Todd Day Waits vereint Blues, Country und Folk auf seine eigene Weise

Musikalischer Purismus in familiärer Atmosphäre

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Musikalischer Purismus in perfekter Harmonie: Regina Mudrich und Todd Day Waits.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Der Blues klingt „weißer“ als gewohnt – und die Country-Music ungewöhnlich „schwarz“. Wenn sich diese beiden traditionellen amerikanischen Stile vereinen und sich eine Prise Folk hinzugesellt, dann kommt das dem Hillbilly ziemlich nahe, der in den 1920er- bis 1950ern seine Blütezeit erlebte. Todd Day Waits schreibt Songs, die sich von denen seiner Idole jener Jahre kaum unterscheiden – erdig, urwüchsig und schnörkellos. Am Donnerstag stand der Südstaatler aus Louisiana im „Liberty's“ in Harpstedt auf der Bühne.

Regina Mudrich, die den Sänger und Akustikgitarristen auf der Violine begleitete, erhoffte sich, dass es in dem zwischenzeitlich die Runde machenden Hut „rascheln“ statt „klingeln“ möge. Dies sei nämlich im Rahmen der Reihe „Kultur am Donnerstag“ das Konzert mit den wenigsten Zuhörern bei zugleich weitester Anreise des Künstlers, merkte sie an.

Todd Day Waits lebt in New Orleans, wo seine Fans – auch zu langsameren Songs – für gewöhnlich tanzen, wenn er in zumeist proppevollen Pubs spielt. „Ihr könnt jetzt als ,Weltstadt Harpstedt' mal so richtig auftrumpfen, indem ihr ordentlich mitgeht“, ermunterte Mudrich das Publikum.

Die knapp 20 Gäste begnügten sich gleichwohl damit, der Musik und den durchaus humorvollen Anmoderationen zu lauschen und dann und wann klatschend in den Takt einzustimmen.

Schlaksig, längliches Gesicht, Oberlippenbart – in Sachen Optik mutet Todd Day Waits ein bisschen wie Frank Zappa an. Doch musikalische Rock-Avantgarde ist sein Ding nicht, sondern Oldtime. Hillbilly-Musiker wie Lefty Frizzell, Johnny Horton, Jimmy Rodgers oder Wynn Stewart, die den 32-jährigen Puristen inspiriert haben, kennt heute kaum jemand mehr. Im Bookholzberger „Hörwerk“ spielt der Singer-Songwriter aktuell einige Stücke mit Regina Mudrich und Mike Collins junior ein. Die darum herumgestrickte kleine Tour mit zehn Konzerten führte ihn durch Nordwestdeutschland und endete am Freitag in der Hahnenknooper Mühle in der Wesermarsch.

Die Deutschkenntnisse des Musikers, der erstmals in der Bundesrepublik weilte, beschränken sich auf ein paar Brocken. In Harpstedt schmetterte er seinem Publikum ein fast akzentfreies „Prost!“ zu, ehe er wieder zur „Klampfe“ griff. Das „Liberty's“ erlebte ein vorwiegend melancholisches Programm. Kostproben aus seinem Album „Travelin' Blues“ sparte der Künstler nicht aus. Er hatte es unter dem Bandnamen „Todd Day Wait's Pigpen“ eingespielt. Nein, Farmer sei er nicht, verriet er. Der „Schweinestall“ (Pigpen) sei wohl vielmehr eine augenzwinkernde Anspielung auf das Sammelsurium von Musikern, die der 32-Jährige um sich gescharrt habe, vermutete Regina Mudrich.

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