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Sturmbilanz: Sämtliche Baumarten betroffen

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Von: Leif Rullhusen

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Insbesondere Fichten wurden Opfer der Stürme.
Insbesondere Fichten wurden Opfer der Stürme. © Revierförsterei Harpstetdt

Teilweise gleichen die Schäden der Februarstürme Kahlschlägen. An den Bäumen im Bereich des Harpstedter Forstamtes haben enorme Kräfte gezerrt.

Harpstedt – Die Orkane im vergangenen Monat haben in Niedersachsens Wäldern massive Schäden verursacht. Mit rund einer Million Kubikmeter bewege sich das Ausmaß etwa auf dem Niveau des Sturms Friederike im Januar 2018 und unterhalb des Sturms Kyrill aus dem Jahr 2007, bilanzieren die Niedersächsischen Landesforsten.

Schwerpunkt liegt im Bereich der Fichten

Im Bereich des Harpstedter Forstamtes sind nach Schätzungen von Revierförster Eberhardt Guba rund 10 000 Kubikmeter Holz Opfer der drei, in kurzem Abstand aufeinanderfolgenden Stürme geworden. „Wahrscheinlich noch mehr“, vermutet Guba. Betroffen seien sämtliche Baumsorten. „Der Sturm hat vor keiner Art halt gemacht.“ Der Schwerpunkt liege aber im Bereich der Fichten. Das größte zusammenhängende Areal von umgestürzten Bäumen befindet sich in der Nähe von Dünsen und ist etwa fünf Hektar groß. Das entspricht einer Fläche von fünf bis sechs Fußballfeldern. „In manchen Bereichen sehen die Schäden so aus, wie nach dem Jahrhundertorkan im November 1972“, erinnert sich der Revierförster.

„Als hätte jemand ein Gewinde hineingedreht“

In Böen müssen auch jetzt ähnliche Kräfte am Werk gewesen sein. Guba schätzt die Windgeschwindigkeiten in der Spitze auf bis zu 140 Stundenkilometern. Rund ein Drittel der Bäume sei nicht entwurzelt worden, sondern abgebrochen. Zum Teil habe es auch vollkommen gesunde, tiefwurzelnde über 100 Jahre alte Eichen und Buchen erwischt. „Die sahen aus, als hätte jemand ein Gewinde hineingedreht“, beschreibt Guba die unvorstellbaren Windkräfte. Die benachbarte Revierförsterei in Syke habe sogar noch größere Sturmschäden zu verzeichnen.

Entwurzelte Bäume im Wald bei Harpstedt
70 Prozent der Bäume wurden entwurzelt. © Revierförsterei Harpstedt

Extremwetterlagen haben sich verstärkt

Teilweise habe der Sturm richtige Schneisen in den Wald gerissen, in denen alles am Boden liegt. „Das müssen Fallwinde oder extreme Böen gewesen sein. Ab einer bestimmten Geschwindigkeit bleibt kein Baum mehr stehen“, erklärt der Revierförster. Hinzu kämen über das gesamte Gebiet der Revierförsterei verteilt sogenannte Einzelwürfe. „So ein Sturm im Sommer, dann liegt jeder Baum“, mahnt er. Insgesamt hätten sich die Extremwetterlagen schließlich verstärkt. Er habe in seiner Berufslaufbahn – Guba leitet allein seit 40 Jahren die Revierförsterei Harpstedt – „drei Stürme in dieser engen Taktung noch nicht erlebt“. Erstmals waren auch nach dem Orkan 1972 neu aufgeforstete Flächen von den Schäden betroffen. Damals seien viele Nadelholzflächen durch Mischwälder ersetzt worden. „Trotzdem sind immer noch zu viele Fichten gepflanzt worden“, sagt Guba.

Bäume sind schon geschwächt

Neben den gewaltigen Kräften der Orkantiefs sei auch der allgemeine Zustand des Waldes mit verantwortlich für die aktuellen Sturmschäden. Durch den Borkenkäferbefall und die Dürresommer sind viele Bäume schon geschwächt. Insbesondere die Trockenheit setze dem Wald auch gegenwärtig noch zu. Der vergangene Sommer habe das Regendefizit der drei trockenen zuvor noch längst nicht wieder ausgeglichen. „In die tieferen Bodenschichten ist noch immer kein Wasser vorgedrungen“, erklärt Guba. Das sei bei den jetzt im Sturm entwurzelten Fichten sehr gut zu sehen. „Unterhalb der Wurzelteller ist die Erde trocken und der Boden steinhart.“

Wie ein Schwamm auf einer Betonplatte

Eine Kombination, die das Umstürzen der Bäume jetzt noch begünstigt hat. Man müsse sich die obere, nasse Bodenschicht wie einen Schwamm auf einer Betonplatte vorstellen. „Die Bewegungsenergie der Bäume kann bei dem Sturm nicht nach unten abgegeben werden“, verdeutlicht der Revierförster. Ein weiteres Problem sei, dass Wasser kaum in die untere ausgehärtete Bodenschicht eindringt und somit für die nächste Trockenperiode nicht gespeichert werden kann. „Aktuell steht auf den Feldern das Wasser und in wenigen Monaten müssen die Landwirte trotzdem mit der Beregnung beginnen“, schildert Guba dieses Dilemma. Dass möglichst viel Wasser von den Flächen in Bäche und Flüsse abgeleitet wird, verstärke dieses Problem.

Denkbar ungünstiger Zeitpunkt

Die Schäden treffen die Förster zu einer denkbar ungünstigen Zeit. Einerseits ist die Pflanzsaison schon in vollem Gange – noch mehr als vier Millionen kleine Bäume planen die Niedersächsischen Landesforsten (NFL) bis zu deren Ende etwa nach Ostern noch in die Erde zu bringen. „Uns bleibt aber auch weniger Zeit, bis auch die Aktivität der Borkenkäfer wieder zunimmt, für die das Sturmholz ein gefundenes Fressen ist und die sich darin zu vermehren drohen“, erklärt NLF-Vizepräsident Klaus Jänich die Dringlichkeit der Aufarbeitung des Sturmholzes, das aber zumindest auf einen sehr aufnahmefähigen Holzmarkt treffe. Auch Guba und sein Team beginnen deshalb sofort mit den Aufräumarbeiten.

30 Prozent brachen ab.
30 Prozent der Bäume brachen ab. © Revierförsterei Harpstedt

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