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Scherben, die der Gemeinde statt Glück nur teuren Ärger bringen

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Von: Jürgen Bohlken

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Als hätte jemand darauf geschossen: Um die herbeigeführten Schadstellen in den Scheiben bilden sich Risse. Die werden wachsen und das Glas irgendwann zum Platzen bringen. Und dann bleibt Dünsens Bürgermeister Hartmut Post (im Bild) wieder nichts anderes übrig, als eine neue Scheibe einsetzen zu lassen, um die Verletzungsgefahr zu bannen.
Als hätte jemand darauf geschossen: Um die herbeigeführten Schadstellen in den Scheiben bilden sich Risse. Die werden wachsen und das Glas irgendwann zum Platzen bringen. Und dann bleibt Dünsens Bürgermeister Hartmut Post (im Bild) wieder nichts anderes übrig, als eine neue Scheibe einsetzen zu lassen, um die Verletzungsgefahr zu bannen. © Bohlken

Dünsen – Wenn Malermeister Andreas Wessel einen Anruf von Dünsens Bürgermeister Hartmut Post bekommt, kann er den Grund schon erahnen: Er soll eine neue Scheibe in ein Buswartehäuschen einsetzen, weil nicht ermittelte Täter die alte zerdeppert haben. Am 26. Januar war’s wieder so weit. Einmal mehr lag eine Seitenscheibe des Wartehäuschens der Haltestelle Rogge an der L 338 beim „Landhaus Dünsen“ in Trümmern. Auf dieses „Objekt“ haben es die Zerstörer besonders abgesehen.

Hartmut Post überwies vier Tage später 983,23 Euro an die Handwerksfirma. Als er sich vergewisserte, dass die neue Scheibe akkurat eingesetzt worden war, stieg ihm die Zornesröte ins Gesicht: Drei andere Scheiben desselben Wartehäuschens wiesen schon wieder Schäden auf. „Das sieht fast aus, als hätte jemand darauf geschossen“, dachte sich Post während der Begutachtung der – wie auch immer herbeigeführten – kleinen „Vertiefungen“.

Inzwischen bilden sich erste Risse. Die werden wachsen und das Glas irgendwann platzen lassen. Dann gibt es erneut Arbeit für Andreas Wessel – und die nächste Rechnung für die Gemeinde Dünsen. Mindestens 10. 000 Euro habe sich die Kommune die Behebung solcher Schäden bislang in Summe kosten lassen, schätzt Hartmut Post. Sämtliche Wartehäuschen zwischen Zufluchtskirche und Birkenweg seien schon betroffen gewesen. Wann diese unsägliche Serie ihren Anfang genommen habe? „Das müsste 2016 gewesen sein“, vermutet Post.

Der Bürgermeister bringt jeden Fall zur Anzeige. Und jedes Mal bekommt er mit zeitlichem Abstand eine Mitteilung der Staatsanwaltschaft, aus der hervorgeht, die Ermittlungen seien ergebnislos eingestellt worden. Gleichwohl sei es wichtig, zur Polizei zu gehen, um etwas für den Fall in der Hand zu haben, dass der oder die Täter doch mal geschnappt werden, weiß Post. Er hofft auf aufmerksame Bürger, mit deren Hilfe die Verantwortlichen vielleicht dingfest gemacht werden könnten. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Die Glas- durch Holzhäuschen zu ersetzen, hielte der Bürgermeister für keine gute Option. Graffiti-Sprayer und Wildpinkler, die meinen, die „Hütte“ als Klo zweckentfremden zu müssen, kann er vor seinem geistigen Auge schon sehen. Plexiglasscheiben wären aus Sicht des Bürgermeisters eher eine Alternative, die sich zu prüfen lohnt.

Steuerzahler zahlt für jeden Scherbenhaufen

Wenn es ganz doof liefe, bliebe irgendwann nur noch das zugige „Gerippe“ der bestehenden Wartehäuschen übrig. Der Bürgermeister schließt nicht aus, dass der Punkt kommt, an dem die Gemeinde die Seiten- und die rückwärtigen Scheiben nicht mehr ersetzt. Ihm ist durchaus klar: Die Leidtragenden wären die Fahrschüler und ÖPNV-Nutzer. Doch auf Dauer lässt es sich schwerlich rechtfertigen, einen mutwillig herbeigeführten Scherbenhaufen nach dem anderen auf Kosten des Steuerzahlers zu beseitigen. Vor diesem Hintergrund liegt es im Eigeninteresse der Einwohner, ein waches Auge auf die Wartehäuschen zu haben und auffälliges Verhalten, das auf Vandalismus hindeutet, sofort der Polizei zu melden.

Besonders teuer kommen jene Scheiben, an denen große Fahrplankästen befestigt sind. Denn dieses Glas muss mit Bohrungen versehen werden. Das verursacht zusätzliche Kosten. Hartmut Post denkt über eine Alternative nach, die er im Aufsichtsrat der Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahn GmbH zur Sprache bringen will. Ihm schwebt vor, nur noch kleine Fahrplankästen direkt an den Haltestellenschilder-Masten anbringen zu lassen.

Zerstörung in Serie – wie im Rausch

Das Vandalismusproblem trifft nicht nur Dünsen. Kirchseelte kann genauso ein Lied davon singen. Gleiches gilt für etliche andere Kommunen im Landkreis Oldenburg – und deutlich darüber hinaus. In der Wesermarsch haben „Scheibenkiller“ dieser Tage in Serie zugeschlagen und zugetreten – wie im Rausch. Das traurige Ergebnis: 27 beschädigte Wartehäuschen in Nordenham und Rodenkirchen.

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