Frühzeitiges Beteiligungsverfahren

Vorentwürfe zu Einkaufsmarktvorhaben: Wie viel Erweiterung ist verträglich?

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Nicht nur innerhalb Harpstedts umsiedeln, sondern ihre Verkaufsflächen auch deutlich vergrößern wollen Aldi, Inkoop und Netto.

Harpstedt - Wenn Aldi und Inkoop innerhalb Harpstedts an die Wildeshauser Straße umsiedeln, dürfen sie an den jetzigen Standorten am Junkernkamp kein Vakuum im „Zentralen Versorgungsbereich“ (ZVB) hinterlassen. Diese Kernaussage findet sich sinngemäß im Einzelhandelsentwicklungskonzept für den Flecken wieder. Der beabsichtigte Umzug des Netto-Marktes an den Inkoop-Altstandort – mit Abriss und Neubau dort – soll das Problem lösen und ein Ausdünnen des ZVB, also des Einzelhandelskerngebiets, verhindern.

Vor diesem Hintergrund hat der Umwelt- und Planungsausschuss die Entwicklung zweier vorhabenbezogener, in enger Verbindung stehender Bebauungspläne (Sonderbauflächen für den Einzelhandel) jetzt weiter vorangetrieben. Die Vorentwürfe sollen demnächst in die frühzeitige Beteiligungsrunde gehen. Für den avisierten Marktstandort Wildeshauser Straße läuft parallel ein von der Samtgemeinde Harpstedt eingeleitetes Flächennutzungsplanänderungsverfahren.

Planerin Franziska Lüders ging am Donnerstag im Umwelt- und Planungsausschuss des Fleckens zunächst auf die Gründe für die Umzugs- und Erweiterungsabsichten ein. Die heute üblichen Lebensmittelsortimente seien breiter aufgestellt als früher; sie beinhalteten auch etwa glutenfreie, vegane oder Bio-Produkte. Zeitgemäß seien ebenso breitere Gänge.

Mit dem Aldi- und Inkoop-Neubau auf der Südseite der Wildeshauser Straße (L 338) soll eine Vergrößerung der Verkaufsfläche um etwa 1000 Quadratmeter (qm) einhergehen. Netto will sich im Zuge des Standortwechsels an den Junkernkamp um rund 500 qm vergrößern.

Die Verträglichkeit dieser Vorhaben werde begutachtet, so Lüders, und zwar auch mit Blick auf Einzelhandelsstandorte in Nachbarorten, damit „sich die Märkte nicht gegenseitig das Wasser abgraben“. Das habe allerdings nichts mit „Konkurrenzschutz“ zu tun, sondern vielmehr mit der Wahrung geordneter Versorgungsstrukturen in der Region.

Spur für Linksabbieger bleibt ein Thema

Die Frage, ob die Einkaufsmärkte in dem beabsichtigten Maße erweitern dürfen, könnte noch spannend werden, zumal ja auch die Altstandorte von Netto und Aldi generell für Einzelhandel nutzbar blieben. Aussagen aus dem Verträglichkeitsgutachten, das nach Einarbeitung redaktioneller Änderungen im Januar fertig sein soll, gab die Verwaltung noch nicht preis.

Die Bauleitplanungen für die Neuausrichtung der Märkte sind vorhabenbezogener Natur. In zu schließenden Durchführungsverträgen kann die Gemeinde Einfluss auf viele Details nehmen.

Die jetzige Inkoop-Fläche ist bereits beplant. Hier entstehe nichts gänzlich Neues, so Lüders. Netto wolle die möglichen 1300 qm Verkaufsfläche im Übrigen nicht komplett ausschöpfen.

Für den beabsichtigten Aldi/Inkoop-Neubau an der Wildeshauser Straße (L 338) müssten die auf dem 1,6 Hektar großen Areal vorhandenen Bestandsgebäude „alle entfernt werden“. Motorisiert sollen die Märkte ausschließlich von der Wildeshauser Straße zu erreichen sein. Zusätzlich vorgesehen ist ein Weg für Fußgänger und Radfahrer aus Richtung Osten (Verlängerung des Carsten-Horst-Kamps).

Einer Linksabbiegespur auf der Wildeshauser Straße bedarf es nach bisherigem Stand nicht zwingend, weil der Flecken eine Verlegung der Ortsdurchfahrtsgrenze in Richtung Westen – bis zur Höhe des Ortsschildes am Schützenplatz – erwirkt hat. Lüders: „Wir haben deswegen nur noch die Bedingungen eines innerörtlichen Verkehrs zu beurteilen.“ Will heißen: Außerorts wären die Hürden für eine Anbindung des Marktstandortes an die Landesstraße deutlich höher.

Im Falle eines Verzichts auf eine Linksabbiegespur sah Stefan Wachholder (CDU) die Gefahr, der nordseitige Seitenraum der Wildeshauser Straße könnte mit der Zeit ausgefahren werden. „Ich kann mir vorstellen, dass der eine oder andere rechts an einem wartenden Autofahrer, der nach links abbiegen will, vorbeifährt. Viel Platz ist da ja aber nicht. Und auch kein Bordstein“, gab Wachholder zu bedenken.

Das Thema Linksabbiegespur ist keineswegs bereits abgehakt. Ein gewichtiges Wort hat die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr mitzureden.

Eine Aussage im Verkehrsgutachten zum ins Auge gefassten Aldi/Inkoop-Standort, wonach die Erreichbarkeit der geplanten Märkte an der Wildeshauser Straße für Fußgänger und Radler gewährleistet sei, ließ Irene Kolb (Grüne) im Fachausschuss so nicht stehen. Der bestehende Radweg, innerorts gelegen und zu schmal für Begegnungsverkehr, entspreche sicher nicht der Straßenverkehrsordnung (StVO). Das werde die laufende landkreisseitige Radwegeüberprüfung ergeben, zeigte sich Kolb überzeugt. Und dann entfiele die Benutzungspflicht für Radler. Das würde die Ratsfrau aus Sicherheitsgründen durchaus gutheißen, denn: Die künftige Markt-Ausfahrt als Radler auf dem Radweg zu passieren, sei zu gefährlich, weil viele Autofahrer an Einmündungen eben nicht nach beiden Seiten schauten. Im Zusammenhang mit der für Kolb absehbaren Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht wäre wiederum eine Linksabbiegespur auf der Wildeshauser Straße „sehr sinnvoll“, so die Ratsfrau. Und zwar auch und gerade für die auf der Fahrbahn rechts fahrenden Radler.

Verschiedene Gutachten sind im Hinblick auf den von Inkoop und Aldi ins Auge gefassten Standort an der Wildeshauser Straße in Harpstedt bereits erstellt worden. Eins davon betrifft den Schallschutz. Danach lassen sich die Emissionsrichtwerte der TA Lärm mit einigen – durchaus umsetzbaren – Auflagen einhalten.

Geschützte Biotope befinden sich nach Angaben von Franziska Lüders vom „Plankontor Städtebau Oldenburg“ nicht im Plangebiet.

Bis zu 50 Prozent der Fläche soll das von Inkoop und Aldi angestrebte – über 100 Meter lange – Marktgebäude abdecken dürfen. Insgesamt könnte der Versiegelungsgrad wegen der zulässigen Überschreitung der Grundflächenzahl für die Nebenanlagen, darunter 176 Stellplätze an der Wildeshauser Straße, sogar auf bis zu 90 Prozent anwachsen (wie im Übrigen auch bei der Planung für den Netto-Neubau am Junkernkamp). Gleichwohl deutet sich eine Lösung für das Problem der Oberflächenentwässerung in Richtung einer gedrosselten, gepufferten Ableitung an. In diesem Zusammenhang erwähnte Lüders unter anderem die Option „unterirdischer Staukanäle“ oder Schächte. Das Entwässerungskonzept muss ein Fachplaner noch im Detail erarbeiten.

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