Unfallkasse zieht Frist

Feuerwehrhaus Colnrade: Die Reise geht in Richtung Neubau

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In Beckeln hat die Samtgemeinde Harpstedt ein vergleichsweise günstiges Feuerwehrhaus realisiert – auch dank erheblicher Eigenleistung der Brandschützer. Ob ein solcher Zweckbau (unser Bild) ebenfalls eine Option für Colnrade wäre, muss sich noch zeigen.

Colnrade - Von Jürgen Bohlken. Binnen drei Jahren muss die Raumnot im Gerätehaus der Colnrader Brandschützer behoben und der rechtskonforme Zustand wiederhergestellt sein. Vor dem Hintergrund dieses „Ultimatums“ der Feuerwehrunfallkasse (FUK) hat der Samtgemeinde-Feuerschutzausschuss am Donnerstagabend die Marschrichtung mit einer einstimmigen Empfehlung im Hotel „Zur Wasserburg“ in Harpstedt vorgegeben: Die Option Neubau soll weiterverfolgt werden.

Die zweite Alternative ist ohnehin eher theoretischer Natur: Ein denkbarer Anbau an das bestehende Feuerwehrhaus brächte maximal 500.000 Euro – wahrscheinlich sogar weniger – Kostenersparnis; im Unterschied zur Neubauvariante würde die Gemeinde Colnrade für diese (Erweiterungs-)Option aber kein Baugrundstück zur Verfügung stellen, weil sie den Bereich Bolzplatz/Festwiese erhalten will. Götz Rohde (Grüne) fand die Haltung der Mitgliedskommune einigermaßen befremdlich: „Ich drück’s mal etwas ketzerisch aus: Wir sollten uns in diesem Gremium schon die Frage stellen, ob wir uns erpressen lassen müssen.“

Die Verwaltung sprach sich klar gegen einen Anbau aus – auch wegen etwaiger Probleme, die sich aus der Ballung von Nutzungen im Bereich des Feuerwehr- und des Dorfgemeinschaftshauses in Colnrade ergeben könnten.

Mögliche jährliche Tilgung 60.000 Euro

Horst Hackfeld (HBL) machte sich so seine Gedanken: Bei angenommenen Kosten von 1,8 Millionen Euro für ein neues Feuerwehrhaus müsste die Samtgemeinde ein über 30 Jahre laufendes Darlehen mit jährlich 60.000 Euro tilgen – sofern keinerlei Zinsen anfielen. Hackfelds Befürchtung: Die Verschuldung könnte kumulativ wachsen, zumal, wie Rolf Ranke (HBL) anmerkte, im Schnitt alle 50 Jahre ein Feuerwehrhaus erneuert werden müsse – also bei sieben Ortsfeuerwehren rein rechnerisch etwa alle sieben Jahre eins. Hackfeld fragte sich, wie das auf Dauer zu finanzieren sein soll. „Wo wollen wir sparen? Wir wissen doch, was in den nächsten Jahren alles auf uns zukommen kann.“

Begehrlichkeiten kommen aus den Reihen der Ortswehren Prinzhöfte-Horstedt und Klein Henstedt: Sie wären bereit zu einer „Fusion“. Allerdings hätten sie im Gegenzug gern eine Heraufstufung zur Stützpunktfeuerwehr – und ein neues Feuerwehrhaus (wir berichteten). Ob die Samtgemeinde da mitspielt, wird angesichts der aktuell absehbaren „Baustellen“ im Haushalt wohl so schnell nicht entschieden.

„Finanzausschuss zeitnah tagen lassen“

Gemeindebrandmeister Günter Wachendorf und sein Amtsvorgänger Peter Sparkuhl rieten eindringlich davon ab, Stützpunktfeuerwehren herabzustufen. Die Politik, so zumindest der Eindruck im Feuerschutzausschuss, überlegt offenbar ohnehin nicht ernsthaft in diese Richtung, obwohl ein von der Verwaltung abgearbeiteter Prüfauftrag des Verwaltungsausschusses dies zunächst vermuten lassen hatte. Ergebnis der Prüfung: Würde die Feuerwehr Colnrade herabgestuft, so brächte das bei den Baukosten für ein neues Feuerwehrhaus eine geschätzte Ersparnis von 160.000 bis 170.000 Euro, weil dann das Tanklöschfahrzeug nicht mehr zur Pflichtausstattung zählte – und daher ein Einstellplatz wegfallen könnte.

Sparpotenzial sah Peter Sparkuhl bei der Bauausführung. Er verwies auf Beckeln, wo seit rund zehn Jahren ein Zweckbau seinen Zweck als Feuerwehrhaus bestens erfüllt. Allerdings wären die Baupläne wegen der heutigen Anforderungen und Vorschriften sowie des höheren Raumbedarfs nicht 1:1 auf Colnrade übertragbar, merkte Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse an.

Götz Rohde mahnte die von der Politik geforderte Einberufung des Finanzausschusses an. Der avisierte Termin im November ist ihm nicht zeitnah genug. Allerdings liegt derzeit noch kein Etatentwurf für 2019 vor – und damit kein belastbares Zahlenmaterial zur Haushaltslage der Samtgemeinde. Wie der Finanzausschuss fundiert ohne diese Grundlage diskutieren will, blieb etwas nebulös. Klar ist indes der Standort des avisierten Neubaus: Die Gemeinde Colnrade will ein geeignetes Grundstück an der K5 und am Kieselhorster Weg zur Verfügung stellen. Eine Trennung von Zu- und Abfahrt wäre dort machbar; die Möglichkeit einer vielleicht irgendwann erforderlich werdenden Erweiterung bestünde ebenfalls.

481 Quadratmeter Raumbedarf

Den Bedarf für einen Neubau mit drei Einstellplätzen, Schulungsraum, Teeküche, Werkstatt, Lager, Heizungs-, Hausanschluss- und Putzmittelraum, Umkleiden/Duschen/WCs für Männer und Frauen, Raum für die Jugendfeuerwehr sowie Büro/Ruheraum beziffert die Verwaltung auf mindestens 481 Quadratmeter. Ein Neubau in dieser Größenordnung wäre gemäß einer groben Kostenschätzung für 1,3 bis 1,4 Millionen Euro zu haben – einschließlich der Planung, der Versorgungsanschlüsse sowie Zu- und Abfahrt.

Die von der FUK empfohlene, aber nicht zwingend nötige strikte räumliche Trennung zwischen unbelasteter („weißer“) Privat- und belasteter („schwarzer“) Einsatzkleidung mit zwischengeschalteter Duschmöglichkeit würde einen zusätzlichen Raumbedarf von maximal 90 Quadratmetern (eher weniger) erfordern und grob geschätzte Mehrkosten von bis zu 250 .000 Euro verursachen. Die Diskussion über Sinn und Unsinn wird zu einem späteren Zeitpunkt geführt; der Ausschuss ließ das Thema „Schwarz-Weiß-Trennung“ erst einmal außen vor.

Lesen Sie auch: Stimmen zur Feuerwehr-Raumnot

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