Was wird aus dem „seniorengerechten Wohnen am Steinbachweg“? / Neuer Investor wünscht Überarbeitung des B-Plans

Vorhaben beinhaltet nun auch ein barrierefreies Sechsfamilienhaus

Barrierefrei ist hier nicht einmal der Baugrund. Eigentlich sollten am Steinbachweg längst Häuser für Senioren der Generation „60plus“ stehen. Das ambitionierte Vorhaben hat sich zerschlagen. Wenn es noch zu einer barrierefreien Wohnbebauung kommen soll, müsste der B-Plan wohl an die Vorstellungen des jetzigen Investors angepasst werden. Foto: Bohlken

Harpstedt - Eigentlich hätten zwischen Steinbach und Steinbachweg in Harpstedt längst barrierefreie Einzel- und Doppelhäuser für Senioren der Generation „60plus“ stehen sollen. Die Bauleitplanung, die der Flecken vor Jahren auf den Weg und zum Abschluss brachte, ebnete für eine solche Bebauung den Boden. Doch es kam alles ganz anders: Heinz Wittgräfe, der Urheber des Vorhabens, veräußerte die Baufläche. Und nach einer Firmeninsolvenz des Käufers war das Projekt erst einmal gestorben.

Schon seit 2017 gehört das Areal nun „Ranke Bau“, genauer gesagt: der RDK (Ranke-Diekhaus-Keller) Grundstücks- und Erschließungs-GmbH & Co. KG mit Sitz an der Stettiner Straße 2 in Harpstedt. Das Unternehmen möchte weiterhin am Steinbachweg barrierefreie Wohnhäuser realisieren, die Zielgruppe aber nicht auf Senioren beschränken. Hält es als Rechtsnachfolger die geltenden Vorgaben des Bebauungsplans Nr. 50 sowie des dazugehörigen Vorhaben- und Erschließungsplans (VEP) ein, besteht im Grundsatz ein Anspruch auf die Erteilung benötigter Baugenehmigungen. Aber genau da liegt der Hase im Pfeffer.

Die Vorgaben „passen“ nämlich teilweise nicht mehr zum Vorhaben. So sah der VEP, weil ja ursprünglich reine „Seniorenhäuser“ geplant waren, lediglich einen Stellplatz pro Wohneinheit vor. Für das aktuelle Wohnbauprojekt der RDK Grundstücks- und Erschließungs-GmbH & Co. KG reicht das aber nicht aus. Bliebe es bei der geringen Stellflächenzahl, könnten, so fürchtet das Unternehmen, Parkprobleme die Folge sein - außerhalb des Plangebietes, insbesondere auf dem Steinbachweg.

Hinzu kommt: Die Art der gewünschten Bebauung hat sich teilweise geändert und steht daher nicht mehr völlig im Einklang mit den bauleitplanerischen Festsetzungen.

Investor will B-Plan überarbeitet haben

Die RDK hat daher eine Überarbeitung des B-Plans beantragt. Damit befasst sich am kommenden Montag, 4. März, der Umwelt- und Planungsausschuss des Fleckens während seiner um 19 Uhr im Harpstedter Hotel „Zur Wasserburg“ beginnenden - öffentlichen - Sitzung.

Im Großen und Ganzen will der Antragsteller an den bisherigen Festsetzungen des B-Plans festhalten, so etwa am Maß der zulässigen Versiegelung.

Einige - durchaus nicht ganz unwesentliche - Änderungen schweben der RDK aber doch vor. Im tiefer liegenden nordwestlichen Bereich des Grundstücks hätte sie gern die Voraussetzungen für die Errichtung eines barrierefreien Mehrfamilienhauses mit sechs Wohnungen und zwölf Stellplätzen geschaffen. Die Firsthöhe kann dort nach den Vorstellungen des Unternehmens bei maximal acht Metern bleiben; aber die Traufhöhe möge, so eine Forderung, auf höchstens sechs (bislang vier) Meter festgesetzt werden, um zwei Geschosse  realisieren zu können.

„Unmittelbar westlich an das Plangebiet angrenzend befindet sich bereits ein zweigeschossiges Gebäude mit mehreren Wohneinheiten, sodass sich hier ein Mehrfamilienhaus einfügen dürfte“, urteilt die Gemeindeverwaltung in ihrer Beratungsvorlage für den Umwelt- und Planungsausschuss. Für die übrigen Bereiche des Plangebietes wolle die RDK die Anzahl der zulässigen Wohneinheiten nicht verändert haben.

Zunächst hatte das Unternehmen nur kleinere Wohnhäuser angestrebt. Dass nun auch ein größerer Baukörper angedacht ist, hängt dem Vernehmen nach mit dem schwierigen Baugrund und Wirtschaftlichkeitserwägungen zusammen.

Pickepackevolle Tagesordnung

Die Übernahme der anfallenden Planungskosten hat die RDK dem Flecken zugesichert. Die „innere Erschließung“ des Plangebietes müsste nach Ansicht der Gemeindeverwaltung „weiterhin ausschließlich beim Vorhabenträger“ verbleiben. Will heißen: Eine Privatstraße wäre zu bauen. Die B-Plan-Änderung würde der „Innenentwicklung“ dienen. Die Verwaltung empfiehlt daher, sie gemäß §13a des Baugesetzbuches im „beschleunigten Verfahren“ zu erwirken.

In der kommenden Fachausschusssitzung wird die RDK ihre konkreten Absichten näher erläutern.

Der Abend könnte sehr lang werden, zumal das Gremium auch über die Erweiterungs- und Umsiedelungswünsche der Harpstedter Einkaufsmärkte berät - und damit bekanntermaßen über ein „heißes Eisen“, das viele Bürger beschäftigt und bewegt. Wie berichtet, wollen Aldi und Inkoop an die Wildeshauser Straße. Ob es bei der Absicht von Netto bleibt, an den bisherigen Inkoop-Standort am Junkernkamp zu wechseln, ist indes unklar.

Die Tagesordnung sieht sogar noch weitere Punkte vor: Eine Maßnahme zur Blühstreifen-Anlegung wird vorgestellt. Im Zusammenhang mit der Fortschreibung des Kompensationsflächenpools des Fleckens geht es um etwaige geeignete Flächen und Maßnahmen. Ein Antrag der Grünen, der freiwillige Ausgleichsmaßnahmen für den B-Plan „Am Großen Wege IV“ (Nr. 55) zum Ziel hat, will beraten werden. Und auch „Hundetoiletten“ sind ein Thema. Ob das alles überhaupt in eine einzige Sitzung „passt“ oder Punkte vertagt werden müssen, wird sich am Montag zeigen.  boh

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