplatz?

Ein Kneipenviertel am Stellmacherplatz?

Kommentare