Ergebnis jagdlichen Treibens?

Kirchseelte: Vier tote Füchse geben Rätsel auf

Ist die dunkle Stelle im Fell wirklich ein Einschussloch? Großkalibrige Munition hätte erheblich mehr Körperschaden angerichtet. Also vielleicht Schrot? (Bild bitte durch Anklicken unten rechts ganz öffnen.)
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Ist die dunkle Stelle im Fell wirklich ein Einschussloch? Großkalibrige Munition hätte erheblich mehr Körperschaden angerichtet. Also vielleicht Schrot? (Bild bitte durch Anklicken unten rechts ganz öffnen).

Kirchseelte – Diesen Anblick hätte Gaby Thunack ihrem Sohn gern erspart: Gleich vier tote Füchse lagen am Rand der Sandkuhle im Bereich Groß-Ippener-Weg/Am Buchholz in Kirchseelte. Smartphone-Fotos dokumentieren den Kadaver-Fund. Die 53-Jährige vermutet, dass Jäger die Tiere erlegt haben, kann das aber nicht beweisen. Die Fuchsjagd hält sie generell für fragwürdig.

Die Kirchseelterin spaziert mit ihrem elfjährigen Sohn und ihrem Hund oft durch die Natur. So auch am 11. März. An jenem Donnerstag fiel ihr zunächst der „an vielen Stellen durchtrennte Zaun bei der Sandgrube“ auf. Ein besonders großes Loch erblickten Mutter und Sohn auf Höhe zweier Hochsitze. Dort habe der Junge mal vom aufgeschütteten Wall in die Grube schauen wollen, erzählt die 53-Jährige. Er habe dann die vier toten Füchse entdeckt. Das Bild brannte sich auch bei seiner Mutter ins Gedächtnis: Die Tiere seien „einfach achtlos weggeworfen worden – wie alte Autoreifen“, beschreibt sie ihren Eindruck.

Dort ist ein tiefes Loch und die Haut durchtrennt.“

Gaby Thunack

Inzwischen hat sie sich die Kadaver ein zweites Mal angeschaut, diesmal etwas genauer, und wiederum Fotos gemacht. Sie ist sich einigermaßen sicher, Schussverletzungen dokumentiert zu haben. Ein Foto zeigt sehr deutlich eine schwarze Stelle im Fell: „Dort ist ein tiefes Loch und die Haut durchtrennt“, berichtet Gaby Thunack. Jens Witte, Obmann für Öffentlichkeit, Natur- und Umweltschutz im Hegering Harpstedt, hegt nach einer Begutachtung eben dieses Bildes starke Zweifel: Großkalibrige Munition hätte, so sagt er, weit mehr Körperschaden angerichtet. Und Schrot? Das sei anhand des Fotos nicht zweifelsfrei feststellbar.

Dass die Staupe die Füchse dahingerafft haben könnte, glaubt Witte allerdings auch wieder nicht; das Verenden von gleich vier Tieren an einer Krankheit auf so engem Raum wäre höchst unwahrscheinlich. Natürliche Feinde? Die haben Füchse kaum. In der Nahrungskette stehen sie weit oben.

Kein geschossenes Tier darf offen liegen bleiben.“

Jäger Günter Rohlfs

Gaby Thunack lässt sich nicht abbringen von ihrem Verdacht, wonach Jäger die Tiere zur Strecke gebracht haben. „Mit Hege und Pflege hat das aber für mich nichts zu tun. Ich konnte meinem Kind auch nicht erklären, warum Menschen mit Mitgeschöpfen so umgehen. Schlimm genug, wenn der Fuchs keine Lobby besitzt. Aber so entsorgt zu werden, hat kein Lebewesen verdient“, macht die Kirchseelterin ihrem Unmut Luft. „Ein waidmännischer Luderplatz wird anders angelegt, und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Betreiber der Sandgrube damit einverstanden sind. Immerhin ist der Zaun an vielen Stellen repariert und das Betreten untersagt“, fügt sie hinzu.

Klar ist: Sollten die Füchse bejagt worden sein, wäre es geboten gewesen, sie wenigstens zu vergraben. „Mindestens 60 Zentimeter tief. Kein geschossenes Tier darf offen liegen bleiben“, äußerte sich Günter Rohlfs aus Harpstedt, selbst passionierter Waidmann, auf Nachfrage unserer Zeitung. „Kein vernünftiger Mensch“ lasse erlegtes Wild offen liegen, pflichtete Jens Witte bei. Zwar entspreche es schon dem waidmännischen Verständnis, das, was von den Tieren nicht verwertet werde, der Natur zurückzugeben, aber zur Achtung vor der Kreatur gehöre eben zumindest das Verscharren.

Unerwartete Retourkutsche

Unsere Zeitung hat die Fotos und Gaby Thunacks Schilderungen auch der Kreisverwaltung gemailt. Vom Amt für Naturschutz und Landschaftspflege kam eine gänzlich unerwartete Reaktion. Die Behörde rügte ausdrücklich das Verhalten der Kirchseelter Mutter: Das Herumklettern ihres Sohns auf dem Wall sei lebensgefährlich gewesen, „weil die Sandaufschüttungen ins Rutschen kommen können und man im Übrigen nicht weiß, wie steil und tief es hinter dem Wall abfällt“. Der Zaun habe durchaus seine Berechtigung und solle auch vor Unfällen schützen. Gerade Kinder hätten in einer Abbaustätte „nichts zu suchen“.

Kein schönes Bild: drei der insgesamt vier verendeten Füchse (Bild bitte durch Anklicken unten rechts ganz öffnen).

Es habe sich um einen kleinen Erdwall deutlich vor der Sandgrube gehandelt, erwiderte Gaby Thunack. Da habe keine Gefahr bestanden.

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