INTERVIEW Pressewartin Manuela Meyer zur Lage beim Reitclub „Sport“ Harpstedt

Was, wenn die Krise noch lange dauert?

Reitlehrerin Marina Lehmann auf „Ramino“. Der RC „Sport“ hofft, dass eine Rückkehr zum normalen Sportbetrieb bald wieder möglich ist. Foto: Meyer

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Die Einnahmen brechen weg. Die Kosten bleiben. Mit den Folgen der Coronakrise haben auch Vereine schwer zu kämpfen. Unsere Zeitung sprach darüber mit Manuela Meyer, Pressewartin des Reitclubs „Sport“ Harpstedt und Umgebung.

Frau Meyer, wie lange kommt der RC „Sport“ noch finanziell aus eigener Kraft mit den Folgen der pandemiebedingten Beschränkungen klar?

Die nächsten drei Wochen werden wir sicher einigermaßen überstehen, aber dann wird’s so langsam eng. Uns geht es da wie anderen Vereinen, die eigene Pferde haben. Die Kosten laufen bei wegbrechenden Einnahmen ungebremst weiter. Die Pferde müssen verpflegt werden. Und auch bewegt. Bei uns kümmert sich eine Reitlehrerin, die wir natürlich weiter bezahlen müssen, zweimal die Woche um die „Notbewegung“ in Form von Reiten oder Longieren; ansonsten haben die Tiere Weidegang.

Wie viele Schulpferde hat der RC „Sport“?

Acht. An Futter mangelt es zumindest aktuell nicht. Da liegt noch genug auf Vorrat.

Der Verein hat ja erst kürzlich eine Sanierungsmaßnahme umgesetzt. In welchem Maße hat dies das Vereinsguthaben geschmälert?

Ein Schuppen ist etwas baufällig gewesen. Wir haben das Dach instandgesetzt. Wir bekamen kommunale Zuschüsse. Unsere Vereinskasse hat nicht wirklich nennenswert gelitten, zumal wir sehr viel mit Eigenarbeit auffangen konnten.

Ihr zweitägiges Maiturnier fällt wegen der Pandemie aus. Sind solche Turniere eigentlich ein Zuschussgeschäft? Oder erzielt der Verein dabei für gewöhnlich Überschüsse?

In die Vorbereitung und Durchführung fließt unsererseits sehr viel Eigenarbeit ein. Unterm Strich bleibt meistens ein kleiner Überschuss – vielleicht 1 000 Euro. Dass gerade in diesem Jahr das Maiturnier abgesagt werden musste, ist für den RC „Sport“ besonders ärgerlich. Zumal sich die VGH-Versicherung mit dem VGH-Cup einklinken wollte und ein großzügiges Sponsoring in Aussicht gestellt hat. Das hätte uns Mehreinnahmen beschert. Vielleicht gibt es ja 2021 eine neue Chance. Staatliche Überbrückungshilfen brächten uns übrigens nicht weiter, zumal wir nicht wüssten, wie wir das Geld zurückzahlen sollten. Wir können die Pferde ja nicht einfach doppelt so viel arbeiten lassen.

Fürchten Sie, als Folge der Coronakrise Reitschüler zu verlieren?

Es ist derzeit einfach unmöglich abzuschätzen, wie viele uns erhalten bleiben. Momentan werden rund 80 Personen, auch Erwachsene, im Reiten oder Voltigieren ausgebildet. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen überwiegt dabei deutlich.

Das Hauptproblem sind also jetzt die fehlenden Einnahmen aus Reit- und Voltigierunterricht?

Ja, so ist es. Wir wissen nicht, wie lange diese Krise dauert, wen es hart und wen es weniger hart trifft. Und wer vielleicht sogar seinen Job verliert.

Durchaus denkbar, dass Leute Pferdehaltung und Reiterei aufgeben müssen, wenn sie in unsicheres oder schwieriges wirtschaftliches Fahrwasser geraten. Dieses Hobby sei ja durchaus mit einigem finanziellen Aufwand verbunden, heißt es.

Ein Pferd ist schon ein großer Kostenfaktor. Dafür muss man immerhin ungefähr so viel Ausgaben einkalkulieren wie für eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung.

Welche weiteren Folgen könnte die Krise haben?

Hält sie länger an und nimmt deshalb der wirtschaftliche Druck zu, ist nicht auszuschließen, dass uns Mitglieder abspringen. Das ist zum Glück noch nicht passiert. Wir hoffen, von einem Schwund verschont zu bleiben. Auch Mitglieder bringen uns ja Geld – einschließlich der passiven. Aktive sind übrigens im RC „Sport“ nicht automatisch Reitschüler. Sie nutzen für gewöhnlich die Halle und die Plätze. Einige können das aber jetzt zu ihrem Bedauern nicht. Und diejenigen, die keinen eigenen Reitplatz haben, wissen momentan nicht, wie sie ihre Pferde bewegen sollen; sie sind deswegen schon traurig.

Mit welchen Beschränkungen müssen Reitvereine wie der RC „Sport“ in der Coronakrise leben?

Fremdreiter dürfen nicht auf den Hof. Einsteller, also Privatpferdehalter, können zur Versorgung ihrer Pferde maximal zwei Stunden pro Pferd anwesend sein, aber nur jeweils maximal drei Leute gleichzeitig. Es gibt einen Terminplan. Die Einsteller müssen sich anmelden.

Bleibt für den RC „Sport“ und auch andere Vereine nur zu hoffen, dass der Scherbenhaufen, der nach der Krise zusammengefegt werden muss, nicht zu groß ist. Wissen Sie schon, was der Reitclub tun wird, um vielleicht danach neue Mitglieder und Reitschüler zu generieren? Kostenlose Schnupperangebote, Gutscheinaktionen oder dergleichen?

Nein, darüber haben wir uns – ehrlich gesagt – noch keine Gedanken gemacht.

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