Zu wenig Beweise für Drohung

Heftiger Streit zwischen Mieter und Vermieter vor dem Amtsgericht

Harpstedt/Wildeshausen - „Das war eine ganz klare Drohung“, polterte ein 71-Jähriger am Montag vor dem Amtsgericht Wildeshausen und schlug mit der Hand auf den Tisch. Der 30-Jährige, der den Senior zur Weißglut getrieben hatte, saß ein paar Meter weiter auf der Anklagebank und ist sein Mieter in einem Objekt an der Neuen Straße in Harpstedt. Er war wegen Bedrohung angeklagt, wurde aber freigesprochen.

Es gab schon länger Streit zwischen den beiden. Der 71-Jährige sagte, der jüngere Mann zahle seit Monaten kaum Miete und weigere sich, trotz ordentlicher Kündigung auszuziehen. Der 30-Jährige beschuldigte den Senior wiederum, nichts gegen den Schimmel durch einen Wasserrohrbruch getan zu haben und widerrechtlich mit einem Schlüssel, den er nicht haben dürfte, ins Haus gekommen zu sein. Wegen der Vorwürfe laufen auch zivilrechtliche Verfahren.

Am 23. März eskalierte die Situation. Der Senior, der einen Fliesenlegerbetrieb in Twistringen hat, wollte sehen, ob der Angeklagte nach der Kündigung zum 29. Februar auch ausgezogen war. Dem war nicht so, sodass es zu einer lautstarken Auseinandersetzung zwischen den beiden kam.

„Weißt du nicht, wer ich bin? Ich bin Serbe. Die sind gefährlich. Willst du mit einem Teil im Hals krepieren“, habe der 30-Jährige zu ihm gesagt, so der Vermieter. Welches Teil gemeint war, konnte er nicht mehr sagen. Der Senior redete sich mehr und mehr in Rage. „Er hat uns belogen und betrogen, es ist nicht mehr auszuhalten.“

Das sieht der Mieter offenbar anders. Er renne dem 71-Jährigen seit Mai 2015 wegen des Schimmels hinterher und habe deswegen die Miete gemindert, wie es ihm auch zustehe. Der Senior habe bei dem Besuch im März herum geschrien. „Meine dreijährige Tochter fing an, zu heulen“, sagte der junge Mann vor Gericht. Er habe den Vermieter aufgefordert, zu gehen. Das habe dieser jedoch nicht sofort getan.

Die Drohung will der 30-Jährige nicht so ausgestoßen haben, wie sie sein Vermieter verstanden hat. Sein Mandat habe den 71-Jährigen eher verwünscht als bedroht, so der Verteidiger des Angeklagten. Zudem ist der Mann kroatischer Staatsbürger.

Weil vor dem Amtsgericht nicht festzustellen war, was nun genau am 23. März gesagt worden war, kam es zu dem Freispruch. Sie habe dem jungen Mann aber noch mitgegeben, dass er sich mit seinem Vermieter einigen solle, was die anderen Streitpunkte angehe, so die Richterin. - bor

Rubriklistenbild: © dpa

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