Pastorin Marikje Smid und ihr Mann verabschieden sich

Der Weggang schmerzt, aber: „Es ist der richtige Zeitpunkt“

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Mit Johann Smid-Hüneke, ihrem Ehemann und der Liebe ihres Lebens, will Marikje Smid den Ruhestand in Okel genießen.

Colnrade/Heiligenloh - Von Miriam Unger. Es ist eine kleine Randplauderei, die viel über das Wesen von Marikje Smid verrät. „Wie kam es, dass Sie Pastorin werden wollten? Sind Sie in einer frommen Familie aufgewachsen?“, fragt ihr Chef, der Superintendent des Kirchenkreises Syke-Hoya, die 59-Jährige.

„Nein“, antwortet Smid. „Fromm nicht. Kirchlich schon.“ Ihr Gegenüber hakt nach: Was ihre Eltern beruflich gemacht hätten? „Mein Vater war Superintendent.“ Alle lachen. Smid lächelt. Sie hat die Antwort nicht als Witz gemeint.

„Meine Eltern haben das zusammen gemacht – mein Vater war Pastor, meine Mutter hat mitgearbeitet. Die beiden waren immer eng verbunden mit der Gemeinde und allem, was dazugehörte. Das war prägend und auch für uns Kinder überzeugend: Mein jüngerer Bruder, meine Zwillingsschwester und ich sind alle Pastoren geworden“, erzählt Smid.

Sie stellt sich nicht in den Mittelpunkt

In Kürze endet ihre hauptberufliche Zeit. Die Pastorin tritt vorzeitig in den Ruhestand ein. Es war eine persönliche Entscheidung: „Mein Mann ist jetzt 81. Wir möchten noch gemeinsame Zeit auf unserem Hof in Okel verbringen“, sagt sie.

Marikje Smid ist kein Mensch, der sich in den Mittelpunkt stellt. Obwohl sie dort als Pastorin oft steht. Sie hört zu, beobachtet, sagt sensibel, aber klar, was sie denkt. Wie sie in den Kirchenkreis kam? „Meine Zwillingsschwester arbeitete damals im Kirchenkreis Diepholz, und ich wollte so gerne auf eine freie Pfarrstelle direkt in ihrer Nähe. Aber im Probedienst wird man ja eingeteilt, und so kam ich nach Syke-Barrien. Ich war ganz unglücklich und wollte gar nicht dort anfangen“, gesteht die Geistliche und lacht verschämt. 

„Aber kurze Zeit später wusste ich, warum ich nach Barrien kommen musste. Damit ich mein privates Glück finde. Ich lernte hier nämlich meinen Mann kennen. Er war Landwirt in Okel, Posaunenchorleiter und im Kirchenvorstand. Witzig, dass alles einen Sinn zu haben scheint, wenn man zurückguckt.“

Mit Kirchenvorstand „passte es sofort“

Nicht nur beruflich schlug Smid einen ähnlichen Weg ein wie ihr Vater, sondern auch persönlich und organisatorisch. Allerdings mit umkehrten Rollen: Sie und ihr Mann übernahmen das Pfarramt als Paar – sie als Pastorin, er als aktiver Pfarrmann im Haus und in der Gemeinde. Erst in Beverstedt, dann in Sottrum. 

Vor 13 Jahren kamen beide nach Heiligenloh. Ihr erster Eindruck: „Schön! Der Ort, der Laden, in dem Kunden alles kaufen können und sich viele Leute treffen, die gemütliche Dorfkirche, das Pfarrhaus, das traumhafte Gelände drum herum... Und mit dem Kirchenvorstand passte es sofort“, entsinnt sich Marikje Smid.

Freude und Trauer mit Menschen geteilt

Anderthalb Jahre später kam die Gemeinde Colnrade dazu – zunächst als Vakanzvertretung. In acht Kilometern Entfernung von Heiligenloh waren die Voraussetzungen andere: „Die Kirche St. Marien ist besonders schön. Eine richtige Halle. Vorn hat man eine Bühne für Krippenspiele und Konzerte des Gospelchors. In den Raum passen 500 Leute“, weiß Smid. 

Auch in Colnrade entwickelten sich schnell Verbindungen zu den Vereinen, etwa den Schützen, und der Feuerwehr. „Wir haben schöne Feste mit Gottesdiensten gefeiert“, blickt die Pastorin zurück. Alsbald bekam sie die Aufgabe übertragen, die beiden Gemeinden zusammenzuführen. „Was sicherlich nicht leicht war, ihr aber sehr sensibel, umsichtig und erfolgreich gelang“, lobt Superintendent Dr. Jörn-Michael Schröder.

„Ich denke am liebsten an die tolle Gemeinschaft zurück, die wir im Kirchenvorstand, unter den Mitarbeitenden und mit den Gemeindegliedern in beiden Orten hatten. Und an das, was für mich das Schönste an diesem Beruf ist: Menschen zu begegnen, mit ihnen ihr Glück und ihre Freude zu teilen, zum Beispiel bei Hochzeiten und Taufen. 

Aber ich habe sie auch gern in schwierigen Situationen begleitet – in der Trauer, sogar beim Sterben“, sagt die Pastorin. Ihrem Mann Johann Smid-Hüneke fällt vor allem der Rückzug aus „seinem“ Posaunenchor in Colnrade schwer, den er gegründet, leidenschaftlich geleitet und in dem er Musiker aus allen Generationen ausgebildet hat.

Vakanz könnte von kurzer Dauer sein

„Wir gehen nicht gern weg“, gibt Marikje Smid zu. „Aber es ist der richtige Zeitpunkt.“ Mit ihrem Mann will sie sich um Hof und Garten in Syke-Okel kümmern. „Ich freue mich auch darauf, einige Dinge neu oder wieder zu lernen“, sagt sie. „Ich habe zum Beispiel früher gern gekocht und gebacken. Das hat in den letzten Jahren mein Mann komplett übernommen. Ich hoffe, ich habe es noch nicht ganz verlernt.“

Glücklich ist sie darüber, dass Colnrade und Heiligenloh voraussichtlich nicht lange pastorenlos sein werden. Smid kennt schon eine Interessentin. „Und ich habe ein sehr, sehr gutes Gefühl“, verrät sie. „Ich denke, das passt.“

• Am 13. August, 15 Uhr, wird Pastorin Smid in der Kirche in Heiligenloh verabschiedet; ein Empfang im Dorfgemeinschaftshaus und im Pfarrgarten schließt sich an.

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