Unter die Haut: Ulla Meinecke imponiert mit anrührenden bis ironischen Songs

Süße Sünden mit Seele

+
Die Ulla Meinecke Band hinterließ in der Harpstedter Christuskirche ein äußerst zufriedenes Publikum.

Harpstedt - Von Anja Nosthoff. Stimmlich brillierte Ulla Meinecke vor allem in Coversongs, während ihre selbst getexteten Lieder einfach Spaß machten und viel zum Nachdenken aufgaben. Die Grande Dame der deutschsprachigen Popmusik hinterließ am Sonntag nach ihrem Konzert in der Harpstedter Christuskirche ein äußerst zufriedenes Publikum.

Die beiden Multiinstrumentalisten Ingo York und Reinmar Henschke komplettierten die Ulla Meinecke Band. Das Trio glänzte im Zusammenspiel; ebenso zeigte jeder Einzelne in den Soli gekonnt, was er drauf hat: Meinecke an der Front sowieso, aber beinahe genauso eindringlich begeisterten Gitarrist York und Henschke am Keyboard das Publikum in Instrumental-Passagen.

Nicht nur die Musik ging unter die Haut. Tiefgründig und bewegend, dann aber auch wieder humorvoll, augenzwinkernd und oft ironisch bis sarkastisch kamen sowohl die Songtexte als auch Meineckes Anmoderationen beim Publikum an. Abseits vom Hollywood-Kitsch und doch sehr berührend nahm Meinecke die Liebe aufs Korn: „Es gibt keine süßen Sünden ohne Seele“, ließ die Sängerin das Publikum in ihrem Song „Süße Sünden“ wissen. Darin macht die Liebe wieder einmal schlaflos, „denn da sind du und ich – und die Frau an die du denkst.“ Auch vom „Hafencafé“ aus, einem weiteren Song von Meinecke, ließ die Pop-Poetin die unerfüllte Sehnsucht nach der Liebe erwachen.

Mit spitzbübischer Freude wagte sich die Sängerin an das Thema Älterwerden. Nicht zu den neuen „jungen Digitalen“ zu gehören, schien ihr ausgesprochen gut zu gefallen. Vom Selfie bis zum Facelifting setze diese durch Bilder und Außendarstellung bestimmte Welt sich einem immer größeren Druck aus. „Der 30. Geburtstag ist für diese Menschen dann schon eine Nahtoderfahrung“, witzelte Meinecke.

Den schönen Schein stellte sie indes von Grund auf in Frage. „Es gibt nämlich ein kleines schmutziges Geheimnis“, meinte sie lächelnd: „Es nützt alles nichts!“ Und dann folgte mit einer guten Portion Selbstironie ihr fetziger Song „Ich bin zu alt fürs Showgeschäft“.

Natürlich strafte ihr Auftritt sie gleichzeitig Lügen. Besonders als kurz darauf mit dem von ihr interpretierten Hit „Walking in Memphis“ des amerikanischen Singer-Songwriters Marc Cohn ein absoluter Knaller folgte. Bewegt genoss das Publikum die gefühlvolle Ballade und konnte an den eingängigen Stellen wohl gar nicht anders: Viele Zuschauer mussten einfach mitsingen. Das fulminante Finale allerdings überließen sie gern allein der Expertin. Die wetterte und rockte kurz darauf schon wieder gegen Paare im endlosen Liebesstreit – laut, dunkel und virtuos unterstützt von Gitarrist York. „Er und du – ihr seid das nackte Leben“, sang sich Rockröhre Meinecke heiser. „Ihr redet euch ins Fieber, und dann seid ihr kochend heiß… dann schickt ihr den letzten Engel fort.“

Ebenfalls feierte sie auf der Bühne ihre Hommage an den „untröstlichen Meister des Tröstens“, Tom Waits. Seine Musik habe sie stets ganz vorn in ihrer „Notfall-Musik-Apotheke“ parat. Und so schwebte vor der Konzertpause noch der „Grapefruit Moon“ eindrucksvoll in die Christuskirche hinein. Dabei konnte auch Reinmar Henschke einmal seine ganze Virtuosität ausspielen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Wahlen in Palästinensergebieten bis Ende 2018 angekündigt

Wahlen in Palästinensergebieten bis Ende 2018 angekündigt

Myanmar und Bangladesch einigen sich auf Rohingya-Rückkehr

Myanmar und Bangladesch einigen sich auf Rohingya-Rückkehr

Polizei stürmt australisches Flüchtlingslager in Manus

Polizei stürmt australisches Flüchtlingslager in Manus

Winter auf Poel: Angelfahrten und Schatzsuche

Winter auf Poel: Angelfahrten und Schatzsuche

Meistgelesene Artikel

Karten für Christina-Lux-Konzert noch zu haben

Karten für Christina-Lux-Konzert noch zu haben

„freiraum“ widmet sich mit Thementag dem Klimaschutz

„freiraum“ widmet sich mit Thementag dem Klimaschutz

Yilmaz hat die Menge der Brötchen voll im Griff

Yilmaz hat die Menge der Brötchen voll im Griff

Kreisverwaltung lehnt Umstellung auf Elektroautos noch ab

Kreisverwaltung lehnt Umstellung auf Elektroautos noch ab

Kommentare