Welche Kräfte beim Bremsen auf Kind und Ranzen wirken

ABC-Schützen durchlaufen „Busschule“ in Harpstedt

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Die Basisklasse von Inge Nowak-Gelewski durchlief gestern als erste Klasse die „Busschule“. In einem Experiment veranschaulichte Fahrerin Tatjana Meyer (hinten links) mithilfe eines Kanisters (im Gang), welche Kräfte bei schärferem Bremsen wirken.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Ob es Fahrschüler gebe, die sich total daneben benähmen? „Das habe ich noch nicht erlebt, sagt Tatjana Meyer. Seit fünf Jahren steht sie bei der Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahn (DHE) GmbH als Schul- und Linienbusfahrerin in Lohn und Brot. Da gilt es, Ruhe auch in Stresssituationen zu bewahren.

Gut findet die 40-Jährige das Bemühen des kommunalen Verkehrsunternehmens, den neuen ABC-Schützen das Einmaleins des richtigen Verhaltens am und im Bus nahezubringen. Am Montag um kurz nach 8.30 Uhr empfing sie in dieser „Mission“ die ersten Kinder beim „Schulbusbahnhof“ in Harpstedt.

Schon aus der Ferne kündigte Leuchtschrift der Grundschulbasisklasse von Inge Nowak-Gelewski an, welcher „Unterricht“ auf dem Stundenplan stand. Da sie das Lesen erst lernen müssen, konnten die Kinder den Schriftzug „Busschule“ auf dem Bus-Display aber noch nicht ohne Hilfe entziffern.

Der Gurt ist nicht zur Zierde da, sondern er dient der Sicherheit. Diese Botschaft unterstrich ein kleines Experiment, das Tatjana Meyer vorführte. Sie stellte einen geschlossenen Kanister hinten im Fahrzeug auf und demonstrierte dann im Verlauf einer kleinen Rundfahrt, was passiert, wenn sie verkehrsbedingt mal etwas schärfer bremsen muss. Die Kinder bekamen große Augen: Der Kanister schlitterte durch den Gang nach vorn. „Das ist stets das Highlight der Busschule“, verriet die Fahrerin im Gespräch mit unserer Zeitung. Der pädagogische Nutzen erschließt sich von selbst: Die Schüler können sich gut vorstellen, dass genau dieselben Kräfte auf sie wirken und es ihnen kaum gelingen wird, dagegen zu halten, wenn sie im Gang stehen, statt auf den Plätzen angeschnallt sitzen zu bleiben. 

Ranzen kann sich in „Geschoss“ verwandeln

Sie bekamen ebenso eine Vorstellung davon, wie leicht sich ein Ranzen in ein „Geschoss“ verwandeln kann. Die Schultaschen gehörten nicht auf die Sitze, sondern in den Fußraum, erklärte ihnen Tatjana Meyer. Sie warnte vor Versuchen, die Hand durch die verschlossene Tür zu stecken und riet dazu, nach dem Einsteigen stets nach hinten durchzugehen; auch machte sie deutlich, dass laute Unterhaltungen oder sogar offen ausgetragene Streitigkeiten im Bus den Fahrer oder die Fahrerin ablenken können. Die Sitze nicht vollkrümeln; das Essen im Bus sollte gänzlich unterbleiben – so lautete eine weitere Verhaltensregel.

Wann der Nothammer zum Einsatz kommt

Die Basisklasse und alle Erstklässler der Grundschule Harpstedt durchlaufen die Busschule. Die Kinder erfahren, wann der Nothammer zum Einsatz kommen darf. Tatjana Meyer legt ihnen ans Herz, vor dem Aussteigen frühzeitig genug den Klingelknopf zu betätigen. Verhaltensregeln an der Haltestelle spart sie nicht aus. „Und ich sage den Schülern natürlich, dass sie nach dem Aussteigen erst die Straße überqueren dürfen, wenn der Bus weggefahren ist.“

Doch was, wenn ein Kind doch einmal totales Fehlverhalten an den Tag legt? Tatjana Meyer gibt zu, dass die Möglichkeiten der Sanktionierung in solchen Fällen recht begrenzt seien. Letztlich müsse sie versuchen, den betreffenden Schüler mit Worten und Ermahnungen zur Räson zu bringen. Wenn gar nichts mehr helfe, werde der Fahrausweis eingezogen, was ein Gespräch mit den Eltern nach sich ziehe.

Aber wie schon erwähnt: Die 40-Jährige hat nach eigenem Bekunden mit solchen Härtefällen bislang nichts zu tun gehabt. „Zum Glück noch nicht!“, sagt sie.

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