Mitreißende Stimmgewalt im „Liberty’s“

Als weilte Johnny Cash noch unter den Lebenden

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Dem Publikum im „Liberty’s“ wird er sicher als „The Voice“ in Erinnerung bleiben: Chuck Plaisance.

Harpstedt - Seine Coverversionen von „Ring of fire“ und „Folsom Prison Blues“ erweckten den Eindruck, als weilte Johnny Cash noch unter den Lebenden. „Father to son“ und „Where do the children play?“ trug Chuck Plaisance sogar akzentuierter und eindringlicher vor als „Meister“ Cat Stevens höchstselbst. „Before you accuse me“, ein klassischer Blues, von Martin Zemke mit einem Bass-Solo „gewürzt“, musste den Vergleich mit der „Vorlage“ von „Slowhand“ Eric Clapton nicht scheuen.

Und als die Zuhörer im rappelvollen „Liberty’s“ den „Animals“-Song über den wohl berühmtesten Puff der Welt, das „House of the rising sun“, in einem gut achtminütigen Gänsehaut-Marathon mit einer zur Teufelsgeigerin mutierenden Violinistin Regina Mudrich erlebten, fragte sich so mancher wohl im Stillen: „Gibt’s das auf CD? Muss ich haben!“ Kraftvoll, inbrünstig, energiegeladen, einfühlsam – jedes dieser Adjektive vermag die unglaubliche Stimmgewalt des heute in Ibbenbüren lebenden Sängers aus New Orleans nur unzureichend zu beschreiben. Sein Auftritt in Harpstedt dürfte als Meilenstein der Reihe „Kultur am Donnerstag“ im Gedächtnis haften bleiben.

Plaisance sang sich von einer Stimmung in die andere, traf jeden Ton und überraschte mit der großen Bandbreite seines Repertoires. Der kürzlich verstorbenen Ikone David Bowie zollte er mit einer gefälligen akustischen Hommage an „Major Tom“ Tribut, dem R&B-Künstler Bill Whi-thers mit einem besonders souligen „Ain’t no sunshine“ und Country-Legende Hank Williams mit dem mit „Jodlern“ gespickten „Down on the bayou“. In Bob Dylans „Knockin’ on heavens door“ ließ er sogar eine Prise Guns ’n’ Roses aus dem von der Band verrockten „Plagiat“ einfließen.

Das beschwingte „Country Roads“ animierte einige Zuhörerinnen zu einem spontanen Tänzchen. Und die A-cappella-Nummer „You’ve got a friend“ von den Housemartins setzte im Zugabeteil ein dickes Ausrufezeichen hinter ein glanzvolles Konzert.

Plaisance schien sich in der ganzen Bandbreite der Pop-musik zu Hause zu fühlen. Seine „Röhre“ meisterte alle gesanglichen Herausforderungen – sowohl die dynamischen zwischen pianissimo und fortissimo als auch die emotionalen zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Der Sympathikus schaffte das, was auch einem Joe Cocker nachgesagt wurde: Songs aus fremder Feder durch eigenwillige Interpretation ein Stück weit zu den eigenen zu machen.

boh

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