Immer mehr „grüner“ Strom

Umspannwerk Prinzhöfte trägt zur Energiewende bei

75 Tonnen wiegt jeder der beiden Trafos. Um einen solchen Koloss mit Flaschenzügen auf Schienen zu zweit zu ziehen, braucht es reichlich Muskelkraft.
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75 Tonnen wiegt jeder der beiden Trafos. Um einen solchen Koloss mit Flaschenzügen auf Schienen zu zweit zu ziehen, braucht es reichlich Muskelkraft.

Simmerhausen – Gegen Ende 2021 will die Avacon das im Werden begriffene Umspannwerk Prinzhöfte am „Stolzbruch“ in Simmerhausen auf einem erworbenen, rund 7 000 Quadratmeter großen Areal in Betrieb nehmen – rund ein Jahr später als ursprünglich geplant. Mit der eingetretenen Verzögerung, die teils aus dem langen Genehmigungsverfahren, teils aus der Coronakrise resultiert, kann der Netzbetreiber nach eigenem Bekunden aber leben.

Von der Investitionssumme in Höhe von rund elf Millionen Euro entfallen 6,5 Millionen auf die eigentliche Anlage und 4,5 Millionen auf erforderliche Verstärkungen im umliegenden Mittelspannungsnetz.

Mit der Vorstellung der Baustelle vor Journalisten hatten sich Kommunalreferent Hermann Karnebogen und Projektleiter Alexandre Silva Ceo Zeit gelassen. Sie wollten einen spannenden Moment abwarten. Der war am Dienstagnachmittag gekommen: Zwei jeweils 75 Tonnen schwere Transformatoren des Regensburger Herstellers SGB hatten am Vortag zu später Stunde Simmerhausen auf Tiefladern erreicht – nach einem Schwerlasttransport aus Bayern in zwei Nächten via Halle, Magdeburg und Hannover. Einer stand bei Ankunft der geladenen Presse bereits auf dem Fundament. Der zweite Koloss sollte nun auf die dicke Betonplatte gezogen werden – mithilfe von Flaschenzügen und Muskelkraft. Sturm und Regen machten Unterbrechungen erforderlich, aber schließlich war’s vollbracht.

Zwei „Herzen“ als Bindeglied

„Die beiden Trafos bilden die Herzstücke des Umspannwerks. Sie stellen die Verbindung zwischen der vorbeiführenden 110-kV-Hochspannungsleitung und dem regionalen 20-kV-Mittelspannungsnetz her, das die umliegenden Ortschaften versorgt“, weiß Alexandre Silva Ceo. Das Transformieren funktioniert in beide Richtungen – sowohl hoch auf 110 als auch runter auf 20 Kilovolt (kV).

Ein Zweck des Umspannwerks besteht darin, die Versorgungssicherheit weiter zu erhöhen. Hermann Karnebogen sieht in der Anlage zugleich aber auch einen Beitrag zur Energiewende und damit zum Klimaschutz.

Auf dem Land wird viel mehr Strom erzeugt als verbraucht

Hintergrund: In der Samtgemeinde Harpstedt wird zeitweise bis zu achtmal so viel Strom erzeugt wie verbraucht. Im Avacon-Geschäftsgebiet Syke liegt dieses Verhältnis bei etwa 2:1. Windparks, mit Fotovoltaikzellen bestückte Dächer und Blockheizkraftwerke von Biogasanlagen zeigen, wo sich die Energiewende tatsächlich abspielt: weniger in Ballungszentren (wo Strom in großen Mengen gebraucht wird), sondern vorwiegend in ländlichen Regionen.

Nach langem „Kampf“ gegen die Massenträgheit bei miesem Wetter stand auch der zweite Transformator an seinem Platz – auf dem Fundament.

Droht Netzüberlastung durch zu viel Einspeisung, müssen Anlagen, Windräder etwa, abgeschaltet werden. Das kommt auch im Versorgungsgebiet der Avacon vor. Vor allem der Zubau bei der Windenergie bewirkt laut Karnebogen immer häufiger, „dass die örtliche Stromproduktion den örtlichen Verbrauch übersteigt“.

Das neue Umspannwerk ist ein wichtiger Baustein, um mehr regenerativen Strom aufnehmen, hochtransformieren und dorthin „verteilen“ zu können, wo er benötigt wird. Dadurch wird der Anschluss weiterer dezentraler Erzeugungsanlagen, etwa Windräder oder Fotovoltaik, an das Stromnetz der Region möglich. Schon heute nimmt das eher ländlich geprägte Avacon-Netz laut Karnebogen einen Ökostromanteil auf, der etwa viermal höher als der Bundesdurchschnitt liegt.

Anschluss an Leitung Wildeshausen-Ganderkesee

Übersteigt umgekehrt zeitweise der Bedarf an elektrischer Energie vor Ort die örtlich erzeugte Menge, bezieht das Umspannwerk Prinzhöfte Strom aus dem Hochspannungsnetz, transformiert ihn auf 20 kV herunter und versorgt damit die umliegenden Ortschaften über das Mittelspannungsnetz. Die Anlage wird an die vorhandene 110-kV-Leitung von Wildeshausen nach Ganderkesee angeschlossen. Dazu bedarf es eines zusätzlichen Masts, der laut Alexandre Silva Ceo im August oder September errichtet werden soll.

Fleißig gearbeitet wird derweil am Betriebsgebäude, das die Schutz- und Steuereinrichtungen beherbergen soll. Der Einbau der 20-kV-Schaltanlage steht indes noch bevor.

„Ferngesteuerte“ Anlage

Einen günstigeren Standort für das Umspannwerk hätte der Netzbetreiber kaum wählen können. Innerhalb eines 900-Meter-Umkreises steht nicht ein Wohnhaus. Die Anlage wird ohne Personalbedarf vor Ort betrieben. Die Steuerung übernimmt die Netzleitstelle der Avacon in Salzgitter. „Übrigens eine der modernsten Europas“, betont Hermann Karnebogen.

Die Maßnahmen zur Verstärkung des Mittelspannungsnetzes mit diversen Erdkabelstrecken hatte noch Hans-Jürgen Wachendorf aus Harpstedt geplant, der inzwischen seinen Ruhestand angetreten hat. Ihm zollt Karnebogen ebenso Dank wie der Kreisverwaltung, Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse und Prinzhöftes Bürgermeister Hans-Hermann Lehmkuhl.

Das Projekt sei auf allen Ebenen wohlwollend und positiv begleitet worden.

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