Zwischen Akzeptanz und Ablehnung

Umfrage in Harpstedt zur Ausgangssperre: „Bestimmt nicht aus Freude am Quälen“

Sie gehen nachts sowieso nicht raus: Werner und Gunda Oltmann.
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Sie gehen nachts sowieso nicht raus: Werner und Gunda Oltmann.

Harpstedt – Was bringt die nächtliche Ausgangssperre wider das Corona-Infektionsgeschehen? Findet sie Akzeptanz? Ein Meinungsbild aus Harpstedt.

Viele Kritiker halten die nächtliche Ausgangssperre für nicht verfassungskonform. Aber wie denken die von all den pandemiebedingten Beschränkungen gebeutelten „Leute auf der Straße“ darüber? Wir wollten von Menschen aus unserer Region wissen, was sie von der Maßnahme halten, und haben am Samstagvormittag auf dem Inkoop-Parkplatz in Harpstedt Passanten nach ihrer Meinung befragt. Die Auswahl erfolgte zufällig; repräsentativ ist das Ergebnis der Befragung gleichwohl nicht.

„Wir gehen nachts sowieso nicht raus. Nur für die jungen Leute tut es mir leid“, meinte Gunda Oltmann, die mit ihrem Mann Werner zum Einkaufen aus Wildeshausen in den Flecken gefahren war.

Henrik Goedeke

Auch der zweite befragte Passant kam aus der Kreisstadt. „Für mich ist das in Ordnung. Irgendwann ist das ja alles auch mal vorbei“, blickte Henrik Goedeke hoffnungsvoll in die Zukunft.

Torsten Grundmann

Torsten Grundmann hegte dagegen Zweifel. „Ich sehe den Sinn hinter der Ausgangssperre nicht so richtig. Aber ich bin nach 22 Uhr ohnehin zu Hause“, äußerte sich der Beckelner. Eine Frau aus Harpstedt wollte namentlich nicht genannt werden, ihre Meinung aber gleichwohl kundtun: „Ich finde das nicht gut. Obwohl ich um die Zeit selten rausgehe, fühle ich mich eingeschränkt“, kritisierte die 28-Jährige.

„Fühle mich eingeschränkt“

Eine weitere Bürgerin ließ durchblicken, sie sei mit der nächtlichen Ausgangssperre überhaupt nicht einverstanden. Näher wollte sie sich aber nicht dazu einlassen. Auch sie bestand darauf, nicht namentlich erwähnt zu werden.

Saif Eddin Jarjir

Ein junger Harpstedter zeigte indes sehr viel Mitgefühl für seine Mitmenschen: „Wenn es notwendig ist, ist das für mich okay. Ich fühle mich meiner Freiheit nicht beraubt. Es gibt viele Kranke und Tote. Alte und Junge, Frauen, Männer und Kinder. Wenn ich das Leben anderer schützen kann, bleibe ich nachts gerne zu Hause“, brachte Saif Eddin Jarjir seinen Standpunkt klar zum Ausdruck.

Werner Melster

Werner Mester vertraut, wie er durchblicken ließ, ganz und gar den Wissenschaftlern, die der Regierung beratend zur Seite stehen. „Wenn es nötig ist, bin ich dafür. Die Fachleute machen das ja wohl nicht, weil sie Freude am Quälen haben“, urteilte der Rentner aus Dünsen.

Marcus Oelve

Mit deutlicher Kritik bedachte derweil Marcus Oelve den weitreichenden Eingriff in die Freiheitsrechte: „Ich halte eine Ausgangssperre für vollkommen unangemessen und übertrieben. Die Infektionen finden vorwiegend in der Öffentlichkeit und nicht im Privaten statt. Und vorwiegend tagsüber. Entscheidend für die Bekämpfung der Pandemie ist nach meiner Ansicht die Selbstdisziplin“, stellte der Harpstedter klar.

Den Anstieg der Infektionszahlen erklärt er sich nicht zuletzt mit den vermehrten Corona-Testungen in Schulen und Kindergärten. „Viele Infektionen unter Jüngeren wurden bisher kaum oder gar nicht wahrgenommen. Jetzt werden sie entdeckt und gehen natürlich in die Statistik ein“, so Oelve.

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