SERIE „Technik mit Charme“ (2)

Ehrfurcht vor dem Erbstück

Frisch poliert sieht das „Concertino“-Gerät von Telefunken aus wie neu. Von den Bauteilen im Inneren des Röhrenradios hat Christoph Meyer aus Dünsen sämtliche Kondensatoren ausgetauscht.
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Frisch poliert sieht das „Concertino“-Gerät von Telefunken aus wie neu. Von den Bauteilen im Inneren des Röhrenradios hat Christoph Meyer aus Dünsen sämtliche Kondensatoren ausgetauscht.

Dünsen – Ursprünglich suchte Christoph Meyer nur ein Gehäuse mit Retro-Charme; der Dünsener hielt Ausschau nach einem alten Röhren-Hörfunkempfänger – in der Absicht, das Innenleben durch ein Internetradio zu ersetzen. Doch es kam anders. Sein mittlerweile 72-jähriger Vater Horst überließ ihm ein „Concertino“ von Telefunken. Der Junior brachte es nicht übers Herz, das Erbstück aus dem Jahr 1955, das sogar noch sein eigener Urgroßvater genutzt hatte, „kaputt zu basteln“.

„Ich dachte mir, es wäre doch viel schöner, die alte Röhrentechnik zu bewahren und das Radio wieder zum Laufen zu kriegen“, erinnert sich der 40-Jährige. Mit Elektronik hat er von Berufs wegen nicht so viel zu tun, mit Technik hingegen als Maschinenbauingenieur sehr wohl.

Christoph Meyer

„Ich habe mir ein Fachbuch besorgt und mich eingelesen“, erzählt der verheiratete Vater einer Tochter, der bei Airbus arbeitet. Das von Thomas Wartberg aus Klosterseelte im ersten Teil unserer Serie geschilderte Risiko eines Kurzschlusses in den Elektrolytkondensatoren mit nachfolgender „Verpuffung“, wollte er nicht eingehen. Diese Gefahr besteht, wenn ein sehr lange ungenutztes Gerät erstmals wieder eingeschaltet wird.

Ich dachte mir, es wäre doch viel schöner, die alte Röhrentechnik zu bewahren und das Radio wieder zum Laufen zu kriegen.“

Christoph Meyer

Christoph Meyer wechselte vorsichtshalber gleich sämtliche Kondensatoren. „Ich habe sie herausgefriemelt, nachgeschaut, welche Kapazitätswerte jeder einzelne von ihnen hat, die benötigten Teile bestellt und sie eingelötet. Meine Hoffnung war, damit alle Probleme behoben zu haben. Zumal nach meiner Einschätzung eigentlich nicht viel kaputt sein konnte, mal abgesehen von der einen oder anderen Röhre. Tatsächlich kam auf Anhieb wieder Ton aus dem Gerät. Der äußerliche Zustand des Radios war relativ gut. Die eine oder andere Macke habe ich mit Holzfarbe beseitigt. Das Holz polierte ich auf. An den Seiten tauschte ich außerdem den etwas lädierten Stoff aus. Bei der Stoffauswahl achtete ich darauf, dass es farblich passt und alt aussieht“, erzählt Meyer.

Wir schalten das Gerät oft ein, wenn wir Kaffeebesuch haben.“

Christoph Meyer

Das Erbstück fristet seither kein tristes Dachbodendasein mehr, sondern steht im Wohnzimmer der Familie. „Wir schalten das Gerät oft ein, wenn wir Kaffeebesuch haben“, sagt Christoph Meyer, der kein Geheimnis aus seinem Lieblingssender – Bremen Eins – macht.

FM-Transmitter als elegante Option

Wie lange der Sendebetrieb auf Ultrakurzwelle (UKW) noch gewahrt bleibt, steht momentan in den Sternen, aber das Aus wird irgendwann kommen. Doch auch dann will Christoph Meyer seinen Röhrenempfänger weiterhin nutzen, ohne das Innenleben gegen ein Webradio zu tauschen. Der „Concertino“ ließe sich etwa als reiner Verstärker verwenden. Dazu müsste ein Tuner mit Internetradio angeschlossen werden. Und dessen Ausgangssignal müsste auf den Uralt-AUX-Eingang abgestimmt sein.

Eine deutlich elegantere Option wäre ein handelsüblicher FM-Transmitter. Ein solches Gerät funktioniert wie eine Mini-Radiostation: Via Bluetooth empfängt es Sprache und Musik vom Smartphone und sendet das empfangene Signal – mit geringer Leistung – über „herkömmliche“ Radiowellen an eine bestimmte UKW-Frequenz, die wiederum das Röhrenradio empfängt.

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