Für so viele Asylbewerber wie möglich sind weiterhin dezentrale Lösungen angestrebt

Samtgemeinde braucht mittelfristig eine Sammelunterkunft für Flüchtlinge

Harpstedt - Noch in diesem Jahr oder „erst“ 2016 wird die Samtgemeinde Harpstedt eine Not- oder Sammelunterkunft für Flüchtlinge brauchen. „Dezentral“ geht nicht mehr allzu viel, machte Verwaltungschef Herwig Wöbse gestern während eines Pressegespräches im Amtshof deutlich – nach einer Sitzung des nichtöffentlichen Samtgemeindeausschusses (SGA) vom Vortag, in der die Flüchtlingszuweisungen eingehend thematisiert worden waren. Die Aufgabe, Wohnraum zu finden, bedeute eine Herausforderung, aber noch keine Überforderung. „Einen Krisenstab brauchen wir aktuell nicht“, so Wöbse.

60 Asylbewerber hat die Samtgemeinde bislang dezentral unterbringen können. Aktuell liegt sie um zehn Personen unterm „Soll“. Die neue Quote sieht indes die Zuweisung von weiteren 69 Flüchtlingen bis Ende Januar vor. Die Samtgemeinde steht also vor der Aufgabe, in den nächsten gut vier Monaten für knapp 80 Asylbewerber Wohnraum bereitzustellen. Auf gutem Weg ist die Anmietung von vier Wohnungen mit zusammen 30 Plätzen. Bleibt unterm Strich ein Fehlbedarf für immer noch etwa 50 Personen.

Weiterhin sollen so viele Flüchtlinge wie möglich dezentral untergebracht werden. Um das hinzubekommen, macht die Kommune notgedrungen „Abstriche“ hinsichtlich der Wohnlage. Den Flüchtlingen mutet sie künftig gegebenenfalls auch weitere Wege zu Bushaltestellen, Amtshof, Einkaufsmärkten und Ärzten zu.

Die Bereitschaft, Wohnraum gegen Miete zur Verfügung zu stellen, sei gestiegen, glaubt Wöbse. Direkte Kontakte zu den Flüchtlingen im nachbarschaftlichen Miteinander hätten dazu beigetragen, Hemmschwellen und Vorurteile abzubauen – im Interesse einer Willkommenskultur. „Wenn wir Anrufe bekommen, dann nicht, weil es Beschwerden gäbe, sondern oftmals etwa, weil Menschen wissen möchten, wie sie sich für Flüchtlinge in ihrer Nachbarschaft einsetzen können“, so der Verwaltungschef. Er sieht darin ein durchaus Mut machendes Signal, das, wie er hofft, ja vielleicht auch weitere Hauseigentümer ermuntere, Wohnraum anzubieten.

Die Samtgemeinde geht nach den Worten Wöbses bei der Suche nach Unterkünften inzwischen offensiver vor. Sie wartet nicht mehr nur auf Angebote, sondern meldet sich auch von sich aus bei Mitbürgern, bei denen sie Wohnraum-„Potenzial“ vermutet. Um die kommunalen Aufgaben mit Blick auf die Flüchtlinge schultern zu können, habe die Politik eine (weitere) personelle Verstärkung gebilligt, so der Bürgermeister. Eine Halbtagsstelle sei bereits im Sozialamt dazugekommen. Zudem würden die Aufgaben rund um die Wohnraumbeschaffung nun verwaltungsintern „auf mehrere Schultern verteilt“.

Gleichwohl sei der mittelfristige Bedarf an einer Sammelunterkunft absehbar. Wöbse verschwieg nicht, dass bereits einige Objekte im Visier sind. Welche? Das behielt er für sich. Erst, wenn ein Standort konkret sei, werde er preisgegeben. Die Samtgemeinde wolle keine Ängste schüren, die sich dann womöglich als unbegründet erwiesen. Eine Sammelunterkunft wäre nach Wöbses Einschätzung nicht nur negativ zu bewerten. Sie trüge zumindest dazu bei, den Mietmarkt nicht zu stark unter Druck zu setzen. Daraus ergäben sich zudem bessere Möglichkeiten zu delegieren und genauer hinzuschauen, bei welchen Flüchtlingen es sich empfiehlt, sie auf Dauer gemeinsam unterzubringen.

Eine federführende Koordinierungsfunktion für die Sammelunterkünfte übernimmt der Landkreis.

Von den anerkannten Asylbewerbern hätten die ersten mittlerweile eine Ausbildungsstelle oder einen Arbeitsplatz gefunden und kämen nun in „feste Strukturen“. Unternehmen stellten sich auf die Flüchtlinge ein, so Herwig Wöbse. „Die Firmen werden ja vielleicht einmal froh darüber sein, dass diese Menschen hier sind.“

boh

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