Vorstandsspitze des Landfrauenvereins Harpstedt-Heiligenrode meint es ernst mit ihrer Entscheidung, 2017 abzutreten

„Akku ist leer“: Dreier-Team erhofft sich neuen Schwung

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Die Kulisse für dieses Foto haben sich die Damen selbst ausgesucht. Den Wunsch nach „neuem Schwung“ symbolisiere doch am besten eine Schaukel, finden Heike Kastens, Ursel Göbberd und Astrid Lehnhof (von links).

Harpstedt/Heiligenrode - Eine neue Kassen- oder Schriftführerin zu finden, sei noch vergleichsweise leicht, sagt Ursel Göbberd, die seit 16 Jahren dem „Dreier-Team“ an der Vorstandsspitze des Landfrauenvereins Harpstedt-Heiligenrode angehört, davon acht Jahre zusammen mit Heike Kastens und Astrid Lehnhof. Wenn es aber um den Vorsitz gehe, falle es deutlich schwerer, Amtsnachfolgerinnen zu finden. Ursel Göbberd weiß, dass Führungsaufgaben auch schon mal unangenehm sein können. Sie selbst etwa plage, so erzählt sie, stets Lampenfieber, wenn sie eine Veranstaltung moderieren oder eine Versammlung leiten müsse. Doch die Vorstandsarbeit gebe denen, die sie leisten, so einiges zurück, spricht Astrid Lehnhof aus Erfahrung. „Man knüpft Netzwerke. Und lernt viele Menschen kennen“. Mitunter auch „sehr interessante Leute“, ergänzt Heike Kastens. Sie erinnert sich besonders gern daran zurück, als sie während einer Veranstaltung des Niedersächsischen Landfrauenverbands Joachim Gauck reden hörte. „Das war vor seiner Wahl zum Bundespräsidenten.“ Doch irgendwie sei nach so vielen Jahren Vorstandsarbeit auch ein bisschen die Luft raus, gesteht Ursel Göbberd. Sie stellt an sich selbst fest, dass der „Akku leer ist“ und es ihr schwerer falle als früher, neue Ideen einzubringen. Daher erhofft sie sich – wie auch Astrid Lehnhof und Heike Kastens – frischen Wind und neuen Schwung für den Landfrauenverein. Alle drei wollen ihre Führungsposten 2017 abgeben, und sie lassen keinen Zweifel daran, dass sie es mit dieser Entscheidung ernst meinen. In der kommenden Jahreshauptversammlung werden Ursel Göbberd und Heike Kastens nur noch für ein Jahr kandidieren. 2017 läuft auch die Amtsperiode von Astrid Lehnhof aus. Will heißen: Dann müssen „Neue“ her.

Prinzipiell also genug Zeit, um die Frage der Nachfolge zu klären. Aber Vereine tun sich – auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels – mittlerweile generell sehr schwer, Führungsposten neu zu besetzen. Die Verteilung der Arbeit auf mehrere Schultern hat sich nach Einschätzung des „Dreier-Teams“ bewährt. Die drei Teamplayerinnen schätzen den jährlichen Arbeitsaufwand auf etwa 150 Stunden. Macht 50 Stunden im Jahr pro Vorsitzender – gut 60 Minuten in der Woche. Aber nicht in jeder kalendarischen Phase fällt gleich viel Arbeit an. Während der Sommerpause gibt es, bedingt durch den Wegfall von Veranstaltungen, weniger zu tun.

Das Programm zu „stricken“, gehört zu den wichtigsten Aufgaben des „Dreier-Teams“. Der Vorstand kommt für gewöhnlich auf

Nur zehn Prozent sind in

der Landwirtschaft aktiv

durchschnittlich zehn Sitzungen pro Jahr. Und an mindestens zwei Terminen haben die Ortsvertrauensfrauen Gelegenheit, Vorschläge zum Programm vorzubringen. Den Vorsitz als Team zu führen, habe nicht zuletzt den Vorteil, dass Aufgaben nach individuellen Interessenlagen vergeben werden können, wissen die drei Amtsinhaberinnen aus eigener Erfahrung. „Es kam trotzdem vor, dass ich mich vor einer Veranstaltung gefragt habe, ob ich da wirklich hin will, mir im Nachhinein aber gesagt habe: ,War doch super!‘“, plaudert Heike Kastens aus dem Nähkästchen. Astrid Lehnhof gesteht, die Vorstandsarbeit habe sie dazu gezwungen, sich mit den neuen Medien und Kommunikationsformen vertraut zu machen, und das wertet sie durchaus als positive Erfahrung. Potenzielle Nachfolgerinnen für die Vorstandsspitze dürfen sich gern schon jetzt unter Tel.: 04434/544 melden. Lehnhof hofft, dass ihr Telefon nicht stumm bleibt.

Ein großes Anliegen des Vorstandsteams ist es nach wie vor, das landläufige antiquierte Bild des Vereins gerade zu rücken. Die Struktur hat sich deutlich verändert. „Nur noch etwa zehn Prozent unserer rund 590 Mitglieder sind in der Landwirtschaft aktiv“, weiß Astrid Lehnhof. „Wir haben keine Landwirtschaft, und ich kann nicht backen“, bekommt Heike Kastens gleichwohl immer mal wieder von Frauen zu hören, die einem Beitritt nicht abgeneigt sind. Solche vermuteten „Aufnahmevoraussetzungen“ gebe es natürlich nicht. Die Landfrauen greifen in Veranstaltungen – auch auf überörtlicher Ebene – spannende Themen auf. Die Beschäftigung mit regenerativen Energien ist dabei nur ein Beispiel von vielen. Für 20 Euro Jahresbeitrag bekämen die Mitglieder einiges geboten, urteilen Kastens, Göbberd und Lehnhof übereinstimmend.

Das Vorstandsteam sei im Übrigen auch Ansprechpartner für die Kommune und andere Vereine, wenn es beispielsweise um die Organisation von Großveranstaltungen gehe. Bei solchen Events treten die Landfrauen im Interesse eines modernen Images mittlerweile durchaus sehr konsequent und selbstbewusst auf. Astrid Lehnhof bringt es auf den Punkt: „Wir lassen uns nicht mehr auf die Zuständigkeit für Kaffee und Kuchen reduzieren.“

boh

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