Die „Trauminsel“

Unterm Dach ist Ruhe in der Grundschule Harpstedt

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Kinetiksand rinnt durch die Finger von Kisha (8 Jahre alt), Lotta (8) und Ida (10, von links). Die Kiste mit dem schwammartigen Pulver gehört zu den Entspannungsspielzeugen, die Petra Lehmkuhl im Ruheraum anbietet. Sie sollen den Kindern helfen, Ruhe zu finden.

Vor zehn Jahren wurde aus einem ehemaligen Klassenzimmer im Dachgeschoss der Grundschule Harpstedt die „Traum- insel“, ein Rückzugsort für die Schüler. Inzwischen gibt es dort drei Räume, in denen die Kinder entspannt Pause machen können. Ein Besuch.

Harpstedt - Von Katia Backhaus. Waschbare Wolldecken und einen Korkfußboden wünschten sich die damaligen Verantwortlichen zur Einweihung für den neuen Ruheraum in der Harpstedter Grundschule. Dies und bedeutend mehr ist in der vergangenen Dekade hinzugekommen: Sitzsäcke und Polster, eine beleuchtete Wassersäule und viele Entspannungsspielzeuge. Und Petra Lehmkuhl. Die 59-Jährige ist gemeinsam mit Inge Nowak-Gelewski für die Schulsozialarbeit zuständig. Während ihre Kollegin schon seit 1995 an der Grundschule arbeitet und die Basisklasse leitet, ist Lehmkuhl seit einem Jahr hauptsächlich für den Ruheraum zuständig. Die Erzieherin betreut die Kinder dort nicht nur in den Pausen, sondern bietet auch während der Unterrichtszeit Übungen zur Entspannung sowie zur Verbesserung von Konzentration und Wahrnehmung an.

„Wer nicht auf den Pausenhof will, der kann hierher kommen“, sagt Lehmkuhl. Im Dachgeschoss des Schulgebäudes gibt es drei Räume: eine Schreibwerkstatt, den Ruhe- und einen Leseraum. In den beiden großen Pausen können die Schüler der dritten und vierten Klassen dort kreativ werden, sich ein Buch schnappen oder sich einfach unterhalten. „Es ist ein Ort der Kommunikation“, erläutert Lehmkuhl, die beobachtet, wie gern die Kinder mit ihren Altersgenossen aus anderen Klassen zusammenkommen oder auch Rat bei ihr suchen. Eigentlich sei es immer voll - bis zu 30 Kinder seien manchmal da.

„Welchen Tee gibt es heute?“ Vier Mädchen stehen in der Tür und schielen auf die bunten Thermoskannen. „Rooibos-Karamell und Orange“, antwortet Lehmkuhl. Der Tee, den sie in den Pausen anbiete, sei „absolut Kult“ geworden, erzählt die Erzieherin. Die Wärme, das Kuschlige mache ihn so beliebt, meint die 59-Jährige. Manche Kinder hätten aber auch noch nie eine Tasse Tee getrunken, bevor sie in den Ruheraum gekommen seien.

Die „Wilden Kerle“ lesen Danyal (10) und Elias (9, v.l.).

Schulsozialarbeit ist der Begriff, hinter dem sich nicht nur das Angebot im Dachgeschoss, sondern auch Förderkurse und Beratungsmöglichkeiten verbergen. Seit Juni 2015 wird dieser Bereich in der Grundschule Harpstedt von Sozialpädagogin Nowak-Gelewski betreut. Mit der Aufstockung der Stundenzahl von vier bis sechs auf insgesamt 15,5 Stunden pro Woche ist Lehmkuhl hinzugekommen. Der Schulausschuss der Gemeinde hatte die Aufstockung vor gut einem Jahr bewilligt.

Problemen von Anfang an begegnen

„Es stellte sich bald heraus, dass Prävention ein Thema ist“, sagt Nowak-Gelewski über die Aufgaben, die sie und ihre Kollegin übernehmen. Konzentrations- und Wahrnehmungsschwierigkeiten, gewaltfreie Kommunikation oder übergroße Schüchternheit sind Themen der Schulsozialarbeit. Aus dem Kollegium gebe es positive Rückmeldungen zu dem Angebot - und auch immer wieder Anfragen, wenn bei einem Kind Unterstützungsbedarf besteht. Es sei wichtig, Problemen von Anfang an zu begegnen, betont die Sozialpädagogin. Gerade an der Grundschule könne viel bei den Kindern und ihrem Verhalten bewegt werden. Dort falle als erstes auf, dass das Aufwachsen nicht immer wohlbehütet ist - auch nicht in Harpstedt.

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