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Teamer-Teilnahme an Tidenrallye: An Biss mangelt es nicht

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Von: Jürgen Bohlken

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Eine intensive Vorbereitung ist der Tidenrallye-Teilnahme vorausgegangen.
Eine intensive Vorbereitung ist der Tidenrallye-Teilnahme vorausgegangen. © Wenkel

Harpstedt/Großensiel – Der Gemeinsinn steht über allem: Wenn Teamer, die sich sonst ehrenamtlich in der evangelisch-lutherischen Christusgemeinde Harpstedt engagieren, am Sonnabend, 28. Mai, erstmals an der Weser-Tidenrallye teilnehmen, rückt der Teamgeist in den Mittelpunkt.

Ein Teil der Gruppe wuppt hinter den Kulissen organisatorisch-logistische Aufgaben. Etwa 15 Jugendliche kommen als Schlachtenbummler mit zum Start nach Nordenham-Großensiel. Nach Kräften werden sie „ihre“ Paddel-Mannschaft anfeuern, die es mit auflaufender Flut innerhalb des sechsstündigen Tide-Zeitfensters bis zum Kanu-Club Rönnebeck schaffen will. Diese „Silber-Distanz“ misst immerhin 33 Kilometer. Die elf Kilometer längere „Gold-Distanz“ reicht indes bis in die Lesum.

Semino Degener aus Colnrade, Tristan Kopmann aus Dünsen und Tom Hering aus Harpstedt werden jeweils im Einer dem Strom trotzen. Die Harpstedterin Wiebke Lindenbauer und die Kirchseelterin Cara Felizitas Krumpolt legen sich im Doppelkajak ins Zeug.

Ankommen ist das Ziel.

Karsten Wenkel

„Alle sind 16 Jahre alt“, sagt Betreuer Karsten Wenkel. Er steigt am Startpunkt mit seinem Cousin Ingo Lanninger in seinen Kanadier, um mit dem Stechpaddel „Meter zu machen“.

„Ankommen ist das Ziel“, betont der 42-Jährige. Und ankommen wollen die Teamer im Team. Schnelligkeit ist sekundär. Als Gruppe während der Rallye zusammenbleiben – das genießt Priorität.

Das ziehe ich durch.

Semino Degener

Sollten die Strapazen zu sehr an den Kraftreserven zehren, kann die Gruppe die Rallye etwa auf halber Strecke, in Brake an der Unterweser, vorzeitig beenden. Doch davon geht Wenkel keineswegs aus, im Gegenteil: Die Teamer seien fit und wüssten gar nicht, wohin mit ihrer Energie. „Ich bin überzeugt davon, dass wir die Distanz schaffen, gegebenenfalls mit Zwischenstopp in Brake. Hunderte Teilnehmer ziehen den einzelnen erfahrungsgemäß wie in einem Massen-Marathonlauf mit. Für uns geht es darum, ein Streckenprofil abzupaddeln“, sagt Wenkel. Im Tide-Zeitfenster sieht er kein Problem. Er selbst paddle in sechs Stunden von Bremen-Mitte bis Bremerhaven. Den nötigen Biss brächten die Teamer allesamt mit – die Jungen genauso wie die Mädchen.

Tom Hering fühlt sich als DLRG‘ler und passionierter Schwimmer im nassen Element zu Hause. Tristan Kopmann spielt Tennis. Semino Degener erlebt im Boxsport, was es heißt, eigene körperlichen Grenzen auszureizen. Seine Beharrlichkeit imponiert Wenkel besonders. Der Junge sei nach nur 70 Metern Trainingspaddeln gekentert, habe sich dadurch aber nicht entmutigen lassen, plaudert der Betreuer ein wenig aus dem Nähkästchen. „Das fand ich richtig cool. Semino musste komplett raus aus den schlammverdreckten Klamotten und sich umziehen. Das Boot war voll Wasser. Es musste an Land gezogen und entleert werden. Das hat Semino alles erledigt. Und dann ging‘s zurück ins Boot.“ Die Rallye geht der 16-Jährige mit derselben ambitionierten Einstellung an. „Das ziehe ich durch“, hat er sich fest vorgenommen.

Als Teenager begann er mit dem Paddeln

Wenkel ist es gelungen, echte Begeisterung für die Teilnahme an der 30. Weser-Tidenrallye zu wecken. Als Teenager hatte er selbst mit dem Paddeln begonnen. Hunte und Weser, aber auch Donau, Elbe und Müritz sind ihm schon lange nicht mehr fremd.

Ich bin überzeugt davon, dass wir die Distanz schaffen, gegebenenfalls mit Zwischenstopp in Brake.

Karsten Wenkel

Der 42-Jährige besitzt zwei Kajaks, zusätzlich ein Wildwasser-Kajak und einen fünf Meter langen Kanadier mit einer Tragfähigkeit von bis zu 500 Kilogramm, für den sich eine Doppelbesetzung empfiehlt. Mit seiner Frau und den Kindern unternimmt er Kajak-Tagestouren. Mit seinem Cousin teilt er auch auf Reisen die Leidenschaft für den Paddelsport. Die benötigten Boote für die Tidenrallye stellt er den Teamern gern zur Verfügung. Die Mannschaft soll mit möglichst gutem Material mitmischen.

Ein anderes „Fließgewässer-Kaliber“ als die Hunte

Im vergangenen Jahr war die Gruppe zunächst in den Genuss einer Kajak-Tagestour auf der Hunte gekommen. Nun wartet in Nordenham mit einer dort sehr breiten Weser ein anderes „Fließgewässer-Kaliber“ auf sie.

Zwei Vorbereitungstage auf der Ochtum und der Wümme mitsamt Kuhgraben-Kanal liegen hinter den Jugendlichen – und damit auch Erfahrungen mit weniger angenehmen Rahmenbedingungen. Teils paddelten sie gegen den Wind und ohne Fließunterstützung. „Gewundert hat mich, dass keiner hinterher Muskelkater hatte“, sagt Wenkel. Klimmzüge empfiehlt er als Individualtraining. Mit Hanteln an der Kräftigung der Muskulatur zu arbeiten, kann ebenfalls nicht schaden. Das gemeinschaftliche Training endet mit einer „dritten Runde“: Den letzten Tag zur Vorbereitung auf die Rallye will die Gruppe direkt auf der Weser absolvieren.

Kentert das Boot, geht die Spritzdecke sofort auf, und der Paddler rutscht heraus.

Karsten Wenkel

Etwas gewöhnungsbedürftig fanden die Teamer die Paddeltechnik anfangs. Koordination und Balance galt es zu „optimieren“. Die Kajakrolle stand indes nicht auf dem Trainingsprogramm. Für das Paddeln in Touren-Kajaks sei es nicht nötig, sie zu beherrschen, weiß Karsten Wenkel. „Kentert das Boot, geht die Spritzdecke sofort auf, und der Paddler rutscht heraus.“

Shirts ins zwei Ausführungen „in Arbeit“

Den Teamgeist stärken sollen zusätzlich spezielle Rallye-Shirts. „Die sind in Arbeit. Und zwar in zwei Ausführungen: normale für alle, die anfeuern, und solche mit UV-Schutz für die Paddler“, verrät Betreuer Ralf Corßen.

„Das wird ein tolles Gemeinschaftshighlight“, freut sich Karsten Wenkel auf die Weser-Tidenrallye, die übrigens in die 400-Jahr-Feier des „Museumshavens Vegesack“ eingebettet ist. Hinterher werde es sicher Pizza oder Gegrilltes „für alle“ geben.

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