Ochtumverband will weitere Ockerfänge realisieren / „Prototyp“ in Horstedt

Wenn die Delme zu rosten scheint

Gemäß Gewässerentwicklungsplan will der Ochtumverband wider die Verockerung der Delme den nächsten Ockerfang im Mündungsbereich des Purrmühlenbaches realisieren. Links Verbandsgeschäftsführer Matthias Stöver, rechts Gewässerkoordinatorin Ira Kristen Zylka, die auch für die Hunte-Wasseracht tätig ist.
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Gemäß Gewässerentwicklungsplan will der Ochtumverband wider die Verockerung der Delme den nächsten Ockerfang im Mündungsbereich des Purrmühlenbaches realisieren. Links Verbandsgeschäftsführer Matthias Stöver, rechts Gewässerkoordinatorin Ira Kristen Zylka, die auch für die Hunte-Wasseracht tätig ist.

Horstedt/Harpstedt – Von der Fußgängerbrücke im Verlauf des Wanderweges zur Harpstedter Logesiedlung wirft Matthias Stöver einen Blick auf die Delme. „Sie ist heute sehr klar. Ich kann bis auf den Grund blicken. Das ist schon erstaunlich für dieses Gewässer“, sagt der Geschäftsführer des Ochtumverbandes. Die Sichttiefe von über einem Meter deutet auf wenig Eisen, also einen geringen Grad der Verockerung, hin. „Das hat sicher auch mit den vielen Wasserpflanzen zu tun, die momentan noch in der Delme sind und das Wasser filtern. Aufgrund der langen Trockenwetterperiode haben wir aktuell fast keinen Basisabfluss“, weiß Stöver. Und der jüngst gefallene Regen enthalte kaum oder gar kein Eisenocker (Eisenhydroxid).

Doch es gibt auch andere Zeiten, in denen die Trübung und die rotbraune Färbung des Delmewassers auf eine Verockerung hindeuten – ein beileibe nicht neues Fließgewässerproblem. „Die Rote Riede etwa heißt traditionell so. Das lässt erahnen, dass Eisen auch in der Vergangenheit immer ein Stück weit vorhanden war. Ob die Belastung in den letzten Jahren zu- oder abgenommen hat, ist allerdings schwer zu beurteilen“, gibt Stöver zu.

Mit Ockerfängen will der Ochtumverband der Verockerung der Delme entgegenwirken. Einen „Prototypen“ im Horstedter Delmetal realisierte der Verband 2019 mit rund 5 000 Euro vom Landkreis. „Dort war kein Grunderwerb nötig. Die Flächen gehörten bereits dem Ochtumverband. Andernfalls wäre es wohl deutlich teurer geworden“, ahnt Stöver.

In Bereichen vor Einmündungen kleinerer Fließgewässer in die Delme sollen weitere Ockerfänge entstehen; der nächste ist gemäß dem bereits 2013 vom Ochtumverband und dem Landkreis Oldenburg aufgestellten Gewässerentwicklungsplan dort geplant, wo der Purrmühlenbach in die Delme mündet. „Vielleicht kriegen wir diese Maßnahme 2021 umgesetzt“, hofft Stöver. „Wir arbeiten uns vor. Im Gewässerentwicklungsplan sind verschiedene Stellen markiert, an denen Ockerfänge Sinn machen – in der Regel in Nebengerinnen, also Zuflüssen“, ergänzt Ira Kristen Zylka, deren Gewässerkoordinatorenstelle sich Ochtumverband und Hunte-Wasseracht teilen.

Wieso verockert ein Fluss überhaupt? Und mit welchen Folgen? „Das kann man sich fast so vorstellen, als würde das Gewässer rosten: Eisen fällt flockig aus und legt sich über die gesamte Sohle – einen wertvollen, wichtigen Lebensraum. Setzen sich Partikel in Kiemen ab, kann das zum Ersticken der Fische führen. Legt sich ein Ockerfilm über Laich, dringt dorthin kein Sauerstoff mehr vor. Die Eier sterben als Folge davon ab. Und ist eine Wasserpflanze komplett mit einem Ockerfilm überzogen, wird ihr die Fotosynthese unmöglich gemacht“, verdeutlicht Ira Kristen Zylka.

Ein Thema bei der Ursachenforschung sei auch die Düngung, verschweigt die Gewässerkoordinatorin nicht. „Rosten ist Oxidation, passiert unter dem Einfluss von Sauerstoff. So auch, wenn etwa als Folge einer Grundwasser-Absenkung das eisenhaltige Pyrit, Katzengold genannt, belüftet wird. Doch dieses Mineral muss gar nicht zwingend mit Luftsauerstoff in Kontakt kommen. Im Gewässer kann Nitrat das Oxidationsmittel sein“, weiß Zylka. Die Verockerung sei ein Problem, „das wir aus fließgewässerökologischer Sicht wahrnehmen“, und ein Phänomen, das in den letzten Jahrzehnten zunehmend in den Fokus gerückt sei. Wirklich umfangreiche Untersuchungen gebe es dazu allerdings nicht. Ein Ockerfang bewirke durch Gewässeraufweitung eine Reduzierung der Fließgeschwindigkeit. „Dadurch setzen sich die Schwebstoffe, die Ockerflocken, die mit dem Wasser transportiert werden, am Grund ab“, erklärt Zylka das einfache Funktionsprinzip. Pflanzen im Wasser hätten zusätzlich eine filternde Wirkung, weil ein Teil der Eisenpartikel daran haften bleibe, ergänzt Matthias Stöver.

Ockerfänge müssen turnusmäßig gereinigt werden. Genau wie Sandfänge, die übrigens auch einen Beitrag wider die Verockerung leisten: Dort setzen sich schwerere Eisenocker-Sedimente ab.

Von Jürgen Bohlken

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