UMFRAGE Wie verändert Corona das eigene Leben? / „Es ist alles so beängstigend“

Von Vorsicht und Verunsicherung

Die Frage nach der Veränderung ihres Lebensstils in der Pandemie stellte unsere Zeitung Andreas Reuter, Boris Rubio, Dieter und Ilona Gründer (oben, v.l.) sowie Klaus Hemmerling, Maria Pavlova und Heidrun Elfers (unten, v.l.).
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Die Frage nach der Veränderung ihres Lebensstils in der Pandemie stellte unsere Zeitung Andreas Reuter, Boris Rubio, Dieter und Ilona Gründer (oben, v.l.) sowie Klaus Hemmerling, Maria Pavlova und Heidrun Elfers (unten, v.l.).

Harpstedt – Wer hätte vor vier Wochen daran geglaubt, dass die Anzahl der Menschen, die sich bundesweit täglich mit dem Coronavirus anstecken, bei über 11 000 liegen würde? Inzwischen hat im Kreis Oldenburg die Inzidenz den kritischen Wert von 50 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen weit überschritten, was eine Verschärfung der Infektionsschutzmaßnahmen in diesem „Risikogebiet“ erklärt. Wie reagieren die Menschen in der Samtgemeinde Harpstedt auf diese Entwicklung? Welchen Einfluss haben Vorgaben und Nachrichten auf ihr Verhalten?

Wir haben am Samstagvormittag auf dem Parkplatz vor dem Harpstedter Inkoop-Markt nachgefragt. Repräsentativ ist das eingeholte Meinungsbild schon wegen der geringen Anzahl der Befragten natürlich nicht. Hinzu kommt: Die Generation U 30, der oft vorgeworfen wird, sie verschärfe die Pandemielage durch Partys ohne Rücksicht auf das Infektionsgeschehen, war gar nicht anzutreffen. Auf dem Parkplatz herrschte an dem Vormittag gleichwohl ganz schön Betrieb.

Doch dieser Umstand ließ keineswegs die Schlussfolgerung zu, die Harpstedter nähmen es mit den AHA-Regeln nicht so genau. Klaus Hemmerling wollte, nachdem er seine Einkäufe verstaut hatte, gerade die Heckklappe seines Autos schließen. „Die ganze Corona-Sache hat mich hart getroffen. Wir müssen vernünftig bleiben“, meinte der Rentner aus Dünsen. Während er antwortete, behielt er seinen Mund-Nasen-Schutz aus Stoff im Gesicht. „Ich schränke meine Besuche bei Freunden und Familienmitgliedern stark ein. Wir haben einen wunderschönen Garten, in dem wir uns jetzt mehr aufhalten“, verriet der 77-Jährige. Ihm schien es ein Bedürfnis zu sein, über seine persönlichen Eindrücke zu reden. Als unsere Zeitung ihn für die Umfrage fotografieren wollte, erkundigte er sich sogar, ob es in Ordnung gehe, die Maske für das Bild abzunehmen.

Andreas Reuter bestand indes dagegen darauf, sich mit Mund-Nasen-Schutz ablichten zu lassen. „Ich bin für das Tragen der Maske. Warum soll ich sie jetzt abnehmen?“, so der 57-Jährige. Derzeit pendelt er privat ständig zwischen Dünsen und Wildeshausen. „Ich selber verzichte auf Feiern und unnötige Kontakte. Aber ich verstehe auch die jüngeren Leute, die gerne mal Party machen wollen, zumal ein Ende noch lange nicht in Sicht ist“, meinte er.

„Ich muss manchmal auf meine Tochter einwirken“, gab Heidrun Elfers aus Klein Köhren zu. Die 17-Jährige freue sich, dass sie nun, nach den Herbstferien, wieder zur Schule gehen könne. „Eigentlich besteht das Leben derzeit nur aus Einkaufen und Arbeiten“, bedauert ihre Mutter (55). Extreme Vorsicht lässt nach eigenem Bekunden Boris Rubio aus Harpstedt walten. „Ich habe ein Kind zu Hause, das erst fünf Monate alt ist. Da muss ich sehr aufpassen, dass ich mich nicht anstecke“, sagte der junge Familienvater. Seine Überzeugung: „Würden alle Masken tragen, wären wir schneller damit durch.“

Ilona Gründer wollte gemeinsam mit ihrem Mann Dieter noch einige Besorgungen erledigen, als unsere Zeitung sie ansprach. „Ich bin sonst Optimistin, aber Corona wird uns noch lange beschäftigen“, prophezeite sie. „Wir haben alle Feiern abgesagt und gehen auch nirgendwo mehr hin zum Feiern. Ich habe meiner Tochter gesagt, sie könne mal zum 70. Geburtstag wieder nachfragen“, berichtete die Rentnerin. Das wäre allerdings erst in drei Jahren. „Es ist alles so beängstigend“, stellte sie sich vor, wie schlimm es für einen schwer Erkrankten wäre, womöglich allein auf der Intensivstation sterben zu müssen.

Genau in dieser Angst sieht Maria Pavlova aus Harpstedt ein Problem. „Ich möchte keine Zahlen zu Neuinfektionen haben. Mich interessieren die Statistiken zu den Krankenhausbelegungen und Auslastungen der Intensivstationen“, differenzierte die 40-Jährige. „Ich denke, dass Masken und Hygieneregeln nützlich sind, aber die Menschen sollten nicht verängstigt werden“, ergänzte die Wissenschaftlerin, die als Psychologin an der Universität Vechta arbeitet.

Von Holger Rinne

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