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In Sascha Hellmich steckt ein Jäger und Sammler

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Von: Jürgen Bohlken

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„Den gebe ich nicht wieder her!“, sagt Sascha Hellmich über seinen Star-Wars-Flipper, der wie neu aussieht.
„Den gebe ich nicht wieder her!“, sagt Sascha Hellmich über seinen Star-Wars-Flipper, der wie neu aussieht. © Bohlken

Harpstedt – Dass in Sascha Hellmich ein (Schnäppchen-) Jäger und Sammler steckt, ahnt jeder, der seine Wohnung in Harpstedt betritt. Die dort angehäuften „Schätze“ reichen von Arcade-Automaten über eine Jukebox bis hin zum Flipper und zu frühen Videospielen. Den Löwen Willie, das Maskottchen der Fußball-WM 1966, hat der 40-jährige Systemintegrator für einen Spottpreis „geschossen“. „Wenn du auf Flohmärkten was finden willst, musst du schon mal in die Knie gehen und in Kisten wühlen“, sagt er.

Ein alter Bekannter, detailgetreu nachempfunden: R2-D2.
Ein alter Bekannter, detailgetreu nachempfunden: R2-D2. © boh

Das Erkennen des in vielen Dingen schlummernden Potenzials musste er selbst erst lernen. In jungen Jahren sammelte er Überraschungseier, genauer gesagt: die Figuren aus „jedem siebten Ei“. Welche Schätze er dadurch in seinen Besitz brachte, bemerkte er oft erst später. Dazu gehörte ein Pumuckl mit Regenschirm. „Den konnte ich für 250 Mark verkaufen“, erinnert sich Hellmich.

Das Stöbern auf Flohmärkten begeistert ihn seit der Kindheit. Videospiele wie „The Legend of Zelda“, „Mario Kart“ oder „Bomberman“ weckten früh sein Interesse. Einst nahm ihn ein Kollege mit nach Oldenburg in den Keller eines Kumpels, der sich damals, so der Harpstedter, „für das Oldenburger Computermuseum engagiert hat“. Beim Anblick mehrerer Flipper dachte Sascha Hellmich: „Geil! So was will ich auch.“

Multiball! Flipper kommt auf Touren

Vor etwa sechs Jahren fing er an, gezielt auf die Suche zu gehen. Aktuell hat er drei Flipperautomaten. Einer steht in seinem Wohnzimmer – ersteigert via eBay Kleinanzeigen. „Der ging zunächst gar nicht an und war total verdreckt. Ich wollte ihn trotzdem unbedingt haben. Und nun gebe ich ihn nicht wieder her; er ist einfach zeitlos“, sagt Hellmich über den kultigen „Star Wars“-Flipper von „Data East“. Das mühe- und liebevoll „aufgepäppelte“ Gerät wirkt mittlerweile wie neu, obwohl es mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel hat.

Zu Demonstrationszwecken schickt Hellmich eine Kugel auf Punktejagd. Blinkende Displays, Laserkanonen-Geräusche oder auch ein detailgetreu nachempfundener R2-D2 „unter Glas“ unterstreichen das „Krieg der Sterne“-Feeling. Als die Kugel Rampen erklommen und den „Todesstern“ getroffen hat, kommt der Automat erst so richtig auf Touren. Multiball! Nun heißt es, drei Kugeln gleichzeitig im Spiel zu halten und sie weder durch die Mitte noch ins „Seitenaus“ flutschen zu lassen. Das fällt schwerer, als es aussieht.

Blick ins Innenleben eines Arcade-Automaten.
Blick ins Innenleben eines Arcade-Automaten. © -

Geflippert habe er schon früher gern, verrät Hellmich. Auf Urlaub in Ungarn in den 90er-Jahren kam er an Spielhallen, die damals in großer Zahl die Strände säumten, nur schwer vorbei. Irgendwann war er infiziert. Etliche Flipper, die er sich leistete, gab er an Freunde weiter. „Du bekommst ein neues Gerät und findest es zuerst richtig stark, doch dann lässt der Reiz eben doch oft nach, und du trennst dich wieder davon. So ist das eben, wenn du Sammler bist“, spricht der Harpstedter aus Erfahrung.

Zu den unverkäuflichen Automaten, für die sich auch sein elfjähriger Sohn erwärmen kann, zählt sein allererster Flipper mit Dot-Matrix-Display: ein „Fish Tales“ von Hersteller Williams. „Der war noch ziemlich intakt, als ich ihn erwarb. Eine kaputte Lichtschranke habe ich ausgetauscht. Ich würde mich allerdings nicht als Technikfachmann bezeichnen. Wenn kompliziertere Probleme zu beheben sind, muss ich mir auch mal Hilfe von der erfahrenen ,älteren Liga’ holen“, räumt Hellmich ein.

„Zentrallager“ bei der Mutter

Es blieb nicht bei den Flippern. Der Harpstedter zählt ebenso diverse Arcade-Spielautomaten, die schon in den Eighties Spielhallen in Publikumsmagneten verwandelten, zu seinen Errungenschaften. Der Platz in seiner Wohnung reicht für zwei Geräte, an denen etwa „Puck Man“, der japanische Vorläufer von Pac-Man, oder auch „Time Pilot“ zum „Daddeln“ im Sitzen animieren.

Den bei seiner Mutter im Kreis Osnabrück eingerichteten Gameroom nutzt Sascha Hellmich traditionell an Weihnachten zusammen mit Freunden.
Den bei seiner Mutter im Kreis Osnabrück eingerichteten Gameroom nutzt Sascha Hellmich traditionell an Weihnachten zusammen mit Freunden. © Hellmich

„Mein ,Zentrallager’ befindet sich bei meiner Mutter im Landkreis Osnabrück“, erzählt Hellmich. Er zeigt Bilder von diesem „ausgelagerten“ Depot, das mit Arcade-Automaten vollgestopft ist. Ins Auge fallen neben dem „Fish Tales“- und einem „Baywatch“-Flipper vor allem große Standgeräte mit kultigen Videospielklassikern wie „Mortal Kombat“.

Die Jukebox ist auf jeder Party die Attraktion

Die „schwarze Spelunke“ heißt diese besondere Location im Stile früherer „Daddelhallen“. „Einmal im Jahr, wenn zu Weihnachten die Kumpels nach Hause kommen, sitzen wir dort. Zuerst flippern wir ein bisschen. Aber nur kurz. Weil wir uns zumeist lange nicht gesehen haben, gibt es viel Gesprächsstoff. Für gewöhnlich läuft es darauf hinaus, dass wir recht schnell beim Bier am Tisch sitzen, reden und dabei 17 und 4 spielen“, berichtet Hellmich schmunzelnd.

Die Geräuschkulisse aus den Arcade-Automaten unterstreicht das Spielhallenflair. Die Musik kommt aus einer Jukebox. Ein weiteres Exemplar, befüllt mit Singles von Schlager bis Rock, steht in Hellmichs Wohnzimmer in Harpstedt und bereichert jede Party, die er privat schmeißt. Die „Seeburg“-Jukebox verlangt den Gästen etwas ab, was etwas aus der Mode gekommen ist: Geduld. Heißt: Musikstücke lassen sich nicht „wegzappen“, sondern laufen bis zum letzten Akkord durch, ehe die komplexe Mechanik die Scheibe wechselt und den nächsten gewählten Titel komplett abspielt. „Das Gerät stammt von 1958 und hat schon einige Reparaturen hinter sich“, weiß Hellmich.

Die Nadel spielt die Singles in Vertikallage ab.
Die Nadel spielt die Singles in Vertikallage ab. © -

Im „Zentrallager“ bei der Mutter steht auch ein Rennsimulator mit Cockpit-Sitzplatz. „Der stammt ursprünglich aus dem Computermuseum“, verrät der 40-Jährige. Als sich eine Kaufchance ergab, konnte er das Angebot einfach nicht ausschlagen. Der sehr günstig anmutende Preis relativierte sich allerdings durch die Transportkosten für den sperrigen, schweren Simulator. „Dafür brauchte ich einen Lkw mit Hebebühne“, entsinnt sich der Harpstedter.

Zubehör ist komplett und unbeschädigt

Völlig „unbespielt“ wirkt sein originalverpackter „Game Boy“ von 1989. Da fehlt nicht das kleinste Fitzelchen, was diesen Oldie der Konsolenindustrie zu einem Objekt der Begierde für Sammler macht. Karton, Ohrhörer, Tütchen, Styroporscheiben, „Beipackzettel“ und Clubkarte für den Nintendo-Club – alles noch da und alles gänzlich unbeschädigt. „Selbst wenn mir jemand mehrere 100 Euro dafür böte, würde ich stumpf ,Nein’ sagen“, macht Hellmich deutlich, wie sehr sein Herz an dem „Game Boy“ hängt.

Ich würde mich nicht als Technikfachmann bezeichnen. Wenn kompliziertere Probleme zu beheben sind, muss ich mir auch mal Hilfe von der erfahrenen ,älteren Liga’ holen.“

Sascha Hellmich
„Daddlern“ teils aus der eigenen Jugend bekannt: Raumschiffe in 2D.
„Daddlern“ teils aus der eigenen Jugend bekannt: Raumschiffe in 2D. © -

Einen Walkman aus seiner Sammlung hat er im vergangenen Jahr einem Interessenten verkauft, der dafür an einem Sonnabend ganz aus Schleswig-Holstein anreiste. Warum der Käufer aus der Generation 50plus so scharf darauf war, konnte der Harpstedter gut nachvollziehen: „Er erzählte mir, er sei mit einem solchen Walkman in seiner Jugend zum Schwimmbad gefahren und habe sich richtig cool gefühlt.“

Kontakt via Instagram: german_retro_hunter

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