Flecken bringt die Bauleitplanungen für Vorhaben von Inkoop, Aldi und Netto zum Abschluss

Was passiert mit leer stehenden Märkten?

Was aus dem alten Netto-Markt wird, ist unklar. Der benachbarte Raiffeisen-Markt (r.) bleibt erst einmal, wo er ist. Zumindest gibt es noch keine konkreten Pläne, den Standort zu verlagern. Alle Optionen, die interessant sein könnten, werden jedoch geprüft.
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Was aus dem alten Netto-Markt wird, ist unklar. Der benachbarte Raiffeisen-Markt (r.) bleibt erst einmal, wo er ist. Zumindest gibt es noch keine konkreten Pläne, den Standort zu verlagern. Alle Optionen, die interessant sein könnten, werden jedoch geprüft.

Harpstedt – Die beiden Bauleitplanverfahren, die den Boden für Umzug und Erweiterung von Inkoop, Aldi und Netto innerhalb Harpstedts ebnen, hat der Fleckenrat am Donnerstagabend im Koems-Saal mit einstimmigen Abwägungs- und Satzungsbeschlüssen zum Ende gebracht. Protest aus der Einwohnerschaft regte sich nicht. Das Thema ist offenkundig „durch“. Die Beratungen lockten keinen Bürger mehr hinterm Ofen hervor. Der Rat tagte, mal abgesehen von der Presse, ohne Zuhörer.

Gleichwohl verbleiben offene Fragen, die viele Einwohner gern beantwortet hätten, zumal Leerstände zu befürchten stehen, wenn Aldi und Inkoop an die Wildeshauser Straße umziehen und Netto am bisherigen Inkoop-Standort (Junkernkamp) neu baut. Die Nachnutzung zweier Alt-Immobilien ist unklar.

Im bisherigen Aldi-Gebäude könnte sich Fleckenbürgermeister Stefan Wachholder gut einen Drogeriemarkt vorstellen. Die bekannten Drogerieketten hätten auf eine Anfrage aber mit Absagen reagiert, bedauerte er. Bis auf eine. Um welche Kette es sich dabei handelt, gab der Bürgermeister in öffentlicher Sitzung nicht preis. Er wolle keine zu hohen Erwartungen wecken, sagte er.

Klaus-Dieter Westphal (CDU) lenkte den Blick auf den absehbaren Leerstand am Netto-Altstandort an der Amtsfreiheit. „Hat schon mal jemand mit der Raiffeisen gesprochen? Die kriegt doch ihr Sortiment auf ihrer kleinen Verkaufsfläche gar nicht richtig untergebracht. Eine Nachnutzung der Räume im jetzigen Netto-Markt würde sich im Grunde genommen anbieten, zumal es das Raiffeisen-Geschäft in Delmenhorst ja nicht mehr gibt“, gab Saskia Kamp (SPD) zu bedenken.

Wachholder erwiderte, er habe schon relativ früh das Gespräch gesucht. Die Genossenschaft sei über die Möglichkeit der Nachnutzung informiert. Darauf, wie sie sich letztlich entscheiden werde, könne die Gemeinde aber nicht viel Einfluss nehmen.

„Genau das ist der Punkt. Einen Nachfolger zu finden, der in den alten Netto-Markt rein will, obliegt dem Gebäudeeigentümer. Gab es da einen Kontakt? Ist der Eigentümer schon mal angesprochen worden, was er mit der Immobilie vorhat?“, hinterfragte Hermann Schnakenberg (SPD). Wachholder ließ wissen, er habe nicht mit den Besitzern gesprochen. Seines Wissens seien sie skandinavischer Herkunft. Es handele sich um Dänen, warf Rolf Ranke (HBL) ein. „Wenn ich Eigentümer wäre, hätte ich doch ein hohes Eigeninteresse an einer Nachnutzung. Die Dänen sind ja schließlich auch nicht dämlich“, sorgte Klaus Budzin (SPD) kurzzeitig für Erheiterung.

Wolfgang von Fintel, der Geschäftsführer der Raiffeisen-Warengenossenschaft Bassum-Harpstedt, legte sich auf Nachfrage unserer Zeitung nicht fest, ob der Raiffeisen-Markt am jetzigen Standort verbleibt. „Wir sind offen für Optionen. Und wir werden alle Möglichkeiten prüfen, die auf unsere Bedürfnisse passen und interessant sind“, kündigte er an.

Inkoop hat indes bereits den Zeitfahrplan für den künftigen Einzelhandelsstandort zwischen Wildeshauser Straße (L 338), Freistraße und Carsten-Horst-Kamp abgesteckt. „Der städtebauliche Vertrag mit der Gemeinde ist unterzeichnet. Der erforderliche Abriss zweier Häuser soll noch in diesem Jahr erfolgen. Wenn die Baugenehmigung erteilt ist und alles glatt läuft, werden wir im ersten Quartal 2021 mit dem Bau beginnen“, erläuterte Petra Kosten aus der Inkoop-Geschäftsführung auf Nachfrage. „Es ist ja schon ein sehr großer Komplex mit zwei Einkaufsmärkten, den wir da realisieren. Das dürfte rund zwölf Monate dauern. Wir würden gern vor Ostern 2022 eröffnen.“

Den Discounter-Markt baut Inkoop gleich mit, um ihn dann an Aldi zu vermieten. Zusammen mit den beiden Nahversorgern zieht auch die Postagentur an die Wildeshauser Straße um. Der neue Marktkomplex sieht zusätzlich einen Backshop mit Außensitzplätzen, einen Blumenladen sowie eine Verkaufsstelle für Tabakwaren und Zeitschriften vor. Ferner beinhalten die Planungen eine Ladestation für Elektroautos und überdachte Fahrradstellplätze in ausreichender Anzahl. Inkoop legt um rund 700 auf etwa 1800 Quadratmeter (qm) Verkaufsfläche zu. Aldi wächst um 340 auf 1050 qm.

Ohne den Umzug von Netto an den Junkernkamp, wo nach dem Abriss des alten Inkoop-Marktes ein neuer Discounter mit Backshop entstehen soll, wäre der Einzelhandelsstandort an der Wildeshauser Straße nicht realisierbar gewesen. Der Netto-Neubau mit 1150 qm Verkaufsfläche, 480 mehr als bislang, wirkt einer zu großen Ausdünnung des Zentralen Versorgungsbereiches entgegen. Damit ist auch die im Einzelhandelsentwicklungskonzept von der Cima Beratung + Management GmbH formulierte Befürchtung vom Tisch, wonach die „Versorgungsfunktion des Hauptzentrums des Fleckens Harpstedt“ nachhaltig beeinträchtigt werden könnte.

In der Summe erweitern die Nahversorger ihre Märkte um stattliche 1 520 Quadratmeter Verkaufsfläche. Und dieser Zuwachs berücksichtigt noch nicht einmal eine etwaige spätere Expansion des Lidl-Discounters. Die jetzt zum Abschluss gebrachten vorhabenbezogenen Bauleitplanungen gehen allerdings für die Marktbetreiber mit einer zu schluckenden „Kröte“ einher: Der Landkreis hat vor dem Hintergrund raumplanerischer Ziele darauf bestanden, dass auf mindestens 90 Prozent der Verkaufsflächen „periodische Sortimente“ vorzuhalten sind. Das heißt: Nicht nahversorgungsrelevante Non-Food-Produktgruppen dürfen keineswegs nach Belieben aufgebläht werden.

Für Bernd Oetken aus der Inkoop-Geschäftsführung stellt das kein Problem dar. „Dinge des täglichen Bedarfs, insbesondere Lebensmittel, sind ohnehin unsere Kernkompetenz“, sagte er gegenüber unserer Zeitung.

Viel Diskussionsstoff im Fleckenrat bot das Umzugs- und Erweiterungsvorhaben von Inkoop und Aldi jetzt nicht mehr. „Wir hätten das Ganze allerdings sehr viel eher haben können. Vor der Kommunalwahl von 2014 stand das Thema ja bekanntlich schon einmal zur Debatte. Damals ist das Vorhaben von Inkoop und Aldi aber bereits im Fachausschuss abgebügelt worden, und der Rat hat darüber gar nicht mehr beschlossen“, erinnerte sich Horst Bokelmann. Von daher sei er froh, dass es nun „endlich losgehen kann“. Aktuell, in der Coronazeit, da Abstand geboten sei, kauften Harpstedter vermehrt in Wildeshausen ein, „weil es bei uns in den Märkten nämlich verdammt eng ist“, sprach der Ratsherr eigene Beobachtungen an.

2014 sei noch nicht mal annähernd die Nachnutzung des Inkoop-Altstandortes durch Netto geklärt gewesen, erinnerte sich Bürgermeister Wachholder. Erst als das feststand, hätten die Pläne von Aldi und Inkoop „breite Zustimmung“ erfahren, so sein Eindruck.

Die SPD-Fraktion habe schon 2007/2008 Gespräche mit den Einzelhandelsunternehmen geführt, äußerte sich Fraktionssprecher Hermann Schnakenberg. „Wir sind froh darüber, dass wir jetzt endlich einen Schritt weiterkommen und alle – ob nun Anwohner, Verbraucher oder Unternehmer – wissen, wo’s langgeht.“ Es sei richtig gewesen, darauf hinzuwirken, „dass Kaufkraft hier im Flecken bleibt“. Manchmal dauere es aber eben seine Zeit bis zur politischen Entscheidungsreife.

Von Jürgen Bohlken

Am Inkoop-Altstandort am Junkernkamp soll ein neuer Netto-Discounter entstehen.

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