Vorhaben in der Klein Henstedter Heide nimmt allmählich Konturen an

Bis zu 21 „Mega-Mühlen“ sollen Windstrom erzeugen

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Ob es bei 21 Windrädern bleibt, ist derzeit offen. Ekkehard Darge (wpd) schloss nicht aus, dass es ein paar weniger werden. Auch einzelne Standortverschiebungen seien noch möglich.

Klein Henstedt/Simmerhausen - Von Jürgen Bohlken. 36 Windenergieanlagen (WEA) hatten sich die vier Projektierer erhofft. „Nur“ 21, womöglich sogar noch ein paar weniger, werden sie voraussichtlich in der Klein Henstedter Heide realisieren können. Dabei favorisieren sie Vestas-Anlagen vom Typ V126 mit Permanentmagnetgenerator, jeweils gut drei Megawatt installierter Leitung, 126 Metern Rotordurchmesser, 137 Metern Naben- sowie 200 Metern Gesamthöhe.

Noch ist offen, wann die Gemeinde Prinzhöfte das Bauleitverfahren für den Windpark nördlich der A1 auf den Weg bringen wird. Gleichwohl kamen die Projektierer wpd, Volkswind, Windkraft Simmerhausen und Landgut Hennenberg, die gewissermaßen das Areal zwischen Klein Henstedt und Simmerhausen unter sich aufgeteilt haben, am Mittwoch dem vielfach geäußerten Wunsch nach einer Informationsveranstaltung für Bürger nach.

Die Moderation übernahm Ekkehard Darge vom Global Player wpd, der sich in der Horstedter Schützenhalle als Meister der Deeskalation entpuppte. Den rund 80 Zuhörern, darunter 20 Mitstreiter der neu gegründeten Bürgerinitiative „Mensch vor Windkraft“, lag keineswegs daran, „gut Wetter“ zu machen, sondern sie wollten schon ihre erheblichen Bedenken gegen den Mammut-Windpark zum Ausdruck bringen und diskutieren.

„Mir ist es wichtig, dass wir ordentlich und respektvoll miteinander umgehen. Es macht keinen Spaß, hier vorn zu stehen und angeschnauzt zu werden“, nahm Darge den Kritikern gleich „Wind aus den Segeln“. Der Projektleiter wartete durchaus nicht nur mit Hiobsbotschaften aus Sicht der Windkraftgegner auf. Er sicherte zu, die Naturdenkmäler in der Henstedter Heide würden einschließlich eines 100 Meter breiten Puffers von WEA freigehalten. „Sie sehen anhand des Lageplans auch, dass wir die Mühlen nicht überall auf die ,äußersten Kanten‘ stellen, sondern sie immer ein bisschen ,einrücken‘, um den Außenbereich freizuhalten. Das war ein Wunsch

Entgegenkommen bei

Abständen zu Häusern

der Politik“, erläuterte Darge. Er sicherte außerdem zu: „Wir werden mindestens 600 Meter Abstand zu den Wohnhäusern einhalten.“ 500 Meter gebe die Samtgemeinde Harpstedt im Rahmen des 16. Flächennutzungsplanänderungsverfahrens vor.

Warum so hohe Anlagen? Dafür lieferte Darge eine plausible Erklärung: „Wegen des vorhandenen Baumbestandes haben wir keine plane Fläche, die ganz frei – wie an der Küste – angeströmt werden kann. Die Bäume wirken wie Hindernisse. Sie erzeugen bis hinauf zum Zwei- bis Dreifachen ihrer eigenen Höhe Turbulenzen. Noch in 60 bis 90 Metern über Gelände hat der Wind wenig Kraft und kann Rotorblätter dort nicht so stark antreiben. Der Leistungs- und Effizienzunterschied zwischen einer 150 und einer 200 Meter hohen Anlage macht fast ein Drittel aus.“

Gutachten zu Schall und Schattenwurf werden im kommenden Bauleitverfahren zu erstellen sein. Gleichwohl stellte Darge hierzu bereits Ergebnisse wpd-eigener Berechnungen vor. 45 Dezibel (dB) dürfen nachts bei den Wohnhäusern laut TA Lärm ankommen, tagsüber bis zu 20 dB mehr. Die „Mühlen“ selbst sind sehr viel lauter. Bei der Vestas V126 lägen die Emissionen „etwas über dem Maschinenhaus“ bei rund 105 dB, so Darge. „Wir werden die Anlagen teilweise drosseln, um die Richtwerte einzuhalten. Dann liegen wir bei 101 dB.“ Wie die Einhaltung überprüft werde, hinterfragte eine Zuhörerin. „Wir müssen das im Genehmigungsverfahren nachweisen. Hier im Landkreis sind

Am Infraschall

scheiden sich die Geister

anschließende Messungen üblich“, erwiderte der Projektleiter. „Einmalig. An einem windstarken Tag“, ergänzte Arnika Wülfrath (Volkswind). Die Schweinsheide liegt den Berechnungen zufolge deutlich außerhalb der 45dB-Linie. Enger wird‘s dagegen nach Simmerhausen/Blocksberg hin.

Ortschaften wie Klein Henstedt werden mit jährlich bis zu acht Stunden Schattenwurf leben müssen. Um den Richtwert dort wie auch anderenorts einhalten zu können, bedarf es zeitweise der Abschaltung von WEA, die jeweils mit einem Sonnenmessgerät ausgestattet sein werden. In Zeiten, in denen eine „Mühle“ zu viel Schatten wirft, schaltet sie automatisch ab.

Die Bürger sahen einige Punkte nicht hinreichend berücksichtigt, etwa den Infraschall sowie den kumulativen Effekt, der sich aus der Summe der vielen emittierenden Anlagen ergibt. Hierzu bedürfte es nach Ansicht von Rudi Geisler eines Gutachtens. In der selbst unter Experten nach wie vor sehr umstrittenen Frage, ob Infraschall gesundheitsgefährdend ist, kamen Projektleiter und Zuhörer nicht auf einen Nenner. In üblichen Schallgutachten findet dieser Aspekt keine Berücksichtigung.

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