Weihnachten bei 40 Grad Hitze

Harpstedter Pastor Gunnar Bösemann berichtet von seiner Zeit in Botswana

Pastor Gunnar Bösemann

Botswana/Harpstedt - Rund fünf Jahre hat Pastor Gunnar Bösemann von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Harpstedt in Botswana gelebt und gearbeitet. Zum heutigen Weihnachtstag gibt er den Lesern unserer Zeitung einen Einblick, wie die Menschen in dem Land im südlichen Afrika ihr Weihnachtsfest gefeiert haben.

„In den Jahren 1999 bis 2005 habe ich als Pastor in einem afrikanischen Dorf in dem Land Botswana im südlichen Afrika gearbeitet. Dort war die Advents- und Weihnachtszeit ganz anders als hier. Im Dezember bis ins neue Jahr hatten die vielen Männer, die als Wanderarbeiter in den Goldminen im entfernten Johannesburg waren, frei. Sie kamen in der Regel nur Weihnachten und Ostern nach Hause. Alle Familienfeste fanden in dieser Zeit statt. Besinnlich waren die Wochen also nicht. Es gab dort keine Weihnachtsmärkte. Bei 40 Grad im Schatten hätte der Glühwein auch nicht geschmeckt. Es floss stattdessen kaltes Bier, dazu gab es Unmengen an selbstgeschlachtetem Fleisch. Weihnachtsbäume gab es auch nicht – versuchen Sie einmal, in der afrikanischen Steppe einen deutschen Weihnachtbaum zu finden!

Zuhause benutzten wir stattdessen vertrocknete Aloe-Blüten mit ihren geschwungenen Verästelungen – und die Kerzen bogen sich in der Hitze. Nur in der klimatisierten ,Shopping-Mall‘ in der nahen Hauptstadt kam für uns so etwas wie eine Erinnerung an deutsche Weihnachtstraditionen: saftige Weihnachtsdekoration, dazu erklang aus den Lautsprechern tatsächlich ,Leise rieselt der Schnee‘ – das war schon irgendwie schräg.

Kirchenchor in Botswana: „Die Rhythmen und Melodien und der immer vierstimmige, kraftvolle Gesang haben sich unvergesslich in meine Erinnerung eingebrannt“, beschreibt Pastor Gunnar Bösemann seine Eindrücke von dem südafrikanischen Land. J Foto: Bösemann

Am zweiten Sonntag im Advent war immer Konfirmation – für Christen dort ist das der Übergangsritus in das Erwachsensein, der an die Stelle der traditionellen Beschneidungsschule getreten ist. Es war ein prächtiges Fest, an dem große Teile der dortigen Dorfgemeinschaft teilnahmen. Weihnachten wurde in der Tradition der früheren englischen Kolonialmacht am 25. Dezember gefeiert – nicht wie bei uns am Heiligabend.

An die 900 Gottesdienstbesucher kamen morgens zur Kirche, alle in schönen neuen Klamotten, denn mit dem Weihnachtsgeld wurden alle Familienglieder neu eingekleidet.

Alle sieben Chöre der Gemeinde beteiligten sich ausgiebig. Die Rhythmen und Melodien und der immer vierstimmige, kraftvolle Gesang haben sich unvergesslich in meine Erinnerung eingebrannt. In den Melodien erkannte man deutsche Weihnachtslieder, die sich aber verändert hatten und einen authentischen, eigenen Stil bekommen hatten – ein eindrucksvolles Beispiel für Inkulturation des Christentums. Fünf Stunden und länger konnte der Gottesdienst mit Abendmahl dauern, es war eine richtig ausgelassene Feier.

Für meine Predigt musste ich kein Lied aussuchen, denn wenn ich ,Amen‘ gesagt hatte, stimmte in der Regel jemand einen Choral an, der inhaltlich genau zur Weihnachtsbotschaft passte und die Gemeinde stimmte mit ein – Gänsehautmomente.“

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