Taucher Ulf Malinowski hat eine Wrack-Tour dokumentiert / Filmvorführung

Wo der Meeresgrund einem Schiffsfriedhof ähnelt

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Abenteuer pur: Tauchsafari-Teilnehmer dringen zu einem Schiffswrack vor.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Bis zu 50 Meter zum Meeresgrund vor- und in Schiffswracks einzudringen, verlangt selbst Drei-Sterne-Tauchlehrern (TL***) wie Ulf Malinowski aus Harpstedt höchste Konzentration ab. „Du bist in einem Raum mit einer Decke, der einer Höhle ähnelt, und kannst bei Gefahr nicht einfach mal eben auftauchen. Die Flossenschläge wirbeln oftmals Sedimente auf, was die Sicht erschwert und das Risiko in sich birgt, die Orientierung zu verlieren“, spricht der 56-Jährige aus Erfahrung.

Im Oktober 2014 begab er sich mit acht weiteren „Harpstedter Haien“ im nördlichen Roten Meer auf eine einwöchige Tauchsafari. Das Interesse der Gruppe galt weniger der imponierenden Unterwasserfauna als vielmehr Schiffen, für die der Meeresgrund zum Friedhof geworden ist. Dazu zählte die „Thistlegorm“, ein besonders beliebtes Ziel abenteuerlustiger Tauchsportler. Ein Bomber der deutschen Luftwaffe hatte dieses britische Frachtschiff im Zweiten Weltkrieg, am 6. Oktober 1941, nahe der Südspitze der Sinai-Halbinsel versenkt. Bemerkenswert findet Malinowski, dass der Großteil der Ladung sich auch heute noch, mehr als 70 Jahre später, problemlos identifizieren lässt. Die „Thistlegorm“ war damals mit reichlich Munition, je zwei Lokomotiven und Waggons sowie Klein-Lkw in See gestochen. „Außerdem mit einer Unmenge von Gummistiefeln. Welchen Zweck die in der Wüste erfüllen sollten, hat mir bislang noch keiner so richtig erklären können“, sagt Malinowski schmunzelnd.

Die einzelnen Tauchgänge hat er gefilmt, die Szenen geschnitten sowie mit Kommentaren und Musik unterlegt. Das Ergebnis zeigt der im Vogtland aufgewachsene Tauchlehrer an diesem Freitag, 24. April, ab 18 Uhr im Saal des Harpstedter Gasthauses „Charisma“. Die beamergestützte Filmvorführung ist öffentlich für alle Interessierten. Die HTB-Tauchsportler versprechen sich davon nicht zuletzt Werbung in eigener Sache – in der Hoffnung auf den einen oder anderen Neuzugang bei den „Harpstedter Haien“.

Die von einem Reiseveranstalter angebotene Wrack-Tour begann in Sharm el Sheikh. Die Unterbringung und Beköstigung erfolgte auf einem speziellen Safariboot, das jeweils die Tauchziele ansteuerte. Zur „Rosalie Moller“, die zwei Tage nach der „Thistlegorm“ von zwei deutschen Bombern des Typs Heinkel He111 versenkt worden war und Kohle geladen hatte, konnten sich nicht alle Taucher mit hinab wagen. „Für Anfänger ist das zu gefährlich“, urteilt Malinowski. Das Wrack liegt in etwa 50 Metern Tiefe. Das Auftauchen erfordert das Einlegen von „Dekostopps“. Hintergrund: Je tiefer der Taucher vordringt, desto mehr Stickstoff nimmt sein Körper auf. Nach und nach reichern sich die sogenannten „Inertgase“ sogar auch im Knorpel- und Knochengewebe an. „Wenn ich auftauche, muss ich dem Körper genügend Zeit lassen, den Stickstoff wieder abzuatmen. Sonst bilden sich im Blut Blasen, die wiederum die Blutgefäße verstopfen“, erklärt Malinowski.

Die „Safarigruppe“ sei tief in die Wracks vorgedrungen – bis in die Maschinenräume hinein. Obgleich die Tour durchaus Gefahren in sich geborgen habe, sei alles gut über die Bühne gegangen. Der österreichische Guide habe die Teilnehmer hervorragend geführt.

Ulf Malinowski hat schon rund um den Globus Unterwasserwelten erkundet. Jahrelang arbeitete er als Tauchlehrer auf Menorca. Bereits 1990, gleich nach der Wende, hatte der gebürtige Ostdeutsche mit einem Kumpel nach Ägypten zum Tauchen fahren wollen. Dieses Vorhaben musste er allerdings wegen des Golfkrieges aufschieben. „1991 sind wir dann gestartet. Wir waren tatsächlich die ersten Ostdeutschen auf der Tauchbasis in Hurghada“, erinnert sich der 56-Jährige.

Die Leidenschaft für die Erkundung der Meere sei ihm wohl in die Wiege gelegt worden. „Meine Oma hat mich oft zu ihren Kaffeekränzchen mitgenommen, als ich etwa zehn Jahre alt war. Die übliche Frage dabei lautete, was ich denn mal werden wolle, wenn ich groß sei“, entsinnt sich Malinowski. Seine Antwort sei wie aus der Pistole geschossen gekommen: „Taucher.“

Die Frage nach den attraktivsten Zielen und Touren zu beantworten, fällt ihm schon deutlich schwerer. „Sehr aufregend war jedenfalls ein Segeltörn um Kap Hoorn im Jahr 2000 mit drei Tauchgängen im Beagle-Kanal.“ Unvergesslich bleibt Malinowski das Tauchen mit Seelöwen um ihn herum. „Die hatten keine Scheu, knabberten an der Flosse, klebten mit der Nase an der Maske und schauten mir direkt in die Augen“, erzählt er schmunzelnd. „Zum Glück umgaben mich nur Weibchen. Die Männchen waren mit Revierkämpfen beschäftigt.“ Besonders reizt Malinowski das Tauchen im offenen Meer bei Strömung. „Dort ist die Chance relativ groß, Haien, die leider hemmungslos gejagt werden, zu begegnen. Diese Tiere finde ich absolut faszinierend“, sagt der Wahl-Harpstedter. Dem „großen Weißen“ wolle er allerdings lieber nicht beim Tauchen begegnen. An zwei Weißspitzen-Hochseehaie, die ihn im Roten Meer den Atem stocken ließen, kann er sich indes noch gut erinnern, zumal einer davon ziemlich „aufdringlich“ geworden sei.

Zwar gebe es etliche Raubfische und giftige Meeresbewohner; vor den meisten müssten Taucher zwar Respekt, aber keine Angst haben, denn der Mensch stehe bei ihnen „nicht auf der Speisekarte“.

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