Gleichstellungsbeauftragte vermisst Wertschätzung

Wie geht die Samtgemeinde Harpstedt mit ihrem Personal um?

Martina Wöbse. Quelle: harpstedt.de
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Martina Wöbse. Quelle: harpstedt.de

Harpstedt – „Wie gehen wir mit unserem Personal um? Darüber müssen wir als Rat in der Gesamtheit und mal ganz grundsätzlich reden“, schlussfolgerte Heinz-Jürgen Greszik (SPD) am Donnerstag im Samtgemeinderat. Zuvor hatte Martina Wöbse die Gründe für ihren Wunsch, schon mit Ablauf des 31. August 2021 als Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde Harpstedt abberufen zu werden, dargelegt. In ihren Ausführungen steckte Brisanz.

Wöbse, die auch hauptberuflich in der Verwaltung im Amtshof arbeitet, wird oft gefragt, warum sie ihr Ehrenamt im Interesse der Gleichberechtigung schon mit Eintritt in die Altersteilzeit-Freistellungsphase aufgebe. Schließlich wäre es ihr doch möglich, bis zum Renteneintritt im August 2023 weiterzumachen. „Es haben sich immer öfter Situationen ergeben, die mich einfach zu dem Entschluss gebracht haben, dies nicht zu tun. Das betrifft unter anderem den Umgang mit den Beschäftigten“, sagte Wöbse.

Wenn dann noch die eigene Gesundheit darunter leidet und man merkt, man wird krank, dann ist es einfach Zeit, dieses Amt aufzugeben.“

Martina Wöbse

Ihr Fazit warf ein alles andere als schmeichelhaftes Bild auf die Personalführung – und damit auf die Verwaltungsspitze. Sie, Wöbse, habe „Diskussionen führen müssen, wenn es um meine Rechte und Pflichten als Gleichstellungsbeauftragte geht“, und obendrein feststellen müssen, „dass es keine Wertschätzung mehr gibt“. In einer „Alibifunktion“ aber wolle sie das Amt nicht länger ausüben. Die nachfolgende Bemerkung aus ihrem Mund gab spätestens Anlass, ganz genau hinzuhören: „Wenn dann noch die eigene Gesundheit darunter leidet und man merkt, man wird krank, dann ist es einfach Zeit, dieses Amt aufzugeben.“

17 Jahre im Dienste der Gleichberechtigung

Rund 17 Jahre lang hat sich Martina Wöbse verwaltungsintern, öffentlich und beratend für die Durchsetzung der Gleichberechtigung der Geschlechter als Grundrecht starkgemacht. „2004 übernahm ich dieses Amt, weil ich es für wichtig hielt, dass auch die Samtgemeinde wieder eine Gleichstellungsbeauftragte bekommt“, erinnerte sie sich.

Damals sei Verwaltungschef Uwe Cordes mit den Worten „Du machst das schon“ an sie herangetreten. Wöbse: „Nach einer Woche Bedenkzeit entschied ich mich dafür. Ich habe diese Entscheidung nicht bereut. Allerdings wünschte ich mir manches Mal einen anderen Umgang und auch andere Ergebnisse bei Personalentscheidungen. Auch wenn die Gleichstellungsbeauftragte nur der Hauptverwaltungsbeamtin oder dem Hauptverwaltungsbeamten unterstellt ist, hatte ich doch manches Mal das Gefühl, als ehrenamtliche Gleichstellungsbeauftragte nicht den gleichen Stellenwert wie eine hauptberufliche zu haben.“

„Breites Kreuz“ nötig?

Ihrer Nachfolgerin, die bis dato nicht gefunden sei, wünschte die Noch-Amtsinhaberin „viel Durchsetzungsvermögen“. Ein „breites Kreuz“ werde die Betreffende wohl auch brauchen, ahnte Regina Huntemann (Grüne).

Das von Martina Wöbse beschriebene „Stimmungsbild“ sei ihm auch schon von anderer Seite bestätigt worden, äußerte sich Heinz-Jürgen Greszik (SPD). Aus dem Rat kam Dank für das langjährige Wirken der Gleichstellungsbeauftragten, aus der Verwaltung nicht mal ein Blumenstrauß. Letzteres wirkte fast wie eine Bestätigung der mangelnden Wertschätzung, von der Martina Wöbse gesprochen hatte.

Die Blumen gebe es sicherlich am 31. August, versuchte Hartmut Post (CDU) die Steilvorlage für Kritik an der Verwaltung (und am Ratsvorsitzenden) noch zu verhindern. Das Unterfangen war zum Scheitern verurteilt. Ein Feuerwehrmann in führender Position, der „abberufen“ werde, käme ja auch bereits in öffentlicher Sitzung zu Ehren, kritisierte Saskia Kamp (SPD) zweierlei Maß. „Da sind wir mal wieder bei der Gleichbehandlung.“

Eben dieses Thema bot auch sonst reichlich Diskussionsstoff. Sogar die schon früher geführte Debatte, ob es statt einer ehrenamtlichen einer hauptberuflichen Kraft bedürfte, flammte auf.

„Lücke, die wir noch gar nicht geschlossen haben“

Zu klären sein wird auch die Frage, ob die Gleichstellungsbeauftragte eine Vertretung haben müsste. Genau das sei nämlich, so Heinz-Jürgen Greszik, laut Gesetz in der betreffenden Satzung zu regeln. Hier gebe es offenbar eine Lücke, die „wir noch gar nicht geschlossen haben“, obgleich sie gar nicht entstehen dürfte. „Damit müssen wir uns beschäftigen“, pflichtete Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse bei.

Zunächst einmal aber wird eine Frau gesucht, die bereit ist, die Aufgaben der Gleichstellungsbeauftragten ehrenamtlich gegen Zahlung einer Aufwandsentschädigung wahrzunehmen. Die Stelle ist ausgeschrieben. Der Samtgemeinde liegt aber noch keine Bewerbung vor.

Martina Wöbses Erfahrungsbericht dürfte die Neuvergabe der Stelle zumindest nicht erleichtert haben.  

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