IW-Auswertung: Sehr kurze Anfahrtszeit in Harpstedt

Wie schnell ist die Feuerwehr vor Ort?

Bei der seitens des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) errechneten Anfahrtszeit der Feuerwehr bildet die Gemeinde Winkelsett mit 10,8 Minuten innerhalb der Samtgemeinde Harpstedt das Schlusslicht. Quelle: IW
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Bei der seitens des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) errechneten Anfahrtszeit der Feuerwehr bildet die Gemeinde Winkelsett mit 10,8 Minuten innerhalb der Samtgemeinde Harpstedt das Schlusslicht. Quelle: IW

Harpstedt/Landkreis – Dunkle Flecken auf Landkarten verheißen nichts Gutes. Diesen Eindruck könnte gewinnen, wer sich kartografisch veranschaulichte Daten zu Inzidenzen und Hospitalisierungsraten im Zusammenhang mit Corona anschaut. In einer aktuellen Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln zu der Frage, wie lange die Brandschützer bis zum Einsatzort brauchen, steht ein kräftiges Blau indes für noch recht ordentliche Zeiten. Für die Samtgemeinde Harpstedt ergeben sich zumeist durchschnittliche Werte: sechs Minuten für Groß Ippener, 6,3 für Colnrade, 6,4 für Prinzhöfte und Kirchseelte, 6,8 für Beckeln und 7,2 für Dünsen.

Schlecht schneidet Winkelsett mit 10,8 Minuten ab, herausragend gut hingegen der Flecken Harpstedt mit 3,9 Minuten.

Die Big-Data-Experten des IW haben Geokoordinaten von deutschlandweit rund 26 000 Feuerwehren berücksichtigt, die im Open-Street-Map-Datensatz hinterlegt sind, und berechnet, wie lange die reine Anfahrt ohne Stau oder andere Hindernisse zu 95 Prozent der Haushalte in der jeweiligen Region dauert. Wer das Zahlenmaterial interpretieren will, muss wissen, auf welcher methodischen Grundlage es beruht: Für die Auswertung hat das IW von jedem Punkt zu den drei geografisch nächstgelegenen Feuerwachen die Fahrzeiten ausgerechnet.

Besonders lange dauert die Anfahrt im bundesweiten Vergleich in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Innerhalb Niedersachsens gehören die Gemeinden Meppen (11 Minuten), Haselünne (12) und Lahn im Emsland (13,9) zu den Schlusslichtern.

Schon im Sommer hatte das IW publiziert, wie lange es (höchstens) dauert, bis der Rettungsdienst 95 Prozent der Haushalte erreicht hat – ebenfalls unter der Prämisse, dass die Rettungskräfte bereits in voller Montur im Einsatzfahrzeug sitzen und unverzüglich ausrücken können.

Die für Colnrade ermittelte Anfahrtszeit des Rettungsdienstes bewegt sich mit bis zu 13,3 Minuten in einem bedenklichen Bereich. Der Vergleichswert für Harpstedt (Flecken): 3,8 Minuten. Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft

Uneinheitliches Bild in der Samtgemeinde

Für die Samtgemeinde Harpstedt ergab sich ein uneinheitliches Bild. Mit kurzen Maximal-Fahrzeiten stachen der Flecken Harpstedt (3,8 Minuten), Dünsen (4,2), Groß Ippener (5,9), Prinzhöfte (6) und Kirchseelte (6,4) hervor. Beckeln bewegte sich mit höchstens acht Minuten in etwa auf dem Niveau der Kreisstadt Wildeshausen (8,1) und der Gemeinde Hude (8,5), konnte aber mit Dötlingen (7) und Ganderkesee (7,4) nicht ganz mithalten. In einem bedenklichen Bereich (10 bis 15 Minuten), diesmal dunkelblau dargestellt, lagen nur die Samtgemeinde-Mitgliedskommunen Winkelsett (11,5) und Colnrade (13,3). Kreisweit gehörte auch Hatten (11,8) dazu. Für Großenkneten errechnete das IW 9,2, für Wardenburg 9,4 Minuten.

Ausrückzeit bleibt außen vor

Die Schwächen der Auswertung verschwieg das Institut nicht. Die Ausrückzeit sowie die vom Eingang des Notrufes bis zur Alarmierung des Rettungswagens verstreichende Dispositionszeit blieben ebenso außen vor wie die Dauer des Notrufs. „Zudem schränkt die Struktur des Rettungsdienstes (...) die Analyse ein“, gab das IW zu bedenken – mit Hinweis darauf, dass sich auch Feuerwehren am Rettungsdienst beteiligen, die aber „nicht vollständig“ im Open-Street-Map-Datensatz hinterlegt seien. „Unter der Hypothese, dass die dadurch implizierte Verzerrung und die Datenqualität zwischen den Regionen gleich sind, lässt sich ein Vergleich zwischen den Regionen erstellen, nicht jedoch eine valide Berechnung von Größen, die sich mit den in den Gesetzen zu findenden maximalen Zeiten vergleichen lassen“, betonte das Institut.

Rettungsdienst ist Ländersache

Jedes Bundesland legt hierzulande für sich fest, wie lange ein Rettungswagen bis zum Eintreffen am Einsatzort brauchen darf. In Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und im Saarland sollen vom Eingang des Notrufs bis zum Eintreffen des Fahrzeugs in 95 Prozent der Fälle maximal zwölf Minuten vergehen; in Mecklenburg-Vorpommern dürfen es zehn, in Schleswig-Holstein zwölf und in Niedersachsen sogar 15 Minuten sein. „Allerdings wird erst gezählt, wenn die Rettungsmannschaft durch die Telefonzentrale alarmiert wird, nicht schon mit dem Notruf. In Bayern tickt die Uhr erst, wenn der Wagen ausrückt“, so das IW.

Weitere Infos unter: www.iwkoeln.de

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