Orkan „Sebastian“ – und die Folgen für die Maisernte

„Das wird für uns eine regelrechte Materialschlacht“

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Das Orkantief „Sebastian“ hat auf diesem Maisacker von Hans-Hermann Lehmkuhl „ganze Arbeit“ geleistet.

Klein Henstedt/Landkreis Oldenburg - Von Jürgen Bohlken. An der Küste wütete „Sebastian“ zwar mit Windstärken bis zu 130 km/h deutlich stärker als im Binnenland. Aber auch im Landkreis Oldenburg lassen sich die Schäden, die das Orkantief vor gut einer Woche angerichtet hat, nicht übersehen. Das gilt insbesondere für die Maisäcker.

Zu den Geschädigten gehört Landwirt Hans-Hermann Lehmkuhl aus Klein Henstedt. Am Ortseingang gegenüber dem Henstedter Damm etwa liegt ein erheblicher Teil seiner Maispflanzen flach. „Leider zwei Wochen zu früh“, seufzt der Landwirt, auch Bürgermeister der Gemeinde Prinzhöfte. In 14 Tagen wäre sein Energiemais erntereif gewesen.

Auffällig: Die einzelnen Maisäcker sind ganz unterschiedlich stark betroffen. Mal lassen sich so gut wie keine Sturmschäden erkennen; an anderer Stelle, so etwa in Haidhäuser, hat „Sebastian“ indes wohl ungefähr die Hälfte der Pflanzen auf einem Feld „umgeweht“. Das lässt vermuten, einige Züchtungen seien weniger sturmempfindlich als andere. Auf Lehmkuhls Äcker wächst eine relativ groß werdende Züchtung mit weit oben liegenden Kolbenansätzen. Die knicke offenbar leichter um – wegen des hohen Schwerpunkts, so Lehmkuhl. Er hat schon einen regelrecht „zweigeteilten“ Acker gesehen: „Auf der einen Seite lag alles am Boden, auf der anderen Seite fast nichts.“ Das habe offenkundig an den unterschiedlichen Sorten gelegen.

„Das muss mit der Düngung zu tun haben“

Lohnunternehmer Wilhelm Soller aus Groß Hollwedel bezweifelt diese Theorie: „In Seckenhausen blieb genau die Sorte, die in Wildeshausen ,über Kopf gegangen’ ist, stehen. Andererseits lag im Raum Stuhr die Sorte am Boden, die in Bühren den Sturm schadlos überstanden hat.“ Was auffalle: Der Mais liege oftmals keineswegs komplett flach; die Stellen, wo das der Fall sei, muteten zufällig angeordnet an. Nicht nur die augenscheinlich windanfälligen Ränder seien betroffen.

Sollers Erklärung: „Das muss mit der Düngung zu tun haben.“ Dort, wo stärker oder – vielleicht versehentlich – doppelt gedüngt worden sei, wachse der Mais schneller. Die hohen Pflanzen seien dann eben auch windempfindlicher. Die Aussaatstärke spiele vermutlich ebenfalls eine Rolle: „Stehen vergleichsweise viele Maispflanzen auf einem Quadratmeter, treibt sich der Mais hoch. Das geht zulasten der Stabilität. Die Pflanze wird ,schlotteriger'.“

Teure Standzeiten und hohe Reparaturkosten

Von seinen rund 50 Hektar Mais sei wohl mehr als die Hälfte umgeknickt, schätzt Hans-Hermann Lehmkuhl. „In diesem Ausmaß“ habe er sturmbedingte Ernteschäden jedenfalls noch nicht erlebt.

Da geht es ihm wie Wilhelm Soller. Das Einfahren der teilweise „horizontalen“ Ernte dauere länger als im Normalfall, sei umständlich, verursache unproduktive Standzeiten und Maschinenschäden. „Das wird für uns Lohnunternehmen eine regelrechte Materialschlacht und eine ganz schwere Maissaison“, ahnt Soller. Standzeiten und Reparaturkosten drohten den Gewinn aufzufressen. Soller spricht aus Erfahrung: Am Mittwoch sei er in Ristedt gewesen. Dort habe ein Landwirt zwei bis drei Hektar Mais gehäckselt haben wollen, die er als Futtermais benötige, weil die Bestände aus 2016 nahezu aufgebraucht seien. „Wir mussten rückwärts aus der Fläche heraus fahren, weil uns in dem Lagermais der Häcksler kaputtgegangen war. Einzugswelle abgedreht! Das sind mal eben rund 2000 Euro Schaden“, seufzt Soller. Die Ursache für die Misere: „Für den Häcksler ist es unheimlich schwer, den am Boden liegenden Mais herauszuziehen.“

Die Landwirte bekommen Ernteschäden zumindest zum Teil von der Versicherung erstattet. Allerdings sei nicht jeder Betroffene gegen Sturm versichert, weiß Hans-Hermann Lehmkuhl. Als Konsequenz aus den diesjährigen Erfahrungen will er sich im kommenden Jahr bei der Aussaat für eine andere Maissorte entscheiden.

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