Rektorin Etta Mörking: Unterrichtsversorgung ist gut / Neue Stelle „für besondere Tätigkeiten“

Von langer Durststrecke zu neuer Normalität

Hatte reichlich zu berichten: Oberschulleiterin Etta Mörking.
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Hatte reichlich zu berichten: Oberschulleiterin Etta Mörking.

Harpstedt – Die Oberschule Harpstedt sei mit aktuell 259 Schülern sehr klein geworden, gestand Rektorin Etta Mörking am Donnerstagabend im Schul- und Sozialausschuss. Die Unterrichtsversorgung sei indes gut – und die Zahl der Lehrkräfte ausreichend. Die Schulleiterin erwähnte drei Neuzugänge im Kollegium. Zur Sprache kam ebenso die geglückte Wiederbesetzung der FSJ’ler-Stelle nach einer Initiativbewerbung: Den Freiwilligendienstleistenden Saif Eddin Jarjir „kennen wir als ehemaligen Schüler“, sagte Mörking. Schon seit einem Jahr als Schulassistent tätig sei indes Ersin Baz: „Wir sind froh, dass diese Stelle besetzt ist. Wir teilen sie uns mit der Wilhelm-von-der-Heyde-Oberschule in Delmenhorst.“

Die Rektorin streifte außerdem eine neu hinzugekommene und ausgeschriebene A13-Funktionsstelle „für besondere Tätigkeiten“, etwa für administrative Aufgaben im Bereich der Stunden- und Vertretungsplanung oder auch im Zusammenhang mit dem Zeugnisprogramm „Lernentwicklungsberichte online“. Eine solche zusätzliche Unterstützung sei wichtig. Insbesondere die fortschreitende Digitalisierung bringe einen Heidenaufwand an Arbeit mit sich.

„Der Lockdown kam für uns genauso überraschend wie für Sie“, leitete Mörking zur Coronakrise über. „Wir stellten fest, dass da zunächst ein enormes Arbeitsaufkommen auf uns zukam, vor allem in der Verwaltung und in der Schulleitung.“ Erlasse, die freitags gekommen seien, hätten teilweise schon am Montag darauf umgesetzt sein müssen.

IServ „gewinnbringend für alle Seiten“

Während der Zeit der Schulschließungen habe das Halten von Kontakt mit den Schülern im Großen und Ganzen wunderbar funktioniert. Der netzwerktaugliche Schulserver IServ habe sich „für alle Seiten“ als gewinnbringend erwiesen, habe Videochats ermöglicht, das Lernen zu Hause sehr erleichtert und obendrein bei der Weitergabe von Elterninformationen wertvolle Dienste geleistet.

Mit kreativen Ideen sei versucht worden, „das Schulleben hinter dem Lernen“ hochzuhalten und ein gewisses Maß an Zusammenhalt zu bewahren. Exemplarisch nannte die Rektorin den Austausch mit dem Collège St. Michel in Loué. Der war, obgleich die persönliche Begegnung pandemiebedingt ins Wasser fiel, etwa über Videobotschaften mithilfe der neuen Medien und des Internets fortgeführt und unter anderem mit einem originellen Fotowettbewerb bereichert worden.

Die Notbetreuung sei tatsächlich erst ab Ende April genutzt worden, „als die Schulen langsam wieder geöffnet wurden“; nur sehr vereinzelt hätten Eltern sie für ihre Kinder („eine Handvoll Schüler“) in Anspruch genommen.

Die Eltern- und die Schülerschaft hätten Verständnis für die Ausnahmesituation gezeigt. „Es war natürlich eine lange Durststrecke“, räumte Mörking ein. Gerade die jüngeren Jugendlichen hätten über den Klassenrat per Videochat, der unter anderem von der Sozialpädagogin Lena Fösten-Kramer gestützt worden sei, sehr gut Kontakt halten können. Die Schulsozialarbeiterin habe im Lockdown eine extreme Arbeitsbelastung bewältigen müssen. Sie habe den Draht zur Schülerschaft kurz gehalten. In Einzelfällen sei sie nach Absprache mit den Lehrkräften zu Eltern gefahren, um sich ein Bild von der häuslichen Situation zu machen und zu schauen, „wie man die betreffenden Schüler unterstützen kann“. Einige Unruhe habe im Abschlussjahrgang der Umstand verursacht, „dass wir lange keine Aussage darüber treffen konnten, wie die Schulabgänger verabschiedet werden“. Das sei schon etwas unbefriedigend gewesen. Mörking: „Am Ende konnten wir aber allen Abgängern die Abschlusszeugnisse persönlich überreichen.“ Auch die Eltern hätten an der klassenweise erfolgten Verabschiedung teilnehmen können.

Die Rückkehr zum (eingeschränkten) Regelbetrieb mit „Kohorten“-Bildung, vorgegebenen Laufwegen, Maskenpflicht im Schulgebäude (nicht im Unterricht) und dergleichen habe sehr gut geklappt. „Das Lehrerzimmer haben wir aufgeteilt, damit auch das Kollegium Abstand halten kann“, erläuterte die Rektorin. Sie beschrieb die Rückkehr von Normalität: Das Lehrerkollegium habe schon wieder getagt. Erste Elternabende mit Wahl der Elternvertreter fänden statt. „Sitzungen, die nötig sind, dürfen wir durchführen“, erläuterte Mörking. Erwähnung in ihrem Bericht fand ebenso der inzwischen wieder geöffnete Schulkiosk.

Dank an Betriebe für Praktikumsplätze

Was die Berufsorientierung angehe, so habe sich eine verschwindend geringe Zahl von Schülern neue Praktikumsplätze suchen müssen, weil Corona sie der Chance beraubte, pflegerische oder medizinische Arbeitsfelder kennenzulernen. Ein ausdrückliches Dankeschön richtete die Rektorin an Betriebe in der Region für die Bereitschaft, Schülerinnen und Schüler unter Corona-Auflagen aufzunehmen und zu betreuen.

Mit Blick auf den Digitalpakt und angeschaffte iPads für zwei Klassen dankte die Rektorin der Samtgemeindeverwaltung für die gute Zusammenarbeit. „Wichtig ist für uns nun der Wlan-Ausbau“, bekräftigte sie.

„Uns bewegt natürlich auch der aktuelle Umbau des Naturwissenschaftstraktes“, fuhr Mörking fort. „Das läuft ganz gut und stört die Abläufe insgesamt nur wenig. Allerdings können wir die Werkräume und die Schulküche derzeit nicht nutzen, weil Wasserleitungen gezogen werden müssen und dergleichen.“

Ob es Schüler gegeben habe, die während des Lockdowns mangels PC oder Tablet nicht mit IServ arbeiten konnten, hinterfragte Saskia Kamp (SPD). Nur sehr wenige, vielleicht zwei oder drei, erwiderte Mörking; die Betreffenden seien von den Klassenlehrkräften mit den jeweiligen Materialien versorgt worden.

„Im Moment sind alle Kollegen am Start“, beantwortete die Schulleiterin eine weitere Nachfrage Kamps. Vor den Sommerferien hätten indes einige Lehrkräfte von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, in der Schule nicht zu unterrichten, weil sie zur Corona-Risikogruppe gehören.

Ob hinsichtlich Versetzung und Schulabschluss „ein Auge zugedrückt“ worden sei, hinterfragte Horst Hackfeld (HBL). Das sei definitiv nicht so gewesen, versicherte Mörking. Allerdings habe es für den Abschlussjahrgang so noch nie gekannte Besonderheiten gegeben, beispielsweise ausschließlich Hauptfachunterricht ab Ende April zwecks gezielter Unterstützung in den Prüfungsfächern. Mörking: „Die Prüfungen selbst sind aber ganz normal abgelaufen. Das Einzige, was gemäß Erlass freigestellt wurde, war die mündliche Prüfung in einem Nebenfach.“

Nach der Entwicklung der Schülerzahl erkundigte sich Michael Witte (CDU). „Als ich an die Oberschule gekommen bin, lag sie um 380, also deutlich höher als jetzt“, erläuterte Mörking. Was getan werden könne, um „den Trend umzudrehen“, hakte Witte nach. „Wir müssen unsere Arbeit nach außen tragen“, antwortete Mörking. Und: Der Digitalisierung komme sicher eine große Bedeutung zu. Vielen Eltern sei es schon wichtig, dass Schule mit digitalen Medien arbeite. Dass die Schullaufbahnentscheidung vom Elternwillen abhängt und die Möglichkeiten, darauf Einfluss zu nehmen, sehr begrenzt sind, verhehlte Mörking nicht.

Von Jürgen Bohlken

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