BUND-Hof lässt Besucher Vliese filzen

Verkauf der Wolle deckt Kosten der Schur nicht

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Die Schafe haben die Prozedur hinter sich. Die Wolle ist ab.

Klein  Henstedt - „40 Schafe haben wir in drei Stunden geschoren“, erläuterte Dr. Wulf Carius, Betriebsleiter des BUND-Hofs Wendbüdel in Klein Henstedt, am Sonnabendmittag. Das Schafschur-Fest mobilisierte trotz durchwachsenen Wetters rund 50 Interessierte, darunter auch viele Kinder.

Genauso wie die Altdeutschen Schwarzbunten Niederungsrinder gehören die Bentheimer Schafe und die Diepholzer Moorschnucken seit der Hofgründung im Jahr 2002 mit dazu. „Das machen wir nebenbei, damit es wie früher auf einem richtigen Bauernhof ist. Eigentlich bewirtschaften wir 140 Hektar Grünland und betreiben eine Biogasanlage“, sagte Carius. 

Naturschutz und Landwirtschaft keine „unversöhnlichen Gegensätze“

Mit der Art der Bewirtschaftung wolle der BUND-Hof zeigen, dass Naturschutz und Landwirtschaft keine „unversöhnlichen Gegensätze“ seien. Für die Tiere werde kein Futter und für den Ackerbau kein Dünger zugekauft – im Sinne eines vollständig geschlossenen Kreislaufs. Bei den Rindern und bei den Schafen setzt der BUND-Hof auf Muttertierhaltung. Jeweils im Herbst werden Kälber und Lämmer geschlachtet und in Form von ökologisch hergestellten Fleisch- und Wurstprodukten vermarktet.

Die Schur bei den Moorschnucken und Bentheimer Schafen „müssen wir machen; sonst kriegen sie bei der Hitze Probleme“, erklärte Carius. In den vergangenen Jahren konnte die Wolle allerdings lediglich für zehn Cent pro Kilogramm an eine Firma vermarktet werden, die aus der Wolle Teppiche herstellt. „Damit lässt die Schur bei Weitem nicht bezahlen“, bedauerte Carius. Daher ist er in diesem Jahr erstmals dazu übergegangen, die im Ganzen abgeschorenen Felle gegen einen kleinen Obolus an Interessierte abzugeben. Direkt vor Ort konnte auf das Vlies mittels einfacher Schmierseifenlauge eine „Haut“ gefilzt werden.

Halbe Stunde Filzen vor der Nutzung als Decke

„Nach dem Filzen, Auswaschen und Auskämmen ist das Fell als gemütliche Decke oder Unterlage verwendbar – für drinnen oder draußen“, zeigte sich eine Filzerin begeistert. Nike (9) und ihre Freundin Emely (11) bearbeiteten gemeinsam zwei Schaffelle, die sie mit nach Hause nehmen wollten. Ein wenig Geduld gehörte schon dazu: Rund eine halbe Stunde musste das Fell mindestens gefilzt werden.

Auch Emely (links) und Nike bearbeiteten mit Feuereifer Schaffelle.

Die Schur führte Schurmeister Holger Petzold durch. Mit dabei war neben Carius (und zwei Schäferhunden) auch sein Nachfolger, der bereits eingearbeitet wird und wohl ab November die Betriebsleitung auf dem BUND-Hof übernimmt. Wulf Carius leitet die Geschicke seit Oktober 2016 wieder vorübergehend, nachdem die Familie O’Halloran die Bewirtschaftung aufgegeben hatte.

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