Fachausschuss begutachtet Schadensbild

Was tun im Rosenfreibad? Neuer Rat entscheidet

Stark von Korrosionsschäden betroffen: Halteplatten bei der Durchlaufsperre auf der Fünf-Meter-Sprungturmplatte.
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Stark von Korrosionsschäden betroffen: Halteplatten bei der Durchlaufsperre auf der Fünf-Meter-Sprungturmplatte.

Harpstedt – Wird der erheblich beschädigte, nicht mehr den Sicherheitsanforderungen genügende und daher stillgelegte Sprungturm im Harpstedter Rosenfreibad erneuert? Und wenn ja, wann? Errichtet die Samtgemeinde ein Gebäude mit guter Übersicht des Badpersonals über das ganze Gelände (etwa in Form eines Turms) an einem zentralen Standort, zumal auch das eigentlich geboten wäre? Realisiert sie zusätzlich eine Remise für Lagerzwecke? Entscheiden über diese Fragen soll der neue Rat. Der wird am 12. September gewählt und konstituiert sich im Herbst.

Der Ausschuss für Bau, Umwelt und Planung beschränkte sich am Montagabend darauf, eine Erweiterung des Planungsauftrages für die ebenfalls nötige Erneuerung des Schwimmerbecken-Technikkellers einstimmig zu empfehlen. Heißt: Zusätzlich soll nun eine Vorplanung für Sprungturm, Remise und Badeaufsichtsgebäude her.

Vor Sitzungsbeginn hatte sich der Fachausschuss im Verlauf einer ratsoffenen Ortsbegehung selbst ein Bild von der Schadenslage im Freibad gemacht.

Zu Beginn der Beratung fasste Bernd Siemers aus dem Bauamt dann die Mängel zusammen, untermauert von Bildmaterial. Zunächst widmete er sich dem Technikkeller aus den späten 1960er-Jahren – zugänglich über eine schmale, sehr steil abfallende Treppe. „Rostschäden und Betonabplatzungen“ machte er nicht nur an der Decke fest; diese Worte zogen sich vielmehr wie ein roter Faden durch seine Erläuterungen.

Im Technikkeller komme es zudem teils zu Durchfeuchtungen; Regenwasser laufe dann an den Wänden herunter. Der Bautechniker zeigte eine Aufnahme eines alten Röhrenwärmetauschers, der noch in Betrieb ist. Eine provisorische Abdeckung solle Bauteile vor Feuchtigkeitsschäden schützen. Siemers verwies auf starke Korrosion an Flanschen des „hier früher einmal angeschlossenen Nichtschwimmerbeckens“. Nehme der Rost weiter zu, stehe Wassereintritt zu befürchten. „Zumindest wurde mir berichtet, dass die Leitungen noch unter Druck stehen“, so der Fachmann. Die beengten Verhältnisse im Technikkeller erschwerten Reinigung und Wartung sehr. Die Samtgemeinde sei daher auf Leistungen von Firmen angewiesen.

Geländer nach DIN nicht mehr zulässig

Zum Sprungturm merkte Siemers an, die Geländer seien heute nach DIN nicht mehr zulässig: Die Querverstrebungen könnten zum Klettern animieren, was im schlimmsten Fall zu Stürzen aus großen Höhen führe. An mehreren Geländerstellen gebe es „komplette Durchrostungen“. Daraus resultierten scharfe Kanten. Die Gefahr von Schnittverletzungen sei erheblich. Betonabplatzungen lassen sich nach den Worten des Fachmanns auch am Sprungturm ausmachen. Beispielsweise im Bereich der Fünf-Meter-Platte, „hervorgerufen durch die rostende Randbewehrung“.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die ganze Betonkante abbricht.“

Bernd Siemers

Diverse Befestigungslaschen seien derart stark korrodiert, dass sie „einen sicheren Halt nicht mehr gewährleisten“; hier handele es sich nicht nur um Flugrost, betonte Siemers. Er brachte ebenso Abplatzungen von Beschichtungen zur Sprache – mit stark verrosteter Bewehrung darunter. Einen beunruhigenden Längsriss kommentierte er mit den Worten: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die ganze Betonkante abbricht.“

Der Sprungturm und der alte Technikkeller fürs Schwimmerbecken im Harpstedter Rosenfreibad stehen mit Blick auf die Statik in einem baulichen Zusammenhang.

„Die Samtgemeinde hat sich bislang mit kleineren Sanierungen ein bisschen retten können. Die Frage ist nun, wie lange das noch gutgehen kann“, leitete der Ausschussvorsitzende Günter Wöbse (CDU) zur Debatte über.

Für die SPD-Fraktion sicherte Klaus Budzin zu, „dass wir uns für die Erhaltung des Freibades einsetzen werden“. Für ihn gehöre dieser touristische Magnet der Samtgemeinde schlechthin einfach zur Daseinsvorsorge. Auf jeden Fall müssten diejenigen Maßnahmen angegangen werden, die etwas mit Sicherheit zu tun hätten.

Abgeplatzte Beschichtung: Die Bewehrung darunter korrodiert.

Als vordringlich stufte Budzin neben dem Technikkeller den Turm für die Badeaufsicht ein. Zum Sprungturm habe er noch eine unklare Meinung. Fürs Erste ließe sich ja eventuell zumindest das „Grundgerüst“ erhalten.

„In einem Rutsch“ erneuern?

Anstelle einer neuen Remise fände Budzin eine Containerlösung für Lagerzwecke zumindest überlegenswert. Unverständlich aus seiner Sicht sei, „dass wir immer noch kein neues Kassensystem und keinen neuen Eingangsbereich haben“. Die Politik müsse sich selbst ankreiden, in dieser Angelegenheit „nicht genügend Druck“ gemacht zu haben. Klar sei indes: Die Richtung, die der alte Rat beim Freibad eingeschlagen habe, müsse der neue nicht zwingend beibehalten.

Unsere Bundestagsabgeordnete Astrid Grotelüschen hat mir fest zugesichert, dass in diesem Jahr ein neues Förderprogramm kommt.“

Stefan Wachholder

Die Ortsbegehung habe gezeigt, „dass wirklich Handlungsbedarf besteht“, äußerte sich Stefan Wachholder (CDU). Die Technikkeller-Erneuerung stehe außer Frage. Der Planungsauftrag dafür sei schon vergeben; nun gehe es darum, „ob wir ihn noch erweitern“. Die Sperrung des Sprungturms sei nachvollziehbar. „Ich würde jedenfalls keine Verantwortung als Schwimmmeister oder Samtgemeindebürgermeister übernehmen wollen, wenn da etwas abbrechen oder jemand runterfallen kann“, gestand der Ratsherr. Er schlug vor, den Sprungturm „bei Gelegenheit“ zu erneuern. Das Erfordernis eines Badeaufsichtsgebäudes mit guter Übersicht sei plausibel begründet worden. Und die Remise, ob sie nun nötig sei oder nicht, gehöre zumindest „in die Planung mit rein“.

Wachholder bezweifelte, dass die Samtgemeinde rund 1,5 Millionen Euro Freibad-Investitionen ohne Zuschüsse stemmen könnte. Stünde aber eine Förderung in Aussicht, wäre es gut, fertige Pläne in der Schublade zu haben. Wachholder: „Unsere Bundestagsabgeordnete Astrid Grotelüschen hat mir fest zugesichert, dass in diesem Jahr ein neues Förderprogramm kommt.“

Sehr beengte Verhältnisse im Technikkeller erschweren die Wartung.

Beim Thema elektronisches Kassensystem haben wir Zeit. Hier müssen wir nichts übers Knie brechen.“

Götz Rohde

Götz Rohde (Bündnis 90/Die Grünen) plädierte dafür, die Gelegenheit beim Schopf zu packen und Technikkeller plus Sprungturm in einem Rutsch zu erneuern. Beim Thema elektronisches Kassensystem habe die Samtgemeinde hingegen Zeit. „Hier müssen wir nichts übers Knie brechen.“ Für die Remise, so Rohde, ließe sich womöglich eine Übergangslösung finden, „die zumindest finanziell ein bisschen Entlastung schaffen würde“.

„Kleiner Urlaub“ für die, die sich keinen Urlaub leisten können

Das Freibad biete auch Menschen, die sich keinen Urlaub leisten könnten, einen kleinen Urlaub, gab Rolf Ranke (HBL) zu bedenken. Obendrein diene es der „Volksgesundheit“, habe Hardo Knüpling einst bemerkt. Ranke mahnte zugleich, die Samtgemeinde dürfe nicht in ein finanzielles Fettnäpfchen treten, aus dem es womöglich kein Entrinnen gäbe. „Wir müssen erst mal wissen, worüber wir genau reden“, sagte er. Der richtige Zeitpunkt für die Umsetzung von Maßnahmen hänge nicht zuletzt von Zuschüssen ab. Die Entscheidung, was wann gemacht werde, treffe jedenfalls der neue Rat auf Grundlage fundierter Planungen und Kostenermittlungen.

Florian Eiskamp bringt Kletterwand ins Spiel

Florian Eiskamp (HBL) brachte den Bau einer Kletterwand ins Spiel. In den nunmehr erweiterten Planungsauftrag ist dieser Vorschlag aber nicht aufgenommen worden. „Die Kletterwand braucht das tiefere Wasser, das beim Sprungturm vorhanden ist. An anderer Stelle wäre die Wassertiefe hingegen nicht ausreichend“, streifte Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse das Ergebnis einer schon ein paar Jahre zurückliegenden „Prüfung“. Heißt: Eins ginge wohl nur – Sprungturm oder Kletterwand. Letztere würde allerdings einen „erhöhten Beaufsichtigungsaufwand“ verursachen, so Wöbse.

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