„Variante IV“ erscheint verlockend günstig, findet aber im Sozialausschuss keine Mehrheit / Votum für „Zwergnase“-Anbau

Schule schließen, Krippe rein? Dazu kommt‘s wohl nicht

Harpstedt/Dünsen - Grüne, SPD und FDP-Ratsfrau Elisabeth Akkermann (FDP) haben einer Umnutzung der Grundschule Dünsen für eine zusätzliche zweigruppige Krippe – und damit der „Bauariante IV“ – eine Absage erteilt. In der CDU war das Meinungsbild im Sozialausschuss der Samtgemeinde Harpstedt am Dienstagabend hingegen gespalten: Während Hartmut Post (CDU), auch Bürgermeister der Gemeinde Dünsen, als einziges Ausschussmitglied für einen zweigruppigen Krippen-Neubau stimmte, trat Stefan Pleus klar für die Variante IV ein. Er sei schon von Mitbürgern angesprochen worden, die gesagt hätten: „Ihr investiert ja wohl nicht rund eine Million Euro, die ihr gar nicht habt!“ Pleus spielte damit auf die Aufwendungen für die teuersten der vier geprüften baulichen Alternativen an.

Ein Architekt hatte zunächst die Kosten für die bislang diskutierte Option, einen Anbau an die Harpstedter Kita „Zwergnase“, errechnet. „Die Ergebnisse waren ein bisschen ernüchternd. Es kamen höhere Summen heraus, als wir anfangs vermutet hätten“, gestand Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse.

Inzwischen sind vier Optionen durchkalkuliert worden. Allein in den Gemeinden Kirchseelte, Dünsen und Groß Ippener könnte nach Darstellung Wöbses genügend Bedarf für eine ganze Krippengruppe bestehen; für eine zweite böte sich der Flecken Harpstedt als Standort an. Die Variante I, die jeweils eingruppige Anbauten an die Kitas „Kasperburg“ (Kirchseelte) und „Zwergnase“ (Harpstedt) vorsieht, trägt diesen Bedarfen Rechnung, wird sich aber wohl angesichts eines geschätzten Investitionsaufwands von rund 1,2 Millionen Euro als „No-Go“ erweisen, wenngleich es erhebliche Zuschüsse gäbe. Im Sozialausschuss stimmte jedenfalls keiner dafür.

Zum „Schnäppchenpreis“ wären aber auch die Optionen II, ein Komplett-Neubau an einem neuen Standort (960000 Euro), und III, ein zweigruppiger Anbau an „Zwergnase“ (860000 Euro), nicht zu haben. Finanziell bequem zu wuppen wäre dagegen die Variante IV, die Umnutzung der Grundschule Dünsen für zwei Krippen-Gruppen. Sie soll für 550000 Euro zu haben sein. Für jede neue Krippengruppe erhält die Samtgemeinde 226500 Euro an Zuschüssen, also insgesamt 453000 Euro, wenn die Antragstellung bis März 2016 erfolgt (dabei sind Planunterlagen und Kostenaufstellung mit einzureichen). Bliebe folglich ein rechnerischer Eigenanteil an der Finanzierung in Höhe von 97000 Euro.

Hinzu kommt: Die Samtgemeinde würde zusätzlich rund 300000 Euro einsparen, die veranschlagt worden waren für nötige Sanierungs- und Erweiterungsmaßnahmen an der Schule in Dünsen. Das setzt allerdings die Aufgabe des Schulstandortes voraus. Und darin liegt zugleich der große Haken der Variante IV: Ein Nebeneinander von Krippe und Schule lässt der Gesetzgeber nicht zu. Die „Kröte“ der Schulschließung will die Politik nicht schlucken. Zumindest gibt es dafür augenscheinlich keine Mehrheit. Im Sozialausschuss stimmten jedenfalls „nur“ fünf Mitglieder für die Variante IV, aber sieben für die Option III, also für den „Zwergnase“-Anbau (wir berichteten gestern).

Irene Kolb (Grüne) sah in der Variante IV „die einzige mit einem Fragezeichen dahinter“. Bei den anderen Alternativen seien die Kosten recht gut zu schätzen, zumal es um Neubauten gehe. Bei Altbauten – wie der Grundschule Dünsen – sei es wegen nie ganz auszuschließender Überraschungen hinsichtlich ihres Zustands unsicher, ob die Kostenschätzungen zuträfen.

„Die künftige Zahl der Flüchtlinge kann keiner abschätzen. Im Moment müssen wir aber damit rechnen, dass es deutlich mehr werden. Dann ist ja die Frage: Was wird mit den schulpflichtigen Flüchtlingskindern? Das sollten wir im Blick behalten. Ich glaube, das ist ein Argument dafür, über den Schulstandort Dünsen nochmals nachzudenken. Vielleicht wird uns irgendwann klar, dass diese Schule in diesem Zusammenhang eine wertvolle Einrichtung ist“, meinte Götz Rohde (Grüne). Von 65 bislang untergebrachten Flüchtlingen seien zehn im Alter von null bis 18 Jahren, erwiderte Herwig Wöbse. Möglicherweise werde der Anteil der Kinder noch steigen. Es sei pro Jahrgang vielleicht mit drei bis fünf zu rechnen, nicht hingegen mit zehn oder 15. Einen nennenswerten Anstieg der Anzahl nötiger Kita-Gruppen und Schulklassen als Folge der Zuwanderung erwartet Wöbse nicht.

boh

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