46 Syrer landen erneut in Sammelunterkunft, finden aber recht gute Bedingungen vor

Von Turnhalle zu Turnhalle

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Ein Blick in den Speiseraum lässt erkennen: Das Essen mundet den Flüchtlingen.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. „Heute ist Freitag. Da gibt‘s Fisch“, sagt Küchenchef Matthias Stelljes. Den 46 syrischen Flüchtlingen, die seit Mittwoch die erste Sammelunterkunft der Samtgemeinde, die Harpstedter Delmeschulturnhalle, bewohnen, schmecken die Filets à la Bordelaise und die Nudeln mit Gemüse. Was sie aufgetischt bekommen, verrät ihnen jeweils der in arabischer Schrift abgefasste Speiseplan. Ob Stelljes mit syrischen Essgewohnheiten vertraut sei? „Ich habe mich ein wenig eingelesen“, erwidert der 47-Jährige aus Dimhausen.

Frühstück, Mittag und Abendbrot liefert täglich das DRK-Seniorenzentrum Harpstedt. Das Essen kommt direkt aus der Heimküche. Mehrarbeit erfordert mehr Personal: Zwölf Mini-Jobs seien über den DRK-Kreisverband zusätzlich geschaffen worden, verrät Hellen Koch, Einrichtungsleiterin des Seniorenheims, das auch alle „essensbegleitenden“ Aufgaben rund um die Beköstigung der Flüchtlinge wahrnimmt. Die Syrer speisen nicht in der Turnhalle, sondern im benachbarten Kreisjugendzeltplatzgebäude. Das steht ihnen zusätzlich als Aufenthaltsbereich zur Verfügung. Gleich nach dem „Freitagsfisch“ stürmen junge Männer „Kicker“ und Billardtisch. Ein paar Räume weiter stehen derweil zwei Waschmaschinen und ein Trockner nicht mehr still – kein Wunder bei der Zahl von Flüchtlingen, die mit Kleidungsstücken die Trommeln „füttern“.

Die Küche des kreiseigenen Zeltplatzgebäudes dient als Lebensmittellager. Babynahrung fällt ins Auge. Das jüngste der Kinder, die etwa ein Drittel der Flüchtlinge ausmachen, ist sieben Monate jung. Die syrischen Familien waren in der Hoffnung angereist, dass sie Wohnungen zugewiesen bekommen. Gelandet sind sie, allesamt ursprünglich Amtshilfeflüchtlinge, doch wieder in einer Turnhalle – wie schon in Wildeshausen, wo alle zuvor einquartiert waren.

„Sie haben aber gemerkt, dass sie hier weniger Enge und bessere räumliche Bedingungen als bislang vorfinden“, weiß Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse. Nach seiner Kenntnis sind drei der Kinder unter sechs Jahre alt und ein oder zwei im Grundschulalter. Andere – ältere – würden voraussichtlich die Oberschule in Harpstedt besuchen oder die BBS in Wildeshausen. Aber nicht sofort. Erst im neuen Jahr. „Die Schulen sind informiert und richten sich darauf ein“, so Wöbse. Ob die Flüchtlinge Kita-Platz-Bedarf haben, wird sich zeigen.

Vorwiegend in der Kinder- und Familienbegleitung setzt die Samtgemeinde nun Rania Jarjir aus Harpstedt ein. „Sie steht uns zusätzlich zu Amir Ali seit Montag als zweite AGH-Kraft zur Verfügung“, verrät Wöbse. Jarjir sei selbst Mutter, spreche arabisch und werde auch Dolmetscheraufgaben übernehmen, um etwa im Schulbereich die Kommunikation zu erleichtern. Die Flüchtlingsinitiative aus ehrenamtlichen Helfern sei „vom ersten Tag an“, also seit der Ankunft der Syrer, eingebunden, so der Bürgermeister. „Kooperativ“ habe sich der Kreisjugendring gezeigt vor dem Hintergrund, dass der Zeltplatz 2016 nicht für Ferienfreizeiten zur Verfügung steht.

Die Delmeschulhalle wird für längere Zeit Asylsuchende beherbergen. „Wir sind froh, dass wir die bis Ende Januar zu erfüllende Aufnahmequote bereits erfüllt haben“, sagt Wöbse. Das verschafft der Samtgemeinde etwas Luft. Von rund 150 beherbergten Flüchtlingen hat die Kommune etwa 100 dezentral untergebracht.

Neue Quote kam vor

wenigen Tagen

Bis Ende März muss für weitere 82 eine Bleibe gefunden werden. Die neue Quote kam vor wenigen Tagen. Noch gelingt es der Samtgemeinde immer mal wieder, Wohnungen anzumieten. In Harpstedt, Dünsen, Kirchseelte und Colnrade ist sie fündig geworden. Nicht jeder Wohnort eignet sich aber gleich gut für Familien. Die sind auf ein Mindestmaß an Infrastruktur angewiesen, „dass wir“, so Wöbse, „eigentlich nur in Harpstedt vorhalten“.

Bis Sommer, so seine Erwartung, müssen insgesamt wohl rund 300 Flüchtlinge ein Dach über dem Kopf haben. „Wir haben uns auch schon eine leere Gewerbehalle angeschaut, die aber nicht so gute Voraussetzungen bietet wie die Turnhalle. Wenn wir die nicht bräuchten, wäre ich glücklich“, gesteht der Bürgermeister. Ob sich diese Hoffnung erfüllt, kann niemand sagen. Nicht auszuschließen auch, dass die 46 Flüchtlinge in der Delmeschulhalle über kurz oder lang enger zusammenrücken müssen. Aktuell sind alle Schlafstätten ebenerdig angeordnet; kommt‘s hart auf hart, werden sie gegebenenfalls zu Etagenbetten aufgestockt.

Ein Sprachkurs der „regioVHS“ für die Syrer läuft in Kürze an, vielleicht schon nächste Woche, und zwar direkt im Kreisjugendzeltplatzgebäude. Das NDR-Fernsehen begleitet eine der Familien dauerhaft und hat auch in Harpstedt schon gedreht.

Wöbse zeigt sich optimistisch, dass sich zwischen den Flüchtlingen und der Nachbarschaft „ein gutes Klima einstellt“. Seinen Mitarbeitern zollt er Dank für viel investierte Arbeit in die Herrichtung der Sammelunterkunft. Ein Lob schickt er in Richtung Kreisverwaltung, die im Zusammenhang mit Registrierung und Gesundheitscheck keine Mühen gescheut habe.

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