Utec nutzt Gelegenheit zur Stellungnahme nicht / Stefan Pleus (CDU) verweist auf Ungereimtheiten in Expertise

Wie gut oder schlecht das Fachbüro gearbeitet hat, bleibt unklar

Colnrade – Stefan Pleus (CDU) brachte am Montagabend im Ausschuss für Bau, Umwelt und Planung der Samtgemeinde Harpstedt Ungereimtheiten im Gutachten der Utec GmbH zu verschiedenen energetischen Optionen für den geplanten Feuerwehrhausneubau in Colnrade zur Sprache. Ihm war es einfach spanisch vorgekommen, dass dieses Gebäude einen genauso hohen Wärmebedarf pro Quadratmeter haben soll wie die Harpstedter Kita „Zwergnase“. Er wunderte sich ebenso über die fehlende Differenzierung zwischen Sozialtrakt und Fahrzeughalle in den Utec-Berechnungen.

Pleus fragte sich zudem, ob die Erdwärmepumpe, die das Fachbüro in seiner empfohlenen „Variante 3“ vorsieht, nicht vielleicht überdimensioniert sei. Obendrein zweifelte er generell die Sinnhaftigkeit dieser Technik für ein Feuerwehrhaus an, das nur gelegentlich genutzt wird, dann aber möglichst schnell aufgeheizt sein soll. Ein mit Gas betriebener Brennwertkessel bekäme das hin. Aber eine Wärmepumpe? Die liefe dann wohl die ganze kalte Jahreszeit über, ahnte der CDU-Ratsherr. Statt in eine solche Anlage zu investieren, würde es aus seiner Sicht eher Sinn machen, für besonders gut isolierte Fahrzeughallentore etwas mehr Geld auszugeben, denn: Die ökologischste Kilowattstunde sei stets die, die gar nicht erst verbraucht werde.

Die Ungereimtheiten waren Pleus offenbar nach der Umwelt-, Bau- und Planungsausschusssitzung vom 24. September aufgefallen. Kurz vor der Beschlussfassung durch den nichtöffentlichen Samtgemeindeausschuss (SGA), aber erst nach internen Beratungen in ihrer Fraktion will die CDU Kenntnis davon gehabt haben. Das würde zumindest erklären, warum sich die einstimmig bei Enthaltung des Vorsitzenden Günter Wöbse (CDU) gefasste Fachausschussempfehlung vom 24. September zugunsten der „Variante 3“ mit Erdwärmepumpe und 10-kWp-Fotovoltaikanlage eine Woche später in etwas völlig anderes verkehrte. Beschlossen waren in nichtöffentlicher SGA-Sitzung nun plötzlich ein Brennwertkessel (Gasheizung) und eine 20-kWp-Fotovoltaikanlage.

Dabei bleibt es erst einmal auch. Ein Antrag von Götz Rohde (Grüne), der darauf zielte, den SGA-Beschluss in Teilen aufzuheben, um doch noch die Erdwärmepumpe unter Beibehaltung der 20-kWp-Fotovoltaikanlage zu erwirken, scheiterte am Montag im Fachausschuss an einem Stimmenpatt; die Grünen bestehen aber auch auf eine Beratung in SGA und Rat.

Sie hatten den Sinneswandel scharf kritisiert, weil ihnen das Kippen der vorherigen Fachausschussempfehlung völlig unplausibel erschien. Über den „zweiten Teil“ des umstrittenen SGA-Beschlusses, den ökologischen Nutzen der nun größer ausgelegten Fotovoltaikanlage, verloren sie hingegen nur wenige Worte. Eine Verdoppelung der Leistung von zehn auf 20 kWp erspare der Umwelt aber ebenfalls klimaschädliches CO2, gab jetzt Stefan Pleus zu bedenken. Er rechnete vor, dass die Lösung, für die sich der SGA entschieden hatte, nicht nennenswert mehr Emissionen verursachen würde als die „Variante 3“. Zweifel an den Argumenten und Zahlen blieben ob schwieriger Nachvollziehbarkeit in den Reihen der Grünen und der SPD. Sogar von „Fake-News“ war in einem Anflug von Polemik die Rede. Überhaupt ging es streckenweise in der Diskussion mit einigen unnötigen Anfeindungen hoch her.

Klaus Budzin (SPD) entlockten Pleus’ Argumente und Berechnungen gleichwohl ein „Bravo!“ – in Anerkennung des Umstandes, dass sich der CDU-Ratsherr eingehend mit dem Thema befasst hatte. Der SGA hätte allerdings nach Ansicht von Heinz-Jürgen Greszik (SPD) gleichwohl gut daran getan, nicht selbst abschließend zu entscheiden, sondern das Thema in den Fachausschuss zurückzuverweisen.

Pleus erläuterte auch, wiederum mit Zahlen unterfüttert, wie unbedeutend die durch eine Wärmepumpe für das Colnrader Feuerwehrhaus erzielbare Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes wäre. Zumindest im Vergleich mit der Menge C02, die das von Biogasanlagenbetreiber Frieder Eiskamp realisierte Fernwärmenetz zur Beheizung des Freibades, der Schulen und Sporthallen etc. der Umwelt erspart (dafür habe sich seinerzeit die CDU starkgemacht). Was auffiel: Die Ausführungen boten wenig Angriffsfläche für entkräftende Gegenargumente.

Das lag sicher auch an der unerwarteten Abwesenheit von Vertretern der Utec GmbH, die, wie es hieß, eingeladen worden seien. Warum sie nicht erschienen, blieb unklar. Dadurch entging den Fachleuten jedenfalls eine Gelegenheit, ihr eigenes Gutachten öffentlich zu verteidigen. Unbeantwortet im Raum steht nun die Frage, wie gut oder schlecht das Fachbüro gearbeitet hat und ob die Expertise das Honorar wert ist.

Die Grünen haben mit dem Rohde-Antrag ein erklärtes Ziel erreicht: Für die abweichende Entscheidung des Samtgemeindeausschusses gibt es jetzt, wie schon erwähnt, eine Erklärung. Ob die den Wärmepumpen-Befürwortern schmeckt, steht allerdings auf einem anderen Blatt Papier. Klar wurde auch: Die von den Grünen befürwortete Erdwärmepumpe in Kombination mit einer 20-kV-Fotovoltaikanlage würde erhebliche investive Mehrkosten verursachen. Kämmerer Ingo Fichter ging von zusätzlich benötigten Haushaltsmitteln von rund 90 000 Euro aus. Auf der Einnahmenseite schlügen 26 000 Euro zu Buche, zumal eine Förderung der Wärmepumpentechnik durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) in Aussicht stünde.

Am Rande: Hartmut Post (CDU) rief am Dienstagmorgen bei unserer Zeitung an, um sich für eine Äußerung am Vortag zu entschuldigen, wonach er am 24. September im Ausschuss für Umwelt, Bau und Planung gegen die Wärmepumpe gestimmt haben wollte. Er habe das einfach falsch in Erinnerung gehabt, bedauerte er zutiefst. Das sofortige Nachlesen im Sitzungsprotokoll brachte es ans Licht: Tatsächlich hatte der Fachausschuss ohne Gegenstimmen die Utec-Variante 3 (mit Wärmepumpe) befürwortet. boh

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