Pferde aus Colnrader Zucht werden in Großenkneten ausgebildet

Smalltalk mit Pferdenärrin Anja Röbbeling

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Pferde liebt Anja Röbbeling seit ihrer Kindheit.

Colnrade - Den Traum vom eigenen Gestüt wollte sich Anja Röbbeling eigentlich erst im Alter erfüllen. Doch dann gab es doch schon früher Gelegenheit dazu. Auf dem „Hof Castanea“ in Colnrade züchtet die Pferdenärrin seit 2009 Englische Vollblüter für den Galopprennsport. Unsere Zeitung hat mit der 50-Jährigen gesprochen. Die Fragen stellte Jürgen Bohlken.

Ein großer Traum geht erfahrungsgemäß oft in kleinen Schritten in Erfüllung. Wie war das bei Ihnen?

Schon in der Kindheit wollte ich mit Pferden leben. Beruflich ging ich einen anderen Weg. Ich habe eine kaufmännische Ausbildung gemacht. Ich nahm mir vor, mir meinen Traum zu erfüllen, wenn ich in Rente gehe. Aber ich dachte mir auch: Dann habe ich vielleicht nicht mehr die nötige Muße, Geduld und Kraft dafür. Ich komme aus dem Ruhrgebiet. Dort aber ist es viel zu teuer, Pferde zu halten. Als sich berufsbedingt die Möglichkeit zu einem Umzug ergab, habe ich mir gesagt: Jetzt packe ich’s an! Meine Tochter Sina war von der Idee nicht nur angetan, sondern hellauf begeistert. 2008 haben wir uns mehrere Gestüte angeschaut. Hier in Colnrade war eigentlich alles vorhanden, was ich mir vorgestellt hatte. Auch großflächige Wiesen. Und sechs Pferdeboxen. Davon haben wir mittlerweile 14.

Sie züchten nur Englische Vollblüter. Da die Pferde für Galopprennen ausgebildet werden, sind sie vermutlich temperamentvoll.

Ja. Wenn man ihnen aber ihre Freiheiten auf der Koppel lässt, erweisen sie sich als ausgesprochen umgänglich. Und sie sind zudem recht intelligent.

Mit wie vielen Pferden haben Sie angefangen?

Zunächst gab es nur Adito, mein Reitpferd – einen Wallach, der heute noch lebt; ich habe ihn aber zwischenzeitlich verkauft. Nach dem Erwerb des Anwesens an der Twistringer Straße in Colnrade, einer ehemaligen Ranch für Wanderreiter, kamen vier Stuten hinzu. Zwei davon habe ich tragend gekauft. Eine hat schon 2009 abgefohlt. Occiobella, so der Name des Fohlens, lief gute Rennen über 2 400 Meter und hat dreimal gesiegt – in Dortmund, Hannover und Bremen. Später brachte sie für uns als Zuchtstute Nachwuchs zur Welt. Dann ist sie als Reitpferd ausgebildet und verkauft worden.

War Ihnen von Anfang an klar, dass Ihre Zucht Galopper hervorbringen soll?

Ja. Mein Adito hat früher bereits Rennen gelaufen. Mir hat die Intelligenz imponiert, mit der er an die Sache heranging. Schon als Kind kam ich auf einem Trabergestüt in Berührung mit Rennpferden. Mit denen bin sogar selbst Sulky gefahren, wenn auch nur im Training.

Sind die meisten Ihrer Pferde schon verkauft, wenn sie in Galopprennen starten?

Nein, der größte Teil bleibt bei mir. Einige verkaufe ich aber auch.

Das klingt, als könnten Sie von der Zucht nicht ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Richtig. Hauptberuflich betreibe ich eine privatärztliche Verrechnungsstelle. Mein Mann Peter ist Abwassertechniker. Meine Tochter Sina, inzwischen 20, hat eine Ausbildung zur Pferdewirtin auf dem Gestüt Fährhof in Sottrum gemacht. Sie holt jetzt das Abitur auf der Agrarfachschule in Hannover nach.

Eine komplett pferdeverrückte Familie?

Ja – und alle packen mit an.

Wie viele Pferde leben heute auf dem „Hof Castanea“?

15, wobei sechs Pensionspferde inbegriffen sind. Hinzu kommen vier eigene, die bei Trainer Toni Potters in Großenkneten stehen. Das sind aktive Rennpferde.

Ihr Hof trainiert selbst nicht?

Nein, als Gestüt kümmern wir uns um die Zucht und gewöhnen die Pferde an Anhänger, Sattel und Trense. Unsere Stuten werden im Natursprung gedeckt. Sie müssen zu dem jeweils ausgesuchten Hengst gebracht werden.

Natursprung – das suggeriert, die Stute käme mit dem Vererber auf die Weide, und der Zeugungsakt bliebe der Natur überlassen...

(Lacht.) Nee, so einfach ist es nicht. Die großen Gestüte haben eine Deckhalle. Dorthin wird die jeweilige Stute gebracht. Dann darf der Hengst „drauf“. Vorher muss geklärt sein, ob das weibliche Tier „aufnahmebereit“ ist. Hierbei kommt ein „Probierhengst“ zum Einsatz. Erst wenn der sich willig zeigt, darf der auserkorene Vererber decken. Deckhengste müssen in der Saison bis zu viermal täglich begatten. Wir dürfen unsere Stuten im Übrigen nur vom 15. Februar bis zum 15. Juni decken lassen. Das gilt generell für Vollblüter im Rennsport, damit alle in ihrer Altersklasse in etwa die gleichen Chancen haben.

Wo kommen die Fohlen zur Welt?

Üblicherweise in der Box. Wir haben eine Videoüberwachung. So werden die tragenden Stuten in Ruhe gelassen. Wir können im Haus sehen, wann’s wohl so weit ist, und zu ihnen eilen, wenn sie Hilfe brauchen. Als Jährling geht der Nachwuchs ins Training.

Übernimmt das Trainieren grundsätzlich Toni Potters?

Ja. Früher waren die Jährlinge bei Dr. Andreas Bolte in Lengerich. Dann kam Herr Potters nach Großenkneten, und wir entschieden uns aufgrund der räumlichen Nähe für ihn. Eine gute Wahl. Auch weil er die Pferde jeden Tag auf die Weide lässt. Das ist in anderen Rennställen, wenn sie direkt an der Rennbahn liegen, nicht unbedingt immer der Fall.

Sind Sie bei Rennen mit Beteiligung von Pferden aus Ihrer Zucht stets live dabei?

Fast immer. Sofern uns das möglich ist. Wir gehen auch zwischendurch ins Training und gucken, wie sich die Pferde dort machen.

In welchen Leistungsklassen starten Ihre Galopper?

Bis hinauf zu „Ausgleich II“ Bei Ausgleichsrennen werden den Pferden vom Ausgleicher, dem Handicapper, gemäß ihren vorherigen Leistungen Gewichte zugeordnet, die sie im Rennen zu tragen haben, damit die Siegchancen für alle Starter möglichst gleich sind.

„Ausgleich I“ entspräche im Fußball der ersten Bundesliga, heißt es.

Ja, wenn Sie so wollen. Das kann man in etwa vergleichen.

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