Theater-AG und Wahlpflichtkurs amüsieren Mitschüler der Oberschule Harpstedt mit Sketchen und Tanzeinlagen

Aberwitz alltäglicher Auseinandersetzungen

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Gewohnheitsmäßig glotzt hier in einem Loriot-Sketch ein von Schülern gespieltes Ehepaar vom Sofa aus auf die Mattscheibe, die diesmal schwarz bleibt; es denkt gar nicht daran, sich von dem defekten Fernseher den Fernsehabend kaputtmachen zu lassen.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. „Ich möchte nur der Firma Meisel mitteilen, dass ich jetzt die bestelltenBücher fertig habe. Und ob ich die Bücher hinschicken soll und die Rechnung auch mitschicken darf.“ Ungezählte Male wiederholt der Buchbinder Wanninger diese etwas unbeholfenen Worte am Telefon. Immer wieder wird er durchgestellt, weitervermittelt – und am Ende dann abgefertigt mit der Bitte: „Rufen Sie doch morgen wieder an! Wir haben jetzt Büroschluss.“ Dieser Sketch von Karl Valentin sowie diverse weitere skurrile Dialoge aus prominenter Feder rund um den alltäglichen Wahnsinn amüsierten heute Vormittag die Fünft-, Sechst- und Siebtklässler der Oberschule Harpstedt in der Pausenhalle.

Das Bühnenbild in Form eines gedeckten Frühstückstischs, das die Theater-AG und der Wahlpflichtkurs (WPK) „Theater“ unter der Leitung von Lehrer Joachim Hüneberg vor Beginn der Aufführung aufgebaut hatten, ließ erahnen, was kommen würde. Tatsächlich fielen die zu erwartenden Worte: „Berta, das Ei ist hart!“ Den legendären Loriot-Sketch um ein „nach Gefühl“ gekochtes Viereinhalb-Minuten-Ei und ein herrlich aneinander vorbei redendes Ehepaar mit Sätzen für die Ewigkeit wie „Gott, was sind Männer primitiv!“ enthielten die Protagonisten ihrem Publikum nicht vor. Obgleich heute fast schon jedes Kind das abschließende „Ich bringe sie um! Morgen bringe ich sie um!“ mitsprechen kann, hat der „Klassiker“ nichts von seinem Charme verloren. Diese Schlussfolgerung legte zumindest die Publikumsreaktion nahe. Nicht minder irrwitzig kam „Die Garderobe“ daher, ein weiterer Sketch von Loriot alias Vicco von Bülow (†2011). „Ich kann mit dir über Atommüll reden, über Ölkrise, Wahlkampf und Umweltverschmutzung, aber über nichts Wichtiges!“, beschwert sich darin die Ehefrau bei ihrem holden Gatten, weil der ihr bei der Auswahl des Abendkleides keine große Hilfe gewesen ist. Tja, und dann gab‘s da noch den wiederum von Loriot erdachten TV-Abend, aus dem nichts wird, weil der Fernseher kaputt ist. Das freilich hindert ein Ehepaar nicht daran, auf die (schwarze) Mattscheibe zu glotzen. Es hält trotzig an dieser Gewohnheit fest – und der Mann nicht minder beharrlich an seinem Vorhaben, sich nach den Spätnachrichten zur Ruhe zu legen: „Ich lasse mir von einem kaputten Fernseher nicht vorschreiben, wann ich ins Bett zu gehen habe.“

Den Aberwitz des Alltags nahm das Theaterprojekt genüsslich aufs Korn. Mit originellen Überleitungen und Tanzeinlagen verknüpften die insgesamt rund 25 Protagonisten den Reigen aus Sketchen. Hier und da überraschten sie mit nicht ganz so geläufigen Texten, etwa mit dem Eva-Rechlin-Gedicht „In dieser Minute“, das bereits in der ersten Strophe ein bisschen so klingt, als hätte es Joachim Ringelnatz geschrieben: „In der Minute, die jetzt ist und die du gleich nachher vergisst, geht ein Kamel auf allen vieren im gelben Wüstensand spazieren.“

Mit Karl Valentins und Liesl Karlstadts berühmtem Dialog „Die Fremden“ trafen die Theaterspieler den Nerv der Zeit, lässt sich doch ein Bezug zum Fremdsein in einer globalisierten Welt und zur Flüchtlingsproblematik herstellen. Der Text enthält etwa eine Anspielung auf Vorurteile: „Der Einheimische kennt zwar den Fremden nicht, kennt aber am ersten Blick, dass es sich um einen Fremden handelt.“ Auch die Frage „Integration oder Assimilation?“ blitzt durch: „Weil jeder Fremde, der sich fremd fühlt, ein Fremder ist, und zwar so lange, bis er sich nicht mehr fremd fühlt.“ Den Abschluss und Höhepunkt der Vorstellung bildete Loriots Sketch „Konzertbesuch“. Die Kernaussage des Bühnengeschehens lässt sich prägnant auf den Punkt bringen: Im Misslingen schwieriger Alltagssituationen liegt immer auch die Chance für den guten Anfang eines neuen Tages.

Theater-AG und -WPK mit Mitstreitern aus verschiedenen Klassen und Jahrgängen spielten – nach intensiven Proben – übrigens erstmals gemeinsam für ihre Mitschüler. Für den Ton und das richtige Licht sorgte die Radio-AG. Weitere Vorführungen, dann mit der Schulband, wird es am 16. März im Rahmen des „Tags der offenen Tür“ der Oberschule geben.

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