SOMMER-SMALLTALK Monique Rothenhöfer kümmert sich um wohnungslose Menschen

Unwetter hat die Behelfsunterkunft zerstört

Manchmal muss sie sogar „Schutzengel“ sein: Monique Rothenhöfer alias „Engel Rea“.
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Manchmal muss sie sogar „Schutzengel“ sein: Monique Rothenhöfer alias „Engel Rea“.

Dünsen – Dass Monique Rothenhöfer auf Facebook unter dem Nicknamen „Engel Rea“ firmiert, passt: Die Dünsenerin kämpft an allen Fronten für Menschen und Tiere, die Unterstützung brauchen. Manchmal muss sie sogar „Schutzengel“ sein – und Wohnungslose schützen, die sie in der Samtgemeinde Harpstedt betreut. Neugierige Zeitgenossen wüssten nur zu gern deren Aufenthaltsort. „Den verrate ich aber nicht“, sagt die 47-Jährige. Im „Sommer-Smalltalk“ mit unserer Zeitung spricht sie ansonsten ganz offen über ihr bürgerschaftliches Engagement.

Frau Rothenhöfer, wie viele Wohnungslose betreuen Sie in der Samtgemeinde Harpstedt?

Zehn – sieben Männer und drei junge Frauen. Die Altersspanne ist ziemlich groß. Willi, der Älteste, wird 78. Und die Jüngste ist 34. Einmal die Woche gehe ich abends hin und schaue nach dem Rechten.

Über was reden Sie dann? Werden auch konkrete Wünsche an Sie herangetragen?

Das ist eigentlich eher umgekehrt: Die Gruppe fragt mich oft, ob sie etwas für mich tun kann – und merkt im Übrigen auch, wenn mich mal etwas bedrückt.

Gibt es Paare unter den Wohnungslosen?

Nein. Die Gruppe versteht sich als eine Familie – als Familie, die nicht mehr wachsen oder sich vergrößern will. Und obwohl es keine verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den „Familienmitgliedern“ gibt, wären in ihrem Verständnis Zuneigung, die über Freundschaft hinausgeht, und Intimität gleichzusetzen mit Inzest. Daher gilt die Regel: Verlieben sich zwei ineinander, muss sich dieses Paar wieder trennen oder aber die Gruppe verlassen! Dieses „Gesetz“ wird sehr ernst genommen. Es ist offenbar wichtig für das Zusammenleben.

Das klingt rigoros, fast unerbittlich. Auf diese Weise soll sicher auch Eifersucht vorbeugend unterbunden werden.

Ja, das spielt natürlich eine Rolle.

Von Obdachlosen zu sprechen, ist ja eigentlich nicht ganz zutreffend. Für die Gruppe gibt es nicht nur eine Duschgelegenheit. Sie hat auch ein sporadisches Dach über dem Kopf.

Inzwischen wieder, muss man sagen. Denn das Unwetter vom 13. Juni hatte den Unterstand, der den zehn Menschen Schutz und Schlafmöglichkeiten bietet, komplett zerstört. Wir mussten alles wegwerfen.

Und wo nächtigte die Gruppe dann?

In Campingzelten.

Gibt es schon einen neuen Unterstand?

Ja. Der ist zwar noch nicht komplett, sieht aber schon ganz gut aus. Neue tragende Balken und ein Dach mussten her. Da kam eine Geldspende, die eigentlich für einen Grill gedacht war, zur rechten Zeit. Die Spenderin erklärte sich, nachdem ich Rücksprache mit ihr gehalten hatte, damit einverstanden, den Betrag für die Erneuerung des Unterstands zu verwenden. Und auch die Wohnungslosen selbst, die ansonsten zwar Sachspenden, aber grundsätzlich kein Geld annehmen, haben eingewilligt. Sie hätten ja eh etwas bekommen. Nun ist es eben kein Grill geworden, sondern – was ja weit wichtiger ist – Material für die Wiederherstellung ihrer behelfsmäßigen Unterkunft. Ohne einen ortsansässigen Handwerker, der die Balken erneuerte und die Behelfsbleibe mit einem festen, regendichten Dach versah, hätte das allerdings nicht geklappt.

Und jetzt muss noch verschalt werden?

Ja, richtig. Zumindest auf einer Seite. Eine feste Wand ist in jedem Fall notwendig und auch schon zu etwa einem Drittel fertig. Sie ist unverzichtbar, damit ein nagelneues Fenster eingebaut werden kann. Dabei handelt es sich um ein Geschenk. Für dieses Fenster, ein Einzelstück, hätte sich wegen der Größe und der Abmessungen vermutlich nicht oder nur ganz schwer ein Käufer gefunden. Wenn alles fertig ist, hat die Gruppe einen soliden Unterstand – eine Art Carport. Dieses Gebäude, wenn man es denn so nennen will, darf und wird aber nicht die Gestalt eines Hauses oder einer Hütte annehmen. Die Wohnungslosen tun natürlich auch selbst etwas. Sie gehen dem Handwerker bei der Arbeit zur Hand. Und sie bekommen Material gespendet, wenn sie für andere Leute, die etwas Unterstützung brauchen können, Einkäufe erledigen oder sich um deren Gärten kümmern, um nur einige Beispiele zu nennen.

Gibt es etwas, was Sie besonders gern als Sachspende für die Wohnungslosen annehmen würden?

Ja, einen gebrauchten Kinderfahrradanhänger. Ein solcher „Jogger“ wäre super als Transportmittel für Einkäufe und Materialien – vor allem für Dinge, die nicht nass werden dürfen. Da zu der Gruppe auch vier Hunde gehören, bin ich zudem immer dankbar für Feuchtfutterspenden.

Wie können denn Leute Kontakt zu Ihnen aufnehmen?

Entweder unter Telefon 0176/83 22 43 66 anrufen oder eine WhatsApp-Nachricht schicken. Mir auf Facebook schreiben – das geht natürlich auch.

Von Jürgen Bohlken

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